Trügerische Stille, B J Hoff

  • Trügerische Stille, B J Hoff
gebraucht
Bestell-Nr.: BV15685
Autor/in: B J Hoff
Trügerische Stille
Preis: 3,90 €
ISBN: 3861223317 (ISBN-13: 9783861223313)
Format: 20,5 x 13,5 cm
Seiten: 186
Gewicht: 221 g
Verlag: Francke-Buchhandlung
Erschienen: 1997
Einband: Paperback
Sprache: Deutsch
Zustand: leichte Gebrauchsspuren

Vorwort
Juli
Der Mann am Strand zog den Reißverschluß seiner Windjacke hoch
und schob seine Hände in die Hosentaschen. Erneut starrte er auf das
kleine, puppenhausähnliche Haus, das er nun schon über eine Stunde
lang beobachtete. Dann wandte er sich um und ging davon.
Sie haue das Ferienhaus heute abend nicht verlassen. Gestern und
vorgestern war sie stets noch etwas spazierengegangen. Heute abend
jedoch nicht. Er konnte einen sanften Lichtschimmer hinter den zuge
zogenen Vorhängen erkennen, und einmal war auch die Tür gerade
soweit geöffnet worden, daß die kleine weißgrauc Katze hindurch
schlüpfen konnte. Aber er hatte nicht einmal einen Blick von der Frau
erhaschen können, bevor diese wieder hinter der Tür verschwand.
Er hielt inne und sah zum Pier hinüber. Sein Blick fiel auf den weißen
Leuchtturm, dessen rotes Licht durch die dickdüstere Dämmerung
flackerte. Die Luft, die vom Ericsee herüberwehte, war feucht und
schwer — ungewöhnlich kühl für einen Juliabend.
Einige Sekunden später strich er sich mit der Hand durchs Haar und
ließ diese schließlich müde an seinem Nacken hinuntergleiten. Darauf
hin ging er mit großen Schritten weiter. Er eilte eine schmale Straße
zwischen einfachen Ferienhäusern hinunter, überquerte ein kleines
Gäßchen und bog in eine dunkle, menschenleere Straße ein. Nachdem
er seine staubige schwarze Limousine aufgeschlossen hatte, sah er sich
noch einmal um. Dann glitt er schnell hinter das Steuer und streifte mit
seinem Kopf das Autodach. Er steckte den Schlüssel in die Zündung
und drückte auf die automatische Türverriegelung. Ungeduldig war
tete er darauf, daß der Motor warm wurde, während seine Hände am
Lenkrad zitterten.
Er sah auf seine Armbanduhr und zog dann eine kleine Taschen
lampe aus dem Handschuhfach hervor. Er leuchtete auf den Sitz
neben sich und blätterte die Seiten eines schwarzen Ringbuchordners
durch, bis er fand, was er suchte. Lange surrte er das Zeitungsfoto
unter der transparenten Schutzhülle an. Schließlich fiel sein Blick auf
den Text unter dem Bild. Er senkte die Taschenlampe etwas und über
flog den Artikel, der vor drei Jahren aus dem Nasbville Banner ausge
schnitten worden war. ... Vali Tremayne ist noch immer nicht bereit^ Aussagen über
ihre Zjukunftspläne zu machen. Die Sängerin, die steh seit zwei
Jahren an der Spitze der modernen christlichen Musikszene befin
det, soll einen Nervenzusammenbruch erlitten haben, nachdem
ihr Verlobter, der Komponist und Sänger Paul Alexander, bei
einem Flugzeugabsturz über den Appalachen auftragische V/eise
ums Leben gekommen ist.
Joanne Seidon, Miss Tremaynes Agentin, weigerte sich ebenfalls,
die Pläne ihrer Klientin preiszugeben. Quellen zufolge soll sich
Miss Tremayne jedoch wieder ^erholt" haben und sich gegen
wärtig in einem Seebad im Norden Ohios befinden. Sollte diese
Information korrekt sein, so könnte dies bedeuten, daß Miss Tre
mayne sich dazu entschlossen hat, in der Nähe der Familie Alex
ander zu wohnen.
Die Mutter des verstorbenen Musikers, die bekannte Romanau
torin und Literaturpreisträgerin Leda Alexander, lebt in San-
dusky, Ohio. Sein Zwillingsbruder, Dr. Graham Alexander, ist
ein bekannter und höchst angesehener Wissenschaftler und
Gründer des A lexander Zentrums, eines der größten und einfluß
reichsten Forschungszentren des Landes. Es befindet sich ebenfalls
im Norden Ohios. Dr. Alexander selbst wohnt in Port Clin
ton ...


Der Mann in der schwarzen Limousine sah von dem Zeitungsaus
schnitt hoch und legte eine Kassette ein. Einige Augenblicke saß er
ruhig und unbeweglich in seinem Sitz und starrte vor sich hin, wäh
rend seine Einger auf dem Steuer gedankenverloren die Musik auf der
Kassette mitklopften.
Minuten später knipste er die Taschenlampe wieder aus, rollte mit
seinem Wagen langsam vom Parkplatz und fuhr in Richtung Land
straße. Gleichzeitig beugte er sich nach vorne und stellte die Musik
lauter, um die Stimme Vali Tremaynes in ihrer ganzen Fülle hören zu
können

****

Vali hatte ihn heute nacht wieder gesehen. Dies war nun bereits die
dritte Nacht hintereinander, daß er hier draußen gewesen war. Doch
nie hatte sie mehr gesehen als nur eine vage Silhouette hinter der Sce-
mauer.
Mit einem unwilligen Stirnrunzeln ließ sie den Vorhang wieder
zurückfallen, wandte sich hastig vom Fenster ab und sah sich nervös
im Wohnzimmer um. Normalerweise sprühte es mit seinen zitronen
gelben Wänden und dem Chintz mit dem Blumenmuster nur so von
fröhlicher Farbenprächtigkeit, doch nun lag es etwas versunken im
Schatten des schwachen Scheins der gläsernen Tischlampe. Ihr Blick
fiel auf ein Foto, welches zwischen unzähligen Büchern und Keramik
schüsseln auf den Regalen neben dem Kamin stand.
Sie durchquerte den Raum und nahm das eingerahmte Foto mit
einem etwas traurigen Lächeln aus dem Regal. Ein dunkelhaariger
Mann mit einem angenehmen und schönen Gesicht lachte sie an. Zärt
lich strich sie mit ihrem Zeigefinger über das Glas, so als könne sie
dadurch das Bild zum Sprechen bringen. Paul....
Sie stellte es wieder an seinen ursprünglichen Platz zurück und emp
fand beinahe so etwas wie Schuldgefühle. Graham wollte schon lange,
daß sie das Bild seines Bruders endlich wegnahm. Anfangs hatte er ihr
nur vorgeschlagen, daß sie dieses letzte Erinnerungsstück an Paul doch
besser entfernen sollte. Später war aus diesem Vorschlag eine Forde
rung geworden. Sie wollte Graham nicht verletzen, aber sie konnte
sich auch nicht dazu überwinden, es zu tun.
Sie berührte das Foto nun nicht mehr, sondern starrte es nur noch
an. Jener Tag kam ihr wieder in den Sinn, der Tag, an dem es aufge
nommen worden war. Wie hatte Paul doch gelacht, als er ihr erzählte,
daß sein Agent ihn sich für die Werbefotos etwas ernsthafter und nach
denklicher wünsche ...
„Ich soll ernsthafter aussehen^, hatte er ihr erzählt und dabei sein
Gesicht gewollt ernst verzogen. Doch nach nur einer Sekunde war er
schließlich wieder in sein so vertrautes Lachen ausgebrochen.
Paul war ein Mann mit Sonne im Herzen und in den Augen gewesen
... Er war immer so fröhlich, so zufrieden, so zuversichtlich. Bis dann
jedoch all die hellen und wundervollen Eigenschaften, die Paul ausge
macht hatten, in einem brennenden Flugzeug an einem kalten schwar
zen Berghimmel ausgelöscht wurden.
Sie preßte die Fingerspitzen ihrer Hand gegen ihre Schläfe, um das
schwache und schmerzhafte Pochen abzuwehren, welches sich ein
stellen wollte. Es kam immer dann, wenn sie sich nicht gegen ihre

Neue Bewertung

Bitte anmelden oder registrieren um Bewertung zu verfassen


Verfügbarkeit: noch 1 Exemplar

Bestseller

Jesus unser Schicksal, Wilhelm Busch

Jesus unser Schicksal, Wilhelm Busch

gebraucht Bestell-Nr.: BN0580-20 Autor/in:    Wilhelm Busch Jesus u..

2,90€ Netto 2,71€

Leid Warum lässt Gott das zu? Peter Hahne #3

Leid Warum lässt Gott das zu? Peter Hahne #3

gebraucht Bestell-Nr.: BN1244 Autor/in:    Peter Hahne Leid - Warum..

2,90€ Netto 2,71€

Ist die Bibel glaubwürdig, Roger Liebi

Ist die Bibel glaubwürdig, Roger Liebi

gebraucht Bestell-Nr:     BN2477 Autor/in:    Roger Liebi Ist die B..

4,50€ Netto 4,21€

Warum lässt Gott es zu? Arthur Ernest Wilder-Smith

Warum lässt Gott es zu? Arthur Ernest Wilder-Smith

gebraucht Bestell-Nr.: BN0559 Autor/in: Wilder Smith, Arthur E ..

2,90€ Netto 2,71€