Die Brüderbewegung im Dritten Reich, Friedhelm Menk

  • Die Brüderbewegung im Dritten Reich, Friedhelm Menk

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Bestell-Nr:     BN0440
Autor:  Friedhelm Menk
Titel:    Die Brüderbewegung im Dritten Reich,
Preis:   12,95 €

INHALTSVERZEICHNIS
Vorgeschichte
A. Die Anfänge der Brüderbewegung
1. Der Kirchen- und geistes geschichtliche Hintergrund
2. Die ersten Zusammenkünfte der »Brüder«   
Exkurs: Die Lehre der» Brüder« nach J.N. Darby (1878)
3. Offene und geschlossen Brüder
4. Die Brüderbewegung in Deutschland

B. Schwierigkeiten innerhalb der Bewegung
1. Die Raven- Trennung
2. Die offenen Brüder in Deutschland und die Allianzfrage

Weitere Veränderungen innerhalb des Brüderturns
A. Der Tod Rudolf Brockhaus und die Stündchenbewegung
B. Die Brüder und der Nationalsozialismus
C. Offener Konflikt
- Offener Briefwechsel -

Das Ende der »Christlichen Versammlung« und der Bund freikirchlicher Christen (B. f. C.)
A. Gesuche zur Aufhebung des Verbots
B. Der Bund freikirchlicher Christen (B. f. C.)
1. Elberfelder Zusammenkunft vom 30. Mai 1937
2. Satzung des B. f. C.   
C. Verschmelzung mit den »Kirchenfreien Christlichen
Gemeinden in Deutschland« (offene Brüder)

Stellungnahmen zum B. f. C.
A. Nichtbündler   
1. Das Gericht Gottes
2. Neuanfang oder Niedergang?
3. Die alten Brüder und der Bund
4. Forderungen der Obrigkeit
5. Drei Briefe
6. Gedichte

Das Ausland
1. Kritik an Dr. Becker und dem offenen Standpunkt.
2. Der brüdergeschichtliche Hintergrund
3. Brüderspaltung

C. Mitglieder des Bundes freikirchlicher Christen (B. f. C.)
D. Die Bekenntniskriche

Die staatsabhängige deutsche NS-Gemeinde
A. Der neue Kurs
B. Vereinigungsbestrebungen mit Freikirchen

Bund evangelisch-freikirchlicher Gemeinden (B. e. f. G.)
Die ambivalente Verbotssituation und die Verfolgungszeit


Die Neuorientierung der gesamten Brüderbewegung nach dem Dritten Reich
A. Die Aufhebung des Verbots
B. Wie geht es weiter?
C. Bündler, exklusiv oder offen?
D. Bundesfreie Brüderversammlungen
E. Schlußbemerkungen

Gedicht: Seine Herrlichkeit
ANMERKUNGEN
Anhang
Quellen- und Literaturverzeichnis
Übersicht der deutschen Brüderbewegun


VORWORT
Im Rahmen der sogenannten Freikirchen darf eine biblikale Gruppe nicht unberücksichtigt bleiben. Allzuoft wurden bislang die sich einfach als »Brüder« bezeichnenden Christen von Außenstehenden als Randerscheinung der Kirchengeschichte abgetan. Nach Ernst Benz besitzt jedoch die kirchengeschichtliche Forschung die Aufgabe, »sich mit allen Äußerungen des religiösen Lebens der christlichen Kirche«1) zu befassen. So haben die »Brüder« im vergangenen Jahrhundert verschiedene »Wahrheiten« des Wortes Gottes, vor allem in Bezug auf die Ecclesia (Kirche, Versammlung, Gemeinde), wieder neu ans Licht gebracht.
In Deutschland ist die Brüderbewegung unter dem Namen »Elberfelder Brüder«, »Christen ohne Sonderbekenntnis«, »Christliche Versammlung« oder nach dem Engländer John Nelson Darby (1800 - 1882) als »Darbysten« bekannt.
Die »Brüder« wollten bisher kein Geschichtsverständnis aufbringen. Da sie sich aber häufig auf Schriften und Aussagen alter Brüder berufen, muß man feststellen, daß sie doch eins besitzen. Sie geben vor, sich streng an 1. Korinther 1,30 zu halten: »Aus IHM seid ihr in Christo Jesu, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung.« Alle derzeitig bestehende Brüdergeschichtsliteratur wirkt einseitig und wurde oft von Gegnern der »Brüder« verfaßt, denen meist genaues Verständnis und Beurteilungsvermögen fehlte. Um eine möglichst sachliche historische Darstellung zu veröffentlichen, griff ich vorwiegend auf schwer zugängliche Stellungnahmen, Rundbriefe und nicht veröffentlichte Privatkorrespondenz zurück (siehe Quellenverzeichnis ).
Zunächst möchte ich kurz die geschichtlichen Voraussetzungen zur Entstehung des Versammlungsverbots zur Zeit des Dritten Reiches aufzeigen. Anschließend erfolgen Darstellungen unterschiedlicher theologischer Anschauungen und Stellungnahmen der »Brüder« gegenüber dem Nazinalsozialismus und die daraus resultierenden Trennungen.
Vorliegende Arbeit will zur historischen Wahrheitsfindung einen entscheidenden Beitrag leisten. Vor allem erhält die heutige Generation über das Werden der unterschiedlichen Brüdergruppen konkrete Informationshilfen. Zur besonderen Aktualität gelangt die bearbeitete Problematik, da sich heute im Brüdertum oft deutliche Parallelen zu den Einstellungen und Mißständen der »Christlichen Versammlung« in den dreißiger Jahren herstellen lassen. So ist der Wunsch der jungen und älteren Generation nach einer möglichst objektiven Darstellung der Geschehnisse verständlich; nicht zuletzt auch deshalb, um nun endlich die Vergangenheit der »Brüder« zu bewältigen und aus den Fehlern der Väter zu lernen!
1)vgl. Geldbach, Christliche Versammlung und Heilsgeschichte bei lohn Nelson Darby, S. 7
Weil meine Absicht primär darin bestand, die Ereignisse in Bezug auf das Verhalten der »Brüder« im Dritten Reich in ihrer ganzen Vielseitigkeit darzustellen, bemühte ich mich auf eine subjektive Wertung zu verzichten. Im übrigen galt für mich: »Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet; denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maße ihr messet, wird euch gemessen werden.« (Mt. 7,1-2)
Für zahlreiche Ratschläge und Anregungen bin ich verschiedenen deutschen und ausländischen Brüdern zu Dank verpflichtet.

I. VORGESCHICHTE
A. Die Anfänge der Brüderbewegung

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in Dublin eine besondere Erweckung, die sich über die britischen Inseln nach Frankreich, in die Schweiz, nach Deutschland, Holland, Dänemark und Schweden ausbreitete. Und weiter konnte auch eine Einflußnahme in den englischen Kolonien, den Vereinigten Staaten, Asien, Afrika und Australien erfolgen. England, welches seit Jahrhunderten freiere Versammlungsrechte besaß, gab hier den entscheidenden Impuls für das sogenannte Brüdertum.
1. Der kirchen- und geistesgeschichtliche Hintergrund
Die anglikanische Staatskirche Englands steht in der Lehre vom Heil und den Sakramenten auf evangelisch reformiertem Boden; allerdings tendiert sie in der Lehre von der Kirche und ihrer Verfassung mehr zum römischen Katholizismus. Als Träger gelten noch heute Bischöfe. Nur die von diesen Bischöfen geweihten Geistlichen, die durch eine ununterbrochene Kette von Ordinationen ihr Amt von den Aposteln empfangen haben, sind nach ihrer Kirchenordnung zur Ausübung eines geistlichen Amtes tüchtig und zur Verwaltung der Sakramente berechtigt.1) So führten diese Tradierungen die englische Staatskriche in eine folgenschwere Zerreißprobe, wobei sie sich vornehmlich.in drei Gruppen spaltete:2)
I. die hochkirchliche Partei (high-church party), die besonders für die hohen Aristokraten, das Staatskirchenturn und alle konservativen Überlieferungen eintrat;
2. die evangelische Partei (evangelical party), welche mit den Dissenters unter Betonung des allgemeinen Priestertums aller Gläubigen zusammenarbeitete; sie kämpfte gegen die konservativen Überlieferungen (vor allem gegen die tote Rechtgläubigkeit und anmaßende Priesterherrschaft) der high-church party und fordert die Unabhängigkeit der Kirche vom Staat;
3. die Mittelpartei (broad-church party), eine vermittelnde Richtung, die jedoch an Kult und Dogmen der bestehenden Kirche festhielt. So wollte bei all diesen Auseinandersetzungen eine akademische Reformbewegung innerhalb der erstgenannten Gruppe unter Leitung der Professoren Pusey und Newman seit 1830, durch Hinzufügung von einigen Riten und Sakramenten die Mißstände der englischen Hochkirche beseitigen. Auch die Überprüfung der Glaubenslehre an den Maßstäben der Vernunft, die Umdeutung der Dogmen in Vernunftwahrheiten und der Wunder in natürliche V orgänge3), brachte dem einfachen Kirchenvolk nicht genügend Befriedigung.

2. Die ersten Zusammenkünfte der »Brüder«
Von dem Pomp und Vernunftglauben der Hochkirche enttäuscht, wurden viele Christen zu einem tieferen Bibelstudium angeregt. An verschiedenen Plätzen trafen sie sich formlos und unabhängig voneinander in Privatwohnungen. Diese Gemeinschaftsstunden wurden unter den Bezeichnungen »Lese-Zusammenkunft«4) oder »Gesellige-Tee-Abende«5) bekannt. Dabei gestalteten sich nach »urchristlichem Vorbild« kleine lebendige Zellen, die zunächst nach dem Sinn der »wahren Kirche und der wahren Einheit fragten. Zu einem dieser Zirkel gehörten Bellett, Cronin, Hutchinson, Darby7!, und manchmal auch Groves, der - wie Geldbach oder andere Gegner Darbys gern zitieren - diesem jungen revolutionären Team später mit Form und Richtung gab. .
Im Frühjahr 1827 gelangte Anthony Norris Groves, ein junger Zahnarzt, durch ein intensives Bibelstudium zu der Überzeugung, »daß Gläubige, die sich als Jünger Christi versammeln, frei seien, das Brot miteinander zu brechen, wie ihr Herr es ihnen anvertraut hat, und daß,
soweit die Praxis der Apostel ein Maßstab sei, jeder Tag des Herrn dazu benutzt werden solle, sich des Herrn zu erinnern und seinem letzten Befehl zu gehorchen.

Infolge dieser bahnbrechenden Vorstellung können wir die oben genannten Brüder wohl als »Väter der Brüderbewegung« ansehen. Viele entdeckten schon bald John Nelson Darby, einen intelligenten Aristokraten, Jurist und ordinierten Priester der anglikanischen Kirche, als
geistlichen Führer und Kopf der Brüderbewegung. Im Jahr 1828 veröffentlichte jener seine erste ekklesiologische Schrift11) mit dem Titel: »Betrachtungen über die Natur und Einheit der Kirche Christi«12), in der es ihm nicht nur um das Gedächtnismahl, sondern auch um die Darstellung der Einheit aller Christen ging. Deshalb kann eigentlich nicht Groves, sondern J. N. Darby als wesentlicher Initiator der Brüderbewegung angesehen werden. In diesem Zusammenhang
ist ein Brief Darbys, der vermutlich an den Theologieprofessor Dr. F. U. Tholuck (1799 - 1877) adressiert war, interessant: »Da wir glauben, daß die Bezeichnung »Brüder« auf alle Kinder Gottes gleicherweise angewandt werden sollte, lehnen wir den Ausdruck »die Brüder« als unterschiedlichen Namen für uns ab, .denn wir wollen die Bezeichnung nur dann angewandt wissen, wenn damit alle Kinder Gottes gemeint sind. Wir denken nicht daran, andere als Nicht-Christen anzusehen oder unsere Ver bin dun g mit einem jeden Hausgenossen Gottes (Eph. 2,19) fallen zu lassen. Wenn wir für uns nur die Bezeichnung:
Christen, Brüder, Gläubige gelten lassen wollen, alles andere aber ablehnen, so wollen wir damit nichts anderes zum Ausdruck bringen, als daß wir uns ausschließlich zum Namen des Herrn Jesu hin versammeln (Mt. 18,20), als Brüder, die Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum
durch das Blut Jesu (Hebr. 10,19).« Viele bisherige Untersuchungen sahen im Brüderturn eine evangelische Kirchenrichtung unter besonderer Beachtung der Abendmahlfeier.

Der Lebensweg Darbys und Dr. Cronins zeigte jedoch, daß ihnen vor allem die »Darstellung der Einheit« sehr am Herzen lag. Es erschien den »Brüdern« überaus wichtig, in biblischem Sinn die Brüderschaft aller Christen vor der Welt darzustellen. Selbst die Reformatoren hatten nicht verstanden, die aus dem Geist Geborenen zu sammeln. Alle Christen sollten eine Einheit bilden, allerdings nicht durch einen formellen Zusammenschluß von Kirchen, sondern durch die Wirksamkeit des Geistes.13) Daher erkannte Darby nach intensivem Bibelstudium, daß die ecclesia spiritualis sichtbar manifestiert, als eine »Stadt auf dem Berge« illustriert werden müsse.
Das äußere Zeichen der Einheit nach 1. Kor. 10,17 war die Teilnahme am Abendmahl.
So gesehen verbanden die »Brüder« mit der Mahlfeier des Herrn folgende drei Kriterien:
1. Die Gedächtnisfeier14) (Lk. 22,19f; Mt. 26,26f; 1. Kor. 11,24f)
2. Die Darstellung der Einheit des Leibes Christi, als Zeugnis vor der
Welt15) (1. Kor. 10,16-18 und 21; Röm. 12,5)
3. Die Verkündigung seines Todes bis zu seinem Kommen (1. Kor. 11 ,26) Wer aber sollte und durfte am Tische des Herrn teilnehmen? Zunächst alle wahren Christen. Darby schrieb 1840 an einen Bruder in der Landeskirche:
»...eine Versammlung, die nicht alle Kinder Gottes aufnimmt, würde ich nicht anerkennen können, weil ich weiß, daß Christus sei, die Kinder Gottes, aufgenommen hat. Ich sehe den Verfall der Kirche; ich folge meinem Gewissen gemäß dem Lichte, das ich aus dem Wort empfangen habe, aber ich begehre auch, die Schwachheit oder den Mangel an Erkenntnis zu tragen, den ich bei anderen Gläubigen, die nicht die Einheit darstellen, finden könnte, und ich möchte auch alles tun, um diejenigen, die den Herrn lieben, miteinander zu vereinigen... Aber ich möchte lieber einsam. und allein bleiben, .. .als die Grenzen der Kirche Christi auf eine gewisse Anzahtvon Brü
dern zu beschränken...«16)
So versuchten die »Brüder« die Einheit aller wiedergeborenen Christen dazustellen. Ohne auf die Herkunft der einzelnen Gläubigen zu achten, tolerierte einer den anderen, wobei Mt. 18,20 jegliche Gegensätze und alle Spannungen, Verwirrungen und Streitigkeiten ausschaltete: » Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.«

Exkurs: Die Lehre der »Brüder« nach J. N. Darby (1878)
Um die Geschichte der »Brüder« etwas besser zu verstehen, folgt ein Brief Darby's, in dem er kurz die Lehre der »Brüder« darlegt: Der nachstehende Brief wurde im Jahre 1878 an einen der Redakteure des »Francais«, einer in Frankreich erscheinenden katholischen Zeitung, gerichtet.
»Geehrter Herr!
Meine Antwort auf den Brief, welchen Sie gütigst an mich gerichtet haben, ist etwas verzögert worden durch fortwährende Beschäftigung, die mir keine Muße ließ. Ich..

Verlag:     CLV Bielefeld
Jahr:     1986
Einband:     Hardcover
Seitenzahl:     249
Format:     18,x11cm
Zustand:     neu
Gewicht:     410 g

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