Das Mädchen mit dem kalten Blick - Ich war ein Gruftie, Claudia Eggert, Jo Scharwächter

  • Das Mädchen mit dem kalten Blick - Ich war ein Gruftie, Claudia Eggert, Jo Scharwächter

gebraucht
Bestell-Nr.: BV10727
Autor/in:    Claudia Eggert, Jo Scharwächter
Titel:    Das Mädchen mit dem kalten Blick - Ich war ein Gruftie
Preis:    3,00 €
ISBN:    9783870674779 (früher: 3870674776)
Format:    19 x 12 cm
Seiten:    64
Gewicht:    85 g
Verlag:    Brendow
Erschienen:    1992
Einband:    Taschenbuch
Sprache:    Deutsch
Zustand:    leichte Gebrauchsspuren

Vorwort
Das Leben war nichts, der Tod alles
„Der Friedhof war der einzige Ort, der mir Ruhe und Frieden gab. Ich saß auf den Gräbern und fing an, mit den Toten zu reden:' Claudia Eggert war ein Gruftie: kalkweiß geschminkt, pechschwarz gekleidet, Stirnband mit einem Totenkopf. Als Bürgerschreck läuft das Mädchen mit dem kalten Blick in ihrer süddeutschen Heimatstadt Aldingen herum. Mit Schule, Beruf, dem ganzen bürgerlichen Kram hat sie Schluß gemacht. Die Totenwelt fasziniert sie mehr als das Leben. Was folgt, sind Drogen, Parapsychologie, Okkultismus - und Verzweiflung.
Aber tief in ihrem Innern sitzt nicht nur Rebellion. Von Kind an schon sucht die Tochter aus gutem Hause nach Liebe und Anerkennung, nach Sinn und Licht. Und doch gerät sie immer tiefer in das Dunkel, in Sinnlosigkeit und Verzweiflung. Das Leben bedeutet ihr nichts, der Tod alles.
Eines Tages, als sie ziellos und kaputt durch die Straßen irrt, läuft sie mir über den Weg. Ich spreche sie an, aber das Mädchen mit dem kalten Blick gibt mir, dem Heilsarmee-Offizier, zunächst eine Abfuhr. Trotzdem kommen wir noch ins Gespräch. „Ist Parapsychologie vom Teufel?" will Claudia wissen. „So wie du aussiehst, ganz bestimmt", gebe ich ihr zurück. Doch der Teufel hat nicht das letzte Wort. Als sie von Jesus hört, wird es hell um die junge Frau. Seine Liebe, die selbst den eigenen Tod nicht scheute, läßt Claudia nicht kalt. Sie weiß: Für mich beginnt jetzt ein neues Leben, das echte Leben.
Ich, Jo Scharwächter, besser bekannt als „Halleluja-J®', habe das selbst erlebt. Auch ich bin selbst ganz kaputt und unten gewesen - und habe doch ein neues Leben gefunden. Aus dem früheren Zuhälter und langjährigen Strafgefangenen, der sich nur auf seine Fäuste verließ, ist ein neuer Mensch geworden. Jesus - Gottes Mensch gewordene Liebe - hat den alten Jo überwältigt und etwas Besseres aus ihm gemacht. Als Heilsarmee-Offizier bin ich unterwegs, um den Menschen zu sagen: Bei Gott gibt es keine hoffnungslosen Fälle. Er gibt niemanden auf. Der extremste Gruftie, der abgehärtetste Punk ist ihm alles wert, sogar das Leben seines Sohnes Jesus Christus. Aber nicht nur die Außenseiter liebt Gott, sondern auch die Anständigen, die Gutsituierten, die Selbstzufriedenen, die Normalbürger.
Keiner kann mit seinem Leben allein zurechtkommen. Wunde Punkte hat jeder, schuldig werden wir alle - am eigenen Leben und an dem anderer. Das zeigt nicht zuletzt die Geschichte von Claudia Eggert.

1. Kapitell: Einmal sein wie Barbie
An der Wiege hat es ihr niemand gesungen, daß sie einmal als Gruftie mit weißem Gesicht, in schwarzer Lederkleidung und vollgestopft mit Drogen durch die Straßen ihrer süddeutschen Heimat läuft. Claudia Eggert kommt in gutbürgerlichen Verhältnissen zur Welt, in besseren als die meisten anderen Kinder. Äußerlich ist ihre Welt in bester Ordnung: Die Eggerts sind wohlhabende und angesehene Leute. Mutter Sieglinde sorgt für den Haushalt. Vater Alfred leitet ein mittelständisches Unternehmen. Es fertigt Metallteile, die unter anderem im Eisenbahn- und Flugzeugbau verwendet werden. Der Betrieb gehört ihm mit seiner Schwester, die Geschäfte gehen gut, aber der Erfolg hat auch seinen Preis: Arbeit, Arbeit und noch mal Arbeit von früh bis spät, jahrein, jahraus, fast ohne Pause, ohne Urlaub. Als Ausgleich leistet sich Vater Eggert ein Hobby: Er ist begeisterter Modell- und Sportflieger.
Im stillen hegt er einen ganz persönlichen Wunsch: ein Stammhalter wäre die Erfüllung seiner Träume. Ein Junge, der später einmal die Fabrik übernimmt, der als Co-Pilot neben ihm am Steuerknüppel sitzt - das wär's. Im Alter könnte er sich beruhigt zurücklehnen in der Gewißheit, die Firma bleibt in der Familie. Doch was er sich in seiner Phantasie ausmalt, bleibt ein unerfüllter Wunsch: Das Kind, das seine Frau nach fünf Jahren Ehe zur Welt bringt, ist - leider - ein Mädchen. Aus der Traum vom Stammhalter. Alfred Eggert kehrt in seine Fabrik zurück und arbeitet doppelt so hart. Was ihm bleibt, ist das Geschäft und der Traum vom Fliegen, den er sich in seiner Freizeit erfüllt.
Für Claudia ist gesorgt. Ihre Mutter achtet darauf, daß es ihr an nichts fehlt. Das Beste ist gerade gut genug: Süße Kleider bekommt das Mädchen, es trägt Zöpfe und hat Spielzeug, so viel ihr Herz begehrt. Alle sollen sehen, daß die Eggerts keine gewöhnlichen Leute sind. Haus und Familie zeugen von Wohlstand und Anstand. Von den einfachen Mitmenschen hebt man sich ab. Mit Randsiedlern und Asozialen haben die Eggerts nichts zu tun. „Spiel nicht mit den Schmuddelkinderri', wird Claudia ermahnt.
Jeder kann sehen, daß sie aus einer Familie kommt, bei der alles tip-top in Ordnung ist. Zu sagen haben sich die Eltern aber nur noch wenig: Papa ist entweder in der Fabrik oder auf dem Flugplatz. Mama ist damit beschäftigt, den Haushalt in Ordnung zu halten. So wächst das Mädchen heran: auf einem Berg von Spielzeug, aber ohne Freunde. Ein pummeliges Kind ist Claudia, und sie schielt ein wenig. Mangels lebendiger Freunde wird die Barbie-Puppe ihr bester Kamerad. Mit ihren langen, dünnen Beinen, tollen Haaren und der makellosen Figur ist sie so, wie Claudia selbst gern wäre: anerkannt und beliebt.
Obwohl sie alles hat, wovon andere Kinder nur träumen, ist sie einsam und entwickelt sich zum Einzelgänger. Wenn sie mit ihren Eltern reden will, wird sie ihnen oft lästig. „Geh weg, Papa braucht seine Ruhe", heißt es, oder „Das ist nichts für Kinder; du bist still, wenn Erwachsene reden."
Im Kindergarten und in der Grundschule wird es für Claudia nicht besser. Meist steht sie am Rande, wenn die anderen spielen. Die kennen sich vom Raufen und Spielen auf der Straße. Sie tragen auch andere Kleider: Jeans und abgewetzte Hosen, aber keine Faltenröckchen wie das Mädchen aus besserem Hause. „Hey, Schieli, hau ab", rufen
sie ihr nach. Daheim vor dem Spiegel schaut sich Claudia in die Augen. Bisher hat sie nichts Ungewöhnliches bemerkt. Aber tatsächlich: Es ist so, wie die Kinder sagen. Das Mädchen ist verunsichert, hin- und hergerissen. Sie fühlt sich klein und minderwertig. Durch Angeberei versucht sie, ihre Komplexe zu verbergen.
Man hackt auf ihr herum. Claudia spürt, daß sie unter ihren Altersgenossen ein Außenseiter ist. So wie die Türkenkinder und die Asozialen, die fremdartig aussehen und stinken. Seltsam: Einerseits hält sie sich für etwas Besseres, andererseits fühlt sie sich gerade bei den Ausgestoßenen wohl.
Anerkennung findet sie aber auch dort kaum. Im Fernsehen hingegen sieht sie die schönen und beliebten Menschen: die Stars. So möchte sie auch sein: schön, beliebt, anerkannt. Hin und wieder schleicht Claudia auf den Dachboden, ohne daß es ihre Mutter merkt, und zieht die abgelegten Kleider an, die sie dort findet. Dann stellt sie sich vor den Schminktisch und malt sich die Lippen rot an. Oft aber hockt sie auch nur auf dem Rasen, starrt in den Himmel und träumt: Wer da wohl wohnt?

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