Bewährung - eine Anthologie, Margarete Wiegmann

  • Bewährung - eine Anthologie, Margarete Wiegmann
gebraucht
Bestell-Nr.: BN5709
Autor/in: Margarete Wiegmann
Titel: Bewährung - eine Anthologie
Preis: 3,90 €
Format: 13 x 20,5 cm
Seiten: 103
Gewicht: 170 g
Verlag: Evangelische Verlagsanstalt Berlin
Erschienen: 1965
Einband: Leinen
Sprache: Deutsch
Zustand: leichte Gebrauchsspuren
 
DER LÜCKENBÜSSER IM DIENSTE DES LEBENS
Leicht fährt der kleine geschlossene Kutschwagen dahin, bespannt mit vier asiatischen Rößlein und gelenkt von einem munteren Araber mit rotem Fez mit blauer Quaste. Die Pferdchen traben tapfer zu, trotz der ansteigenden Straße, die kurz hinter der Hafenstadt Alexandrette beginnt, sich hinauf auf das Amanusgebirge und dann hinein in das Land Syrien erstreckt; leichte Fracht führen sie heute, denn im Chaischen sitzt ein schmächtiger junger Mann. Von der Fracht aber, die sein Passagier trägt, ahnt auch der brave Rosselenker nichts, der sich unentwegt sein Liedchen pfeift. Fracht eines bangenden Herzens will Jakob Künzler aus Hundswil, im Kanton Appenzell in der Schweiz, nun doch arg bedrängen: weit hinter sich die Heimat, die Geschwister und Freunde, die Gräber der Eltern, vor sich ein unbekanntes Land, dessen Sprache er noch nicht vollkommen beherrscht, ein unbekanntes Arbeitsfeld, das seinen vollen Einsatz erwartet, fremde Menschen, fremde Sitten.
Da mag er sich wohl an jenen anderen erinnert haben, der gerade eben in der Gegend, auf die er zureist, den Befehl von Gott erhielt: „Gehe aus deinem Vaterlande und von deiner Freundschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. " Kannte Abraham etwa Weg und neue Heimat, als er von Haran auszog in das Mittagsland? Aber Abraham gehorchte, und des Herrn Verheißung erfüllte sich an ihm. Er will auch gehorchen, der Bruder Jakob, der vor wenigen Monaten dem Gründer der Armenier-Hilfe in derTürkei, Dr. Lepsius, die Hand darauf gegeben hat, daß er „die Armenier, die noch aus tausend Wunden bluteten, pflegen, daß er dabei aber auch deren Feinde, die Mohammedaner, nicht vergessen, sondern auch an ihnen christliche Nächstenliebe üben" wolle. Viel hatte es da noch zu lernen gegeben - die türkische, armenische und englische Sprache und manches andere - für den Basler Diakon, der für tüchtig, erfahren, geschickt und opferbereit genug erachtet wurde, in den schweren Dienst an den christlichen, hart bedrängten Armeniern berufen zu werden - als einer von den Männern, die es ganz ernst nehmen mit dem Anruf Christi zu seiner Nachfolge in der Liebe. Wunderbar fühlte sich Bruder Jakob geführt, als ihm im
zwanzigsten Lebensjahr zwar der Wunsch, ein Prediger bei den Heiden zu werden, versagt geblieben war und er sich nach hartem Kampf mit den hoffärtigen Wünschen des eigenen Herzens entschlossen hatte, ganz bescheiden den schwarzen Rock und das Predigtamt für den weißen Kittel des dienenden Bruders hinzugeben und die praktische Arbeit an der leidenden Menschheit aufzunehmen. Er hat nimmermehr tauschen wollen. .
Von früher Jugend an schon schien es, als wiese Gott ihn selber ein in seine spätere Lebensarbeit, als er dem elfjährigen Köbi (so heißt ein Jakob im Schweizerdeutsch) aufgab, die kranke Mutter zu pflegen, sechs kleinere Geschwister und den Haushalt zu versorgen, so gut er konnte, zu putzen, zu scheuern, zu kochen.
Ein Jahr war er im Basler Diakonenhaus ausgebildet worden und hatte darauf fünf Jahre im Bürgerhospital als Bruder gedient und sich dabei als ein ausgezeichneter Helfer bei Operationen bewährt.
Nun ist er im Jahre 1899, als Achtundzwanzigjähriger, unterwegs nach der schweizerischen Missionsstation Urfa, von der aus man in der Tat die alten Abrahamstätten erblicken kann. Wenn ihm schon die Reise im unwegsamen Land, zu Pferde durch die Steppe im eiskalten Regen, mit Übernachtungen bei Dorfhäuptlingen manche Nuß zu knacken gibt, so erwarten ihn noch ganz andere Überraschungen, als sich einige Tagereisen nach der Überschreitung des Euphrats die Tore der kleinen Stadt Urfa dem halberfrorenen Reisenden öffnen.
 
Auf zwei Hügeln, ganz aus weißem Kalkstein erbaut, die Stadt am Nordrand der Haranebene, an ihrem einen Ende förmlich durchwoben von paradiesisch schönen Gärten, deren Farbenpracht und berauschender Duft ihrer Blumen aber nicht hinwegtäuschen kann über den Gestank von verwesenden Hunden und Katzen in den inneren Straßen. (Der Mohammedaner tötet bekanntlich kein Haustier.) Die Arbeitsräume, in denen Bruder Jakob nun wirken soll, verschmutzt, u.ngepflegt, die Verbandsräume eng, dunkel, dreckig, die Apotheke verstaubt; im viel zu kleinen Operationsraum ein mit Weißblech beschlagener Holzschragen als Operationstisch, an den Seiten Rinnen, die sich in ein Blechgefäß ergießen, zum Auffangen des Blutes. Köbi überwindet das Grauen: Dienen, dienen, dienen, gebietet er sich selber.
 

 

Neue Bewertung

Bitte anmelden oder registrieren um Bewertung zu verfassen


Verfügbarkeit: noch 1 Exemplar

Bestseller

Jesus unser Schicksal, Wilhelm Busch #2

Jesus unser Schicksal, Wilhelm Busch #2

gebraucht Bestell-Nr.: BN0580-20 Autor/in:    Wilhelm Busch Jesus u..

2,85€ Netto 2,71€

Der Weg nach Luv Band 3, Eugen Kunz

Der Weg nach Luv Band 3, Eugen Kunz

gebraucht Bestell-Nr.: Luv03 Autor/in: Eugen Kunz Der Weg nach Luv ..

4,91€ Netto 4,67€

Leid Warum lässt Gott das zu? Peter Hahne #5

Leid Warum lässt Gott das zu? Peter Hahne #5

gebraucht Bestell-Nr.: BN1244 Autor/in:    Peter Hahne Leid - Warum..

2,85€ Netto 2,71€

Jerusalem - Die Zukunft der Stadt des großen Königs, W. J. Ouweneel

Jerusalem - Die Zukunft der Stadt des großen Königs, W. J. Ouweneel

wie neu Bestell-Nr.: BN0468-1 Autor/in: W. J. Ouweneel Jerusa..

12,46€ Netto 11,87€