Jesus unsere Chance, Wilhelm Busch

  • Jesus unsere Chance, Wilhelm Busch

gebraucht
Bestell-Nr: BN2745 
Autor/in:    Wilhelm Busch
Titel: Jesus unsere Chance
Preis:    3,30 €
ISBN:    9783893977703 (früher: 3893977708)
Format:    18 x 11 cm
Seiten:    160
Gewicht:    140 g
Verlag:    CLV
Einband:    Taschenbuch
Sprache:    Deutsch
Zustand:    leichte Gebrauchsspuren
Kurzinfo:
- große Enthüllung
- Abkehr vom Vater
- Leben fern von Gott
- Erweckung
- entscheidender Entschluss
- Buße
- Bekehrung
- Blick des Vaters
- Liebe des Vaters
- Barmherzigkeit Gottes
- rettendes Wort
- nicht gesprochener Satz
- Ausstattung des wahren Christen
- Festmahl
- Wirkung der Bekehrung
- Wunder der Bekehrung
- große Freude
- der ältere Sohn
- Gottes WErtmaßstäbe
- selbstgerechter Mensch
- Bitte Gottes
- Sprache des nicht Wiedergeborenen
- Herzen werden offenbar
- Mann in der Entscheidung
- Einladung zur Freude
- richtig sehen lernen
- wirkliches Elend und wirkliche Hilfe
- der fehlende Schluss 
Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere unter ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Teil der Güter, das mir gehört. Und er teilte ihnen das Gut. Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog ferne über Land; und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen. Als er nun all das Seine verzehrt hatte, ward eine große Teuerung durch dasselbe ganze Land, und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger desselben Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen; und niemand gab sie ihm. Da schlug er in sich und sprach: Wie viel Tagelöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger!

Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Kleid hervor und tut es ihm an und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße, und bringt das Kalb, das wir gemästet haben, und schlachtet’s; lasset uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden.
 
Und sie fingen an, fröhlich zu sein. Aber der ältere Sohn war auf dem Felde. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er das Singen und den Reigen und rief zu sich der Knechte einen und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wieder hat. Da ward er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er aber antwortete und sprach zum Vater: Siehe, so viel Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten; und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Gut mit Dirnen verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.
Lukas 15,11-32
 
DIE GROSSE ENTHÜLLUNG
Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Lukas 15,11
Der Apostel Paulus hat einmal das Wesen des Evangeliums mit den seltsamen Worten geschildert: »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist« – das ist es (1. Korinther 2,9).
Es handelt sich also im Evangelium nicht um irgendwelche Dogmen, die die Kirche sich ausgedacht hat und die sie nun in verbohrtem Eigensinn anderen aufzudrängen versucht.
Es handelt sich im Evangelium vielmehr um neue und unerhörte Dinge; nicht um Dinge, die ein Forscherauge entdeckt hat; nicht um Dinge, die irgendein neugieriges Ohr aufgeschnappt hat; nicht um Dinge, die sich ein Menschenherz ausgedacht hat. Es handelt sich im Evangelium um völlig unerhörte Dinge, wir könnten sagen: um »Enthüllungen«.
Wo etwas enthüllt wird, da muss zuerst etwas verhüllt worden sein. Wo etwa eine Unterschlagung enthüllt wird, da hat man zunächst etwas zugedeckt und verborgen.
Enthüllungen können deshalb sehr peinlich sein. Ich  glaube, darum hassen die Menschen die Bibel, weil ihnen deren Enthüllungen peinlich sind.
Ich habe heute nur einen Vers aus dem Evangelium gelesen. Aber welche großen Wahrheiten sind darin enthalten!
Die Bibel lehrt uns, dass mit dem Sündenfall eine allgemeine Verhüllung stattgefunden hat. Das ist das Wesen der Sünde, dass sie alles ins Heimliche und ins Finstere stellt. Vor dem Sündenfall war alles hell, licht und klar. Aber dann kam der Sündenfall. Und nun trat eine allgemeine Vermummung ein.
Ja, das Unheimliche ist, dass sogar Gott sich daran beteiligt.
Vor dem Sündenfall, hören wir, wandelte Gott sichtbar unter den Menschen. Aber die Sünde hat gemacht, dass Gott sich verhüllte, ein verborgener Gott wurde. Ja, Er ist ein verborgener Gott. Die Menschen suchen Ihn hinter allerlei Masken. »In der Natur muss Er stecken!« Aber Er ist nicht da.
»In den großen Weltgeschehnissen muss Er zu finden sein!« Aber da sind ganz andere Mächte. »In mir selbst muss Er sein!« Aber man findet in sich alles, nur nicht Gott.
Gott ist verhüllt. Und wo Er auftritt, da geschieht es in einer Wolkensäule, die Ihn auch verhüllt. Ja, auch als Er sich im Sohn offenbarte, war der Sohn Gottes in Knechtsgestalt verhüllt. Und die Vernunft erkennt Ihn nicht.
 
Aber nicht nur Gott ist verhüllt. Auch der Teufel. Er kann sich nicht wie Gott verbergen. So bindet er sich eine Larve vor. Die Bibel sagt: »Er verstellt sich in einen Engel des Lichts.« Er redet von Religion. Er behauptet, er wolle Menschen zu wahrer Freiheit und menschlicher Würde führen.
Und wenn er den Menschen zuchtlos und haltlos und gottlos gemacht hat, dann heißt’s am Schluss wie bei Gretchen im »Faust«: »Doch – alles, was dazu mich trieb, Gott! war so gut! ach, war so lieb!« Aber nicht nur Gott und die Hölle treiben Mummerei, sondern vor allem der Mensch. Nach dem Sündenfall versteckte sich Adam hinter den Büschen des Gartens. Das war noch primitiv. Wir haben das Maskieren inzwischen besser gelernt. Der Gottlose redet von neuen wissenschaftlichen und religiösen Erkenntnissen. Der Geizige behauptet, er sei sparsam. Der Faule sagt: »Ich bin eben kein Streber.« Der Lieblose sagt, er sei unverstanden. Der Unkeusche rühmt seine vitale Menschlichkeit. Der Verleumder nennt sich »Freund der Wahrheit«. Der Sünder lügt, sein Wahlspruch heißt: »Ich tue recht und scheue niemand.« Der Sorgengeist sagt, er sei eben treu im Irdischen.
Welch ein Karneval! Welch eine Vermummung! Wem das zum erstenmal aufgeht, der meint, er müsse ersticken in dieser Welt der Verhüllung, des Scheines, der Verstellung.
Wo ist denn Wahrheit? Licht? – Ich will’s euch sagen:
im Worte Gottes. Das Wort Gottes bedeutet die große Enthüllung.
Hier wird Gott enthüllt und der Teufel und der Mensch. Dieses Wort Gottes – wer es liest, jubelt: »Dein Wort macht mich klug!« und »In Deinem Licht sehen wir das Licht!«
Gott wird offenbar
»Ein Vater hatte zwei Söhne.« In diesem einen Wort wird Gott enthüllt. Wer ist Gott? Gott ist nicht ein »höheres Wesen«, »Schicksal«, »Vorsehung«, »Naturkraft«. Gott ist »Vater«. Das hat kein Mensch von selber gewusst. Das Evangelium enthüllt es.
Gott ist »Vater«. Wie soll ich klarmachen, was das bedeutet? Wir kennen alle nur irdische Väter. Und das sind – im Vergleich zu Gott – doch nur schlechte Väter.
Als ich einst im Gefängnis war, hatte ich in heißen Kämpfen mein Herz gestillt. Es war Stille um mich und still in mir. Da hörte ich eines Tages draußen ein Kind bitterlich weinen. Ich sah es nicht. Ich hörte es nur. Ich bildete mir irrtümlich ein, es sei eines der meinen. Da brach die innere Stille zusammen. Mein Herz tobte in mir. Und da begriff ich, was»Vater« heißt: dass einem das Herz entbrennt für seine Kinder; dass man sie liebt, mehr als alles in der Welt.
Gott ist »Vater«. Und wir Seine Kinder. Seine bösen Kinder. Seine weggelaufenen Kinder. Aber – Seine Kinder. Welch selige Enthüllung des Evangeliums!
 
Kinder können von ihren Eltern gehen. Männer haben – Gott sei’s geklagt – ihre Frauen verlassen. Der Freund kann den Freund verlassen. Aber kann ein Vater von seinem Kind lassen?
Die Bibel erzählt die erschütternde Geschichte von Absalom, der sich gegen seinen Vater David empört. David muss fliehen, es gibt furchtbare Kämpfe. Und in diesen Kämpfen kommt Absalom um. Als David diese Siegesnachricht bekommt, ist nicht eine Spur von Freude in ihm. Nur ein Jammer bricht heraus: »O Absalom, mein Sohn! Wollte Gott, ich wäre für dich gestorben!«
Und Gott ist »Vater«, noch ganz anders »Vater«, als wir es verstehen. Wisst ihr, warum die Welt so unglücklich ist? Weil sie es ohne den Vater versucht. Sieh doch nach Golgatha, du verlaufenes Kind Gottes, sieh dem Heiland ins sterbende Angesicht! Und du wirst erkennen, wie Gottes Herz bricht für dich.
Selig, wer mit den Heiligen singen kann: »O Vaterherz, o Licht und Leben! O treuer Hirt Immanuel! … Ich will mich nicht mehr selber führen. Der Vater soll Sein Kind regieren.«
Der Mensch wird entlarvt
Ja, auch der Mensch, du und ich, wir werden in dieser Geschichte entlarvt. »Ein Mensch hatte zwei Söhne.« In diesen beiden ist die ganze Menschheit dargestellt und repräsentiert. Jeder findet sein Bild in einem der beiden Söhne.
18 Was ist nun der Mensch? Gott ist der rechte Vater. Sind wir rechte Kinder? Nein! Beide Söhne sind böse, verstockte und abtrünnige Kinder. Beide haben eine gebrochene Stellung zum Vater. Beide sehen in Ihm nur den Feind oder eine Last.
So sind wir! Gott ist uns eine Last. Es wäre uns angenehmer, wir könnten die Welt ohne Ihn teilen.
Nur zwei Söhne gibt es. Nur zwei Menschensorten. Der eine Sohn läuft weg und lebt in Leichtsinn ohne den Vater. Und der andere bleibt zu Hause. Aber es geht ihm nicht um den Vater, sondern um den Lohn.
So sind wir! So entlarvt uns die Bibel. Hier wird zugleich das Wesen der Welt enthüllt. Was ist die Welt? Eine grauenvoll zerstörte Gottesfamilie. Jede Zeitung ist nur die Berichterstattung aus einer zerstörten Gottesfamilie.
Nun fragt vielleicht einer: Soll das Evangelium sein – diese schwere, unerträgliche Wahrheit, dass wir eine zerstörte Gottesfamilie sind, in der der Vater sich versteckt und verhüllt und die Kinder in Jammer, Leid und Sünde untergehen?
O nein! Das Evangelium sagt mehr. Es verkündet: Gott hat sich enthüllt. Der Vater hat den erstgeborenen Sohn gesandt, dass Er sich unser erbarme. Darum ist Jesus gekommen, gestorben und auferstanden, um die zerstörte Gottesfamilie wiederherzustellen.
Gebt euren Trotz, euer Widerstreben auf! Kehrt heim! Glaubt an den Sohn!
 
Wer an den Sohn glaubt, von dem heißt es: Nun sind wir in der Gottesfamilie nicht mehr Fremdlinge, sondern Hausgenossen.
Darum hat die Gemeinde Jesu in der Welt eine so große Bedeutung, weil sie der neue Anfang der Gottesfamilie ist. Sie ist die große Verheißung der Zukunft in allem Jammer der Welt.
»Ein Mensch hatte zwei Söhne.« Wenn wir doch rechte Kinder Gottes würden: gedemütigt – aber geheilt; bußfertig – aber nach Hause gekommen; einst verirrt – aber »nun bekehrt zum Hirten und Bischof unserer Seelen«!
20 Die Abkehr vom Vater
Und der jüngere unter ihnen sprach zu dem Vater:
Gib mir, Vater, das Teil der Güter, das mir gehört.
Und er teilte ihnen das Gut.
Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog ferne über Land;
und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen.
Lukas 15,12-13
In vielen Dingen unseres Lebens sind Ursache und Wirkung so fest miteinander verknüpft, dass, wenn das eine eintritt, mit Notwendigkeit das andere folgen muss. Wer sich im Strandbad unvernünftig in die Sonne legt, weil er partout braun werden will – der muss eben einen wüsten Sonnenbrand kriegen. Und wer mit seinem Geld nicht haushalten kann, der muss am Ende eines Monats hungern.
Wisst ihr, dass Gottes Wort auch von solch einem Gesetz von Ursache und Wirkung spricht? In Jeremia 2,19 lesen wir: »Du musst innewerden und erfahren, was es für Jammer und Herzeleid bringt, den Herrn, deinen Gott, zu verlassen.«
Man kann dieses Wort auf die Welt anwenden. Wie oft werde ich gefragt: »Wie kann Gott nur all den Jammer in der Welt zulassen?« Darauf gibt es nur eine Antwort: »Du musst innewerden und erfahren, was es für Jammer und Herzeleid bringt, den Herrn, deinen Gott, zu verlassen.«
Man kann dieses Wort auf unser Volk anwenden. Und dann kann einem Angst und Bange werden.
Wir aber wollen es auf uns selbst anwenden. Das ist immer das Fruchtbarste beim Betrachten von Gottes Wort.
Unser Text erzählt uns in drei Akten, wie es zugeht, wenn man den Herrn, seinen Gott, verlässt.
Der erste Akt
»Und der jüngere unter ihnen sprach: Gib mir, Vater, das Teil der Güter, das mir gehört.«
Dieses Wort zeigt uns den natürlichen Menschen in seinem Normalzustand, in dem er noch an Gott glaubt und auch Religion hat. Aber er weiß nichts vom Heil Gottes in Jesus und von Wiedergeburt und vom Leben mit Gott. Ich bin überzeugt, dass viele von uns hier ihr eigenes Bild finden.
Der Sohn ist noch beim Vater, so wie der natürliche Mensch in der Nähe Gottes geboren ist. Die Bibel sagt: »Fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns« (Apostelgeschichte 17,27).
Der Sohn spricht sogar mit dem Vater. Aber was ist dies für ein armseliges Gebet! »Gib mir, Vater, das Teil der Güter, das mir gehört.« Eine Eiseskälte schlägt uns hier entgegen. So steht der nicht wiedergeborene Mensch vor seinem Gott: eiskalt. Ich habe Menschen
gesehen, die sind aus dem Häuschen geraten, wenn sie ihren Hund oder ihren Wellensittich verloren. Aber um Gott haben sie keine Träne geweint. Ich habe Menschen gesehen, denen ihr Glück aus allen Knopflöchern strahlte, wenn sie Gehaltszulage bekamen. Aber die Liebe Gottes, des Vaters, ließ ihr Herz noch nie schneller schlagen.
Prüft euch, Freunde, ob ihr auch so kalt seid! Dann ist man, trotz all seiner Religion, ein verlorener Sohn.
Wie betet der? »Gib mir, Vater …« Ja, der nicht wiedergeborene Mensch betet auch. Aber wie armselig betet er! In diesem Gebet ist kein Dank für alle Güte des Vaters. Dieses Gebet ist kein Ausdruck der herzlichen Liebe. O nein! »Gib mir, Vater!« Man braucht den Vater nur, wenn man etwas von ihm will.
Du behandelst Gott wie einen Kellner. Nicht wahr, an einem Kellner liegt dir nichts. Er soll nur etwas Gescheites bringen. So machst du es mit Gott. Man will etwas von Ihm, aber nicht Ihn selbst.
»Gib mir!« sagt der Sohn. Und da offenbart er sein Herz. Ja, so ist unser Herz: Es geht uns nur um uns. Was kümmert mich der Vater, denkt der Sohn, und was kümmert mich mein Bruder. Ich will mein Teil. »Gib mir, Vater.« Dieses »Ich«, das sich durchsetzen will, hat dem Sohn den Jammer gebracht. Und daher kommt alle unsere Not, unsere Unruhe, unser Unfriede. O selige Erlösung, wenn unser dickes Ich mit Christus gekreuzigt ist!
»Gib mir, Vater.« Seht, das Gleichnis ist eine un23
wahrscheinliche Geschichte. Ein irdischer Vater hätte wahrscheinlich seinem Sohn die Bitte abgeschlagen. Aber Gott ist anders. Er lässt die Menschen ihre eigenen Wege gehen. So gibt Er. Ja, Gott gibt ununterbrochen: Leben, Gesundheit, Geld, Gut, Essen, Kleidung, Sonne, Regen. Ja, Er gibt Seinen Sohn, »dass wir Leben und volle Genüge haben sollen«.
Und der Sohn nimmt. Ich höre nirgendwo, dass er »danke« sagt. So sind wir.
Der zweite Akt
»… und zog ferne über Land.«
In dem bisher geschilderten Zustand kann der Mensch nicht auf die Dauer bleiben. »Religion muss sein«, sagen die Leute. Und da meinen sie: Es ist ganz gut, wenn man so einen Gott weiß als Zuflucht und Trost. – Aber der Vater verlangt nun, dass wir Seine Gebote halten: »Du sollst Vater und Mutter ehren!« »Du sollst den Feiertag heiligen!« »Du sollst nicht ehebrechen!« »Du sollst nicht töten! nicht stehlen! nicht falsch Zeugnis reden!« Und das wird dem Sohn lästig. Man will doch nicht dauernd die vorwurfsvollen Blicke sehen, wenn man mal ein bisschen über die Stränge schlägt. Man will doch nicht dauernd ein schlechtes Gewissen haben. – Einmal sagte einer: »Ich tue meine Pflicht. Und wenn Gott mehr verlangt, ist er ein Kleinigkeitskrämer.« So spricht der natürliche Mensch, dem es in der Nähe Gottes zu eng wird.
24 Da fasst er einen Entschluss. Nicht sofort. Einen Augenblick erschrickt er selbst davor. Wir lesen: »Nicht lange danach …« Es ist doch eine Sache, seinem Gott den Rücken zu kehren! Aber dann geht er doch. »Er zog ferne über Land.« Man kann auch nach dem griechischen Text übersetzen »in ein weites Land«. Ach ja, das ist eine weite Welt ohne Gott! Da leben Millionen Menschen ohne Ihn und sind froh und frei. Na also! Was soll man dann noch länger an diesem rückständigen Vaterhaus festhalten?! Mit der Zeit muss man gehen!
Der Herr Jesus erzählte diese Geschichte im jüdischen Land. Und da müssen wir auf einen bemerkenswerten Zug achten. Im Lande Jesu galten Schweine als unrein. In dem weiten Land, wohin der verlorene Sohn zog, gab’s Schweine. Da war der Unterschied von rein und unrein aufgehoben. Und das zog den jungen Mann. »Herrlich!« sagte er, »das Land ohne Hemmungen!« Da hatten junge Männer ihre »Freundin«, und keiner fand etwas dabei. Da konnte man lügen und galt als schlau. Da konnte man sich streiten, fluchen, wie man wollte. So zog er weg. Nein, er stahl sich weg.
Fern – vom Vater. Wie viele ziehen so weg von Gott! Ist hier einer, der gerade sein Bündel schnürt, dann möchte ich ihm sagen: Von nun an steht über dem Leben des jungen Mannes der Satz: »Du musst innewerden und erfahren, was es für Jammer und Herzeleid bringt, den Herrn, deinen Gott, zu verlassen.«
 
Der dritte Akt
»Daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen.«
Es ist zum Verwundern, wie Jesus erzählt. Nicht wahr, wir würden gerne Näheres über diese Zeit wissen. Aber so ist die Bibel. Wenn sie von der Sünde spricht, hat sie nur einen Satz. »Er brachte sein Gut um mit Prassen.« Die Bibel braucht uns das Leben ohne Gott nicht zu schildern. Das kennen wir ja.
So lebt der junge Mann, als könne er in alle Ewigkeit so weiterleben. Aber es geht nicht immer so weiter. Auch mit uns nicht. »Es ist den Menschen gesetzt, einmal zu sterben; danach aber das Gericht« (Hebräer 9,27).
Lassen wir den verlorenen Sohn und sehen noch einmal zurück. Was tut der Vater? Von der Stunde an, da der Sohn auszieht, beginnt er zu warten, ob der verlorene Sohn nicht umkehre. Ströme der Liebe sendet er hinter ihm her. »Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt«, sagt Gott in Seinem Wort.
Es gibt ein ergreifendes Bild von Burnand. Da steht der Vater auf dem Dach seines Hauses und schaut nach dem Sohn aus. Er hat die Hand über die Augen gelegt und späht. Er ist nur Sehnsucht und Liebe und Erwartung. Weißt du, dass Gott so nach dir ausschaut?
Doch Er tut noch viel mehr: »Also hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen eingebornen Sohn gab, auf dass alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben« (Johannes 3,16).
 
Ein Leben fern von Gott
Als er nun all das Seine verzehrt hatte, ward eine große Teuerung durch dasselbe ganze Land, und er fing an zu darben und ging hin
und hängte sich an einen Bürger des Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit Trebern,
die die Säue aßen; und niemand gab sie ihm.
Lukas 15,14-16
Bei meinen vielen Gesprächen, die ich mit Menschen über das Seligwerden führe, stoße ich immer wieder auf einen verhängnisvollen Irrtum. Da sagt so ein nicht wiedergeborener Mensch: »Ich glaube auch an Gott.« Ach, Freunde, wenn’s darauf ankäme! Der verlorene Sohn hat auch an den Vater geglaubt. Er hat keinen Augenblick gezweifelt, dass irgendwo in der Ferne auch sein Vater sei. Aber all sein Unheil kam daher, dass er so fern vom Vater war.
So steht’s mit uns. Ob wir an Gottes Existenz glauben oder nicht – das ist völlig belanglos. Die Frage für uns ist: Haben wir Frieden mit Gott? Leben wir mit Gott und aus Gott?
Unser Text zeigt uns ein Leben fern von Gott. Ich würde genauer sagen: Der Text zeigt uns, wohin ein Leben, fern von Gott, führt. Das Leben fern von Gott
hat ja auch eine lustige und fröhliche Seite. Davon war vorher die Rede: »Er zog ferne über Land. Und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen.« Da ging’s hoch her. Und die drei eigentlichen Herrscher der Welt: Augenlust, Fleischeslust und hoffärtiges Wesen, schwangen ein fideles Zepter.
Aber das geht nur eine kurze Zeit. Dann wird’s offenbar, was ein Leben fern von Gott wirklich heißt.
 
Ein Leben im Hunger
»Als er nun all das Seine verzehrt hatte, fing er an zu darben.« Und später heißt es: »Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen; und niemand gab sie ihm.«
Ich habe von einer Familie gehört, die es erfahren hat wie der verlorene Sohn. Das waren Leute, denen es gut ging.
Und als ihnen eines Tages ein treuer Zeuge Jesu sagte, sie möchten doch den Heiland in ihr Herz und Haus lassen, da lächelten sie überlegen. Und der Mann meinte: »Oh, wir wollen schon so fertig werden. Wir sind doch aufgeklärte Leute.«
Wenige Jahre später war der Sohn im Streit von zu Hause weggegangen. Die Mutter lag leidend auf ihrem Schmerzenslager. Sie rief nach ihrer Tochter. Aber die war immer außer Hauses, um sich zu vergnügen. Verzweifelt saß der Mann in seinem Büro, um sein zusammenbrechendes Geschäft zu retten. »So, nun holt euch Kraft, Trost, Hoffnung aus eurer Aufklärung!« höhnte der Teufel. »Und sie fingen an zu darben.«
Doch es braucht gar nicht so schlimm zu kommen! Denkt nur an Zachäus, der dort mit hungrigem Herzen auf dem Maulbeerbaum sitzt. Er hat Geld und Gut. Aber seine arme Seele verschmachtet.
Der berühmte Redner Cicero hat einmal gesagt: »Nachdem ich alles durchgemacht habe, finde ich nichts, das mir Ruhe brächte.«
Und wie wird dieses Darben erst im Sterben offenbar! Sag, was soll dich denn im Sterben trösten? Die genossene Lust? Die klagt dich nur an. Dein Geld? Das musst du zurücklassen. Deine erfüllte Pflicht? Die bringt dich nicht in den Himmel. Da geht es einem wie dem gottlosen König Heinrich VIII. von England. Der soff noch ein Glas Wein aus und sagte: »So, ihr Herren, nun ist alles dahin – Reich, Seele, Leib und Leben.«
Vom verlorenen Sohn heißt es: »Er fing an zu darben.« Nun, war das schlimm? Lebte er nicht in einem reichen, weiten Land? Er schaut sich um. Aber – da sieht er dieses Land auf einmal in einem neuen Licht: Hier ist auch Teuerung.
Ja, so geht’s. Erst erscheint einem die Welt so herrlich. Aber wenn die Not an die Seele geht, dann entdeckt man: Diese Welt hungert ja auch! Lauter sterbende, hungernde Seelen! Die Seele lebt nur vom Worte Gottes. Und von dem Sünderheiland, der gesagt hat: »Ich bin das Brot des Lebens.« Aber diese Speise hat die Welt abgetan und verworfen. Kein Wunder, dass nun eine große geistliche Hungersnot anbricht.
»Und es ward eine große Teuerung durch dasselbe ganze Land.« Diese Teuerung hat begonnen. Von ihr lesen wir in Amos 8,11-13: »Siehe, es kommt die Zeit, spricht Gott der Herr, dass ich einen Hunger ins Land schicken werde, nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des Herrn, es zu hören; dass sie hin und her von einem Meer zum andern, von Norden nach Osten laufen und des Herrn Wort suchen und doch nicht finden werden. Zu der Zeit werden die schönen Jungfrauen und die Jünglinge verschmachten vor Durst.«
Arme Welt! Wie gut haben es die Kinder Gottes. »Der Gerechte kann essen, bis er satt ist« (Sprüche 13,25). Sie haben das Brot des Lebens: Jesus. Und sie rühmen: »Der Herr ist meine Stärke und mein Schild; auf Ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen. Nun ist mein Herz fröhlich, und ich will Ihm danken mit meinem Lied« (Psalm 28,7).
 
Ein Leben in der Erniedrigung
»Und er ging hin und hängte sich an einen Bürger des Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.« Das war ein saurer Gang für den verwöhnten jungen Mann. Aber so geht’s. Wer die Liebe des Vaters verschmäht, der muss die Kälte der Menschen erfahren. Wer nicht zum Herrn gehen will, der muss sich an Menschen hängen und ein Knecht der Menschen werden.
»Der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.« Da gab es kein langes Reden und Bitten. Da gab es nur harte Notwendigkeit. Ja, die Welt war seine Freundin. Um dieser Freundin willen hatte er seinen Vater und Gott drangegeben. Nun behandelte ihn die Welt nach ihrer Weise. »Du musst innewerden und erfahren, was es für Jammer und Herzeleid bringt, den Herrn, deinen Gott, zu verlassen.«
Über den »Bürger« dieses gottfernen Landes muss ein Wort gesagt werden. Der berühmte Prediger Theremin sagt von ihm: »Wer ist er, dieser Bürger; diese Gestalt, die Christus in absichtlichem Dunkel schweben lässt; dieser, der da wohnt im Lande des verzehrenden, ewigen Hungers; dieser Herr, dem sich die um Lohn verdingen, welche den Dienst Gottes verlassen haben? Wir wollen ihn nicht nennen. Nur den Entschluss wollen wir fassen, die Sünde, wodurch er uns beherrscht, zu fliehen.«
»Der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.« Jesus erzählte die Geschichte in einem Lande, wo Schweine als unrein galten. Jeder verstand den Hinweis: Nun ist der Sohn ganz und gar eingegangen in die Welt der Unreinheit. Nun muss er ihr dienen.
So geht’s mit der Sünde. Erst spielen wir mit ihr. Dann beherrscht und erniedrigt sie uns. Erst wollen wir – dann müssen wir. Der Teufel verspricht jedem zuerst Freiheit, dann schlägt er ihn in Ketten. Was hilft’s, dass der verlorene Sohn mit den Zähnen knirscht über seine Erniedrigung! Er muss in der Welt der Unreinheit leben.
D. Humburg sagt einmal: »Nicht nur die Hölle ist traurig. Auch der Weg dorthin. Wie manch einer, der es gut haben könnte im Vaterhaus und der einmal den Frieden Gottes empfunden hat, lebt ein Hundeleben, das schon eine Hölle auf Erden ist. Manche Ehe, manches Familienleben, manche Quälerei im Beruf zeigt den unheimlichen Schein, den die Hölle schon in das Leben der Menschen vorauswirft.«
Ein Leben ohne Gott ist ein Leben der Erniedrigung. Aber das Gegenteil ist auch wahr: Ein Leben mit Gott, ein Leben in der Gnade – das ist ein erhöhtes und freies Leben. Im Loblied der Hanna heißt es: »Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass Er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse« (1. Samuel 2,8).
 
Ein Leben in der Einsamkeit
Hier steht ein erschütterndes Wörtlein, das Wörtlein »niemand«. Und »niemand gab sie ihm«. O du junger Mann, wo sind deine Freunde von einst? Wo sind sie? Merkst du nun, dass du gar keine hast? Und den einen, der es gut mit dir meinte, den hast du verlassen. Merkst du nun, dass deinen Freunden gar nichts an dir lag? Sie wollten etwas von dir. An dir selbst lag ihnen gar nichts. Nun bist du todeinsam.
32 Kennt ihr den Kupferstich des jungen Dürer vom verlorenen Sohn? Ein großes Gehöft und ein weites Land sind da dargestellt. Aber – kein Mensch ist ringsum zu sehen. Nur der verlorene Sohn. Händeringend kniet er zwischen den grunzenden Schweinen.
Ganz einsam! Leben ohne Gott macht ganz einsam. Das ist einfach eine Erfahrung. Denkt an das einsame Ende des Judas!
Wie anders ist es im Vaterhaus! Freunde, ich habe Zeiten gehabt, wo ich tagelang keinen Menschen zu sehen bekam. Aber ich erfuhr: Jesus macht Sein Wort wahr: »Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende« (Matthäus 28,20). Und ich erlebte die Gemeinschaft im Heiligen Geist mit der triumphierenden Kirche, mit der oberen Schar, und mit den Brüdern und Schwestern der kämpfenden Kirche! »Oh, wie lieb ich, Herr, die Deinen, die Dich suchen, die Dich meinen …«
 
Die Erweckung Erster Teil
Da schlug er in sich und sprach:Wie viel Tagelöhner hat mein Vater,die Brot die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger!
Lukas 15,17
Es gibt ein Kinderverschen, das heißt: »Ich bin ein kleines Kindelein, und meine Kraft ist schwach. Ich möchte gerne selig sein und weiß nicht, wie ich’s mach.«
Ich glaube, so geht es sehr vielen Menschen. Sie möchten gerne selig werden, sie möchten gerne Frieden mit Gott, sie möchten gerne einmal in den Himmel kommen – aber sie wissen nicht, wie sie es machen sollen.
Solche Leute bitte ich, recht aufzumerken und dem Worte Gottes Ohr und Herz zu öffnen. Denn in diesen und den folgenden Versen zeigt uns der Herr Jesus recht genau den Weg zur ewigen Errettung.
Als mein Vater auf dem Sterbebett lag, sagte er einmal so recht vergnügt vor sich hin: »Ich möchte gerne selig sein und weiß auch, wie ich’s mach.« Wie wünschte ich, dass wir alle solche Leute würden, die so reden könnten!
Der erste Schritt auf dem Weg dahin ist die Erweckung.

 Da sieht man sein Elend
»Und ich verderbe im Hunger«, sagt der verlorene Sohn. Der Mensch ohne den Heiland ist so furchtbar elend. Furchtbar elend schon im Leben, erst recht im Sterben und vor allem in Gottes Gericht. Da heißt’s überall: »Ich verderbe.«
Wie kam es denn bei dem verlorenen Sohn zu diesem Verderben? Sein ganzes Leben war abgestellt auf das eine: »Ich will meine Begierde stillen.« Zuerst war es die Begierde nach der Welt: »Er zog ferne über Land.« Dann waren’s sehr niedrige Begierden. Wir hören drei Sätze über das Leben des jungen Mannes, die alle davon zeugen, dass er nur den einen Wunsch hatte, die Begierden zu stillen: »Er brachte sein Gut um mit Prassen.« »Er hat sein Gut mit Dirnen verprasst.« »Er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen.«
Begierde! Begierde! Und das Ende aller Bemühungen, die Begierde zu stillen: »Ich verderbe im Hunger.« Da habt ihr das Bild des natürlichen Menschen, der nichts weiß vom Leben aus Gott.
Die Griechen hatten seltsame Vorstellungen von der Totenwelt. Aber in diesen Vorstellungen stecken heimliche Wahrheiten. So erzählten sie von den Danaiden. Die müssen in der Unterwelt ein Fass füllen. Aber das Fass ist löcherig. Es fließt alles wieder unten heraus. Und nun arbeiten sie und quälen sich. Aber alles Mühen ist umsonst.
35
So ist der Mensch, der seine Begierde stillen will. Und doch: Er versucht es ohne Aufhören – bis ins ewige Verderben hinein.
Kann denn niemand dieser Qual Einhalt gebieten? Doch, der Heilige Geist kann es. Er kann Menschen dazu führen, dass sie innehalten in ihrem nutzlosen Tun. Das ist die Erweckung. Da wacht man auf. Da sieht man sein Elend. »Und ich verderbe im Hunger.«
Da bekommt man Heimweh nach dem Vater
Es ist schon eine große Sache, wenn ein Mensch erkennt, wie elend er ohne Jesus ist. Aber zu einer »Erweckung« gehört noch mehr.
Es haben schon viele die Elendigkeit ihres Lebens erkannt und sind doch nicht weitergekommen. Ich denke da an den gottlosen Philosophen Voltaire, mit dem Friedrich der Große oft verkehrte. Der sagte: »Ich wünschte, ich wäre nie geboren.« Und Goethe, der alles hatte, was das Herz begehrt, Reichtum, Ruhm, Ehre, sagte zu Eckermann: »Im Grunde ist mein Leben nichts als Mühe gewesen. Und ich kann wohl sagen, dass ich in meinen 75 Jahren keine vier Wochen eigentliches Behagen hatte. Es war das ewige Wälzen eines Steines, der immer von neuem gehoben sein wollte.« Das ist dasselbe, wie wenn der verlorene Sohn sagt: »Ich verderbe im Hunger.« Und doch sind diese Leute nicht weitergekommen. Warum nicht? Weil sie nie gefragt haben: »Woran liegt’s denn, dass ich so unglücklich bin?«
36 O unruhiges, friedloses Menschenherz! Hast du dich schon einmal gefragt: »Warum bin ich so unglücklich?« Der verlorene Sohn wusste die Antwort: »Weil ich soweit weg bin von meinem Vater.« Er sagt: »Wie viel Tagelöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben. Und ich verderbe im Hunger.«
Seht, das ist eine rechte Erweckung, dass ein Mensch Heimweh bekommt nach seinem Heiland.
Habt ihr schon einmal Heimweh gehabt? Ich glaube, unsere harte Zeit kennt das kaum noch. Als kleiner Kerl wurde ich einmal von den Eltern meines Freundes eingeladen, die Ferien in ihrem Landhaus zu verbringen. Voll Freuden ging ich mit. Als ich dort war, kam das Heimweh. Die Leute taten alles, um mich zu erfreuen und abzulenken. Aber es half nichts. Und als wir einmal in die Kirche gingen, gab mir der Briefträger unterwegs einen Brief. Da hatte mir meine kleine Schwester geschrieben. Sie konnte noch gar nicht recht schreiben, nur zwei Reihen i und e hatte sie gemacht. Aber dieser armselige Brief erschütterte mich. Ich saß in der Kirche und weinte herzzerbrechend.
So ist’s bei einem Herzen, das erweckt ist. Vorher hat man vielleicht übers Christentum diskutiert und viel Weises gesagt. Aber das Herz blieb kalt. Aber wenn das Herz erweckt ist, dann weiß man nichts mehr als das eine: »Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir« (Psalm 42,2). Da
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bringt jedes Ziehen und Rufen des guten Hirten das Herz in Wallung.
Wenn so ein Herz Heimweh nach Jesus bekommt, versucht die Welt uns abzulenken und zu trösten. Weh uns, wenn ihr das gelingt!
Dieses köstliche Heimweh nach Jesus! Selig, wer so erweckt wird. Der ist auf dem rechten Weg. Wo ein Herz Heimweh nach Jesus bekommt, da beginnt das Leben. Bei solch einem ist alles zu hoffen.
Da erkennt man seinen ärgsten Feind
Der verlorene Sohn machte bei seiner Erweckung eine furchtbare Entdeckung. Er merkte, dass er bisher mit seinem ärgsten Feind friedlich zusammengelebt hatte. Dieser Feind war – er selbst.
Bisher hatte er alle möglichen Leute für seine Feinde gehalten: seinen Vater, seine falschen Freunde, den harten Schweinebesitzer. Und in seinem unerweckten Zustand hatte er’s gemacht wie alle Weltmenschen: Er schlug um sich. Aber nun ging’s anders. Nun schlug er in sich. Nun kriegte er’s mit sich selbst zu tun. Nun sah er, wo die Quelle allen Unheils war: in seinem eigenen unbekehrten, unbußfertigen Herzen. Nun schlug er in sich. Das war ein Schlag. Nun schlug er sein eigenes Ich k. o.
Liebe Freunde, wie gehen wir mit uns selbst um? Solange wir an uns selbst Gefallen haben, solange wir uns selbst rechtfertigen, streicheln, liebhaben – ist uns nicht
38 zu helfen. Der Erweckte schlägt in sich. Er lernt, was es heißt, sich selbst mit Jesus Christus in den Tod zu geben, um mit Ihm in einem neuen Leben zu wandeln.
 
Die Erweckung Zweiter Teil
Da schlug er in sich.
Lukas 15,17a
Wie oft haben wir das im letzten Krieg erlebt: Es ist dunkle Nacht. Alles schläft. Auf einmal bummert’s in der Ferne – die Flak! Und dann geht’s los: mark- und beindurchdringend heulen die Sirenen. Manche schlafen trotzdem weiter. Aber die meisten werden aufgeweckt. Solch eine Erweckung ist zwar ausgesprochen unangenehm. Aber – sie hat vielen das Leben gerettet.
Auch im geistlichen Leben gibt es eine Erweckung. Die Bibel vergleicht nämlich den Zustand des nicht wiedergeborenen Menschen mit einem Schlaf, ja sogar mit dem Tod. Der natürliche Mensch ist für Gott tot. Er ist tot in Sünden und Selbstgerechtigkeit. Wenn wir nicht erweckt werden, bleiben wir ewig verloren.
Aber – Gott sei Dank! – die Sirene des Wortes Gottes ertönt noch. Zwar wollen viele sie zum Schweigen bringen, weil sie im Schlaf gestört werden. Aber – wohl uns, wenn wir im Schlaf gestört werden! Wohl uns, wenn wir erweckt werden! Wenn’s auch weh tut – es führt zum Leben. Unser Text schildert uns eine Erweckung.
 Da kam er »zu sich«
Luther übersetzt hier: »Da schlug er in sich.« Wörtlich heißt es im griechischen Text: »Da kam er zu sich.« Und da möchte ich zunächst eure Aufmerksamkeit auf die beiden Wörtlein »zu sich« lenken.
Zu allem kommt der Mensch. Nur zu sich selber nicht. Für alles hat er Zeit. Nur für sich selber hat er keine Zeit. Du hast Zeit für deinen Beruf, Zeit für deine Ehrenämter, Zeit für deine Zeitung, für den Stammtisch und deinen Verein, du hast Zeit zum Geschwätz, zum Kino – und wann hast du Zeit für dich? »Oh«, sagst du, »ich habe auch Zeit für mich.« Richtig! Du hast Zeit für dich. Und was machst du da? Du suchst Zerstreuung.
D. Humburg sagt in einer Auslegung dieses Textes: »Bedenken wir, was das Wort Zerstreuung bedeutet. So, wie man Körner in die Luft zerstreut, so suchen die Leute sich zu zerstreuen. Da bleibt keine Zeit, nachzudenken, sich auf sich selbst zu besinnen. Manche Menschen haben sich mit solchem Erfolg zerstreut, dass sie nie wieder gesammelt werden bis zur Stunde ihres Todes. Da sieht man dann, wie sie alles zusammensuchen und können es nicht zusammenbringen. Es läuft ihnen alles auseinander. Niemand soll meinen, dass er dann sich noch bekehren könne.«
So kommt der Mensch überall hin, lernt er alles kennen. Nur »zu sich« kommt er nie.
 
Das ist eine Sache, wenn das geschieht! Beim verlorenen Sohn geschah es: »Er kam zu sich.« Er kam zu sich nach Hause. Aber wie sah es da aus! Da war eine grenzenlose Armut. »Und ich verderbe im Hunger.« Da war Schutt der Sünde.
Meine Zuhörer, wann wollt ihr zu euch kommen? Ihr habt für vieles Zeit gehabt. Wann wollt ihr einmal dazu kommen, eine innere Bestandsaufnahme zu machen? Das Ergebnis wird erschütternd sein. Darum schiebt es nicht auf! Wann wollt ihr einmal Zeit haben, für euch zu sorgen? Nicht für Nahrung und Kleidung, nein, für eurer Seelen Seligkeit, für Frieden mit Gott, für das, was nach dem Tode mit euch geschieht.
Tersteegen sagt: »Lass das Nichtige, tu das Wichtige!«
 
Da kam er zu sich
Nachdem wir die Wörtlein »zu sich« unterstrichen haben, möchte ich nun den Satz als ganzen ins Auge fassen. »Er kam zu sich.« Vielleicht haben wir einmal einen Schlafenden, der in süßen Träumen lag, wachgerüttelt. Dann wissen wir, was es heißt: »Er kam zu sich.« Die meisten Menschen träumen. Wie ein wirrer Traum ist ihr Leben. Mose sagt schon im 90. Psalm: »Sie sind wie ein Schlaf.« Und in einem alten Soldatenlied heißt es: »Er sprach, das Leben ist ja nur ein Traum.«
Den verlorenen Sohn hat die Not wachgerüttelt. Es hat einmal einer gesagt: »Alle Not ist Gottes schwarzer
 Hund, der die träumenden, verirrten Schafe aufweckt und zur Herde Christi bringt.« Wenn’s so kommt, hat die Not ihren Zweck erfüllt.
Aber Gott hat auch noch andere Mittel, Menschen zu erwecken. Die Hauptsache ist: es geschieht.
»Er kam zu sich.« Vor kurzem las ich von einem, der zu viel getrunken hatte. Im Rausch kriegte er Streit und erstach seinen Freund. »Da kam er zu sich.«
Der nicht wiedergeborene Mensch lebt immer im Rausch. Das muss er ja. Sonst hält er’s gar nicht aus. Er hat viele Mittel, sich zu berauschen. Bei dem einen ist’s Alkohol, beim andern sind’s seine Triebe und Leidenschaften. Der dritte ist vom Geld berauscht, der vierte von seiner Macht, der fünfte von den politischen Ereignissen, der sechste vom Sorgengeist, dass er ja keine Chance verpasse. Der siebte hat den Kinorausch usw. usw.
Ich las einmal die Lebensgeschichte eines Mannes, Paolo Schwarz. Der wurde als Elsässer von den Franzosen zu lebenslänglicher Verbannung nach Cayenne verurteilt. Da erzählt er: »Wir waren in Marseille im Lager. Dann sahen wir das sogenannte Totenschiff ankommen, das uns zu den Teufelsinseln bringen sollte. Da packte alle eine Riesenverzweiflung. Jeder verkaufte, was er noch hatte, und kaufte Schnaps. Und dann ging alles unter in einem großen Rausch.«
So macht’s die Welt, ehe sie zur Hölle fährt.
»Da kam er zu sich.« Da schlug seine Seele in ihm die
 
Augen auf. Da griff er sich an den Kopf. Da schrie er: »Ich will nicht verderben! Ich will heim zum Vater.«
Christen sind erweckte und darum nüchterne Leute. Die Berauschten in der Welt nehmen es uns übel, dass wir so nüchtern sind. Aber da ist nichts zu machen. Im Neuen Testament kommt zehnmal die Mahnung zur Nüchternheit vor: »Lasst uns wachen und nüchtern sein«, sagt Paulus. Und Petrus mahnt: »Seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch dargeboten wird in Jesus Christus.« Und ein andermal: »Seid nüchtern zum Gebet.«
Da schlug er in sich
So übersetzt nun Luther. Und das ist so fein und tiefsinnig, dass wir dem noch ein paar Minuten widmen wollen.
Der natürliche Mensch ist voll Unfrieden. Und da schlägt er auch. Aber nicht in sich, sondern um sich. Da klagt man gegen Menschen. Da murrt man über die Verhältnisse. Da hält man Reden gegen Gott.
Aber der verlorene Sohn hat nicht seine Freunde, nicht mehr seinen Vater, nicht den harten Schweinebesitzer angeklagt, sondern sich selbst. Heilsame Stunde!
»Da schlug er in sich.« Wir gehen im Allgemeinen sehr sanft mit uns um. Wir bemitleiden uns, wir entschuldigen uns. Das tat der verlorene Sohn nicht. Er schlug in sich. Das war ein Schlag, der allen Leichtsinn, ja, der den alten Menschen völlig zerschlug. Nun hieß
44 es: »Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen.« Ohne diesen Schlag wäre er in Verzweiflung gefallen. Dahin will’s der Teufel mit uns treiben. Denkt an Judas!
Heilsamer Schlag! Er wird der Anfang allen Lebens.
 
Ein entscheidender Entschluss
Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen.
Lukas 15,18a
Es war im Jahre 60 nach Christi Geburt. In der großen Gerichtshalle in Cäsarea drängten sich Offiziere und vornehme Bürger. Mit großem Gepränge waren der römische Landpfleger Festus und seine Gäste eingezogen. Seine Gäste waren der König Agrippa und die Königin Bernice. Aber nicht diese hohen Herrschaften stehen im Mittelpunkt des Interesses. Aller Augen richten sich auf einen schlichten Mann, der aus dem Gefängnis vorgeführt wird. Dieser Mann ist der Apostel Paulus.
Agrippa ruft dem Paulus zu: »Es ist dir erlaubt, für dich zu reden.« Da reckt Paulus die Hand aus und beginnt zu sprechen. Er redet in der Vollmacht des Heiligen Geistes. Voll Kraft und Feuer stürmen seine Worte. Alle sind betroffen. Und erschüttert sagt Agrippa: »Es fehlt nicht viel, du wirst mich noch bereden und mich zum Christen machen« (Apostelgeschichte 26,28).
Eigentlich ein schreckliches Wort: »… nicht viel.« Es fehlt nicht viel, und ich wäre mit Gott in Frieden. Es fehlt nicht viel, und ich würde aus den Stricken der Sünde und des Todes frei. Nicht viel fehlt, und ich würde gerettet und selig werden.
Wie viele sind hier, bei denen man so sagen muss: »Es
46 fehlt nicht viel, dann könnte es zu einer Wiedergeburt kommen.« Aber – es fehlt halt.
Beim verlorenen Sohn war es anders. Da fehlte nichts mehr. Und sein armes Leben kam in Ordnung. Wa-rum? Weil er im rechten Augenblick den entscheidenden Entschluss fasste: »Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen.«
Ein notwendiger Entschluss
Ich wollte einmal mit meinen Kindern mit dem Fahrrad von Siegen über den Rödgen nach Haiger fahren. Aber schon kurz hinter Siegen irrte ich hin und her und fand den richtigen Weg nicht mehr. Das kam daher, dass der Weg nicht deutlich bezeichnet war.
Auf dem Weg zum ewigen Leben braucht das keinem zu passieren. Der Weg ist uns in der Bibel klar aufgezeichnet. Und wer einmal verloren geht, wird bekennen müssen: »Es ist meine Schuld.«
Und da ist gerade die Geschichte vom verlorenen Sohn so wichtig. Wir hörten schon: Der erste Schritt auf dem Lebensweg ist die Erweckung. »Da schlug er in sich.« Bei der Erweckung erkennt man sein Elend und bekommt Heimweh nach dem Vater.
Wenn nun der verlorene Sohn dabei stehen geblieben wäre, dann wäre er nie von seinen Schweinen weggekommen. Er tat den nächsten Schritt sofort. Er fasste den Entschluss: »Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen.«
 
Es ist mir eine große Freude zu sehen, dass manche durch das Wort Gottes erweckt worden sind. Aber wa-rum sind es denn so wenige, die sich aufmachen und zu ihrem Heiland gehen? Ihr gleicht Leuten, die in einer Alarmnacht von der Sirene geweckt worden sind und sich nun im Halbschlaf fragen: »Soll ich aufstehen? Soll ich nicht?«
Ja, du sollst aufstehen, wenn du merkst, dass es anders mit dir werden muss, wenn der gute Hirte dich ruft und der Heilige Geist mahnt! Manche meinen, es gebe sich von selber. Man müsse sich nur treiben lassen. Da werde man schon ans Ziel getrieben.
Aber es ist schon ein fester Entschluss dazu nötig. Ich will das an einem Bild klarmachen. Die Bibel vergleicht die Menschenwelt oft mit dem Meer. Nun, im Meer gibt es Strömungen. Im Menschenmeer gibt es eine starke Strömung: Los von Gott! Nach dem Sündenfall versteckte sich Adam vor Gott. Und Kain floh vor dem Angesicht des Herrn. Und im 2. Psalm heißt es: »Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Herren halten Rat miteinander wider den Herrn und Seinen Gesalbten: Lasset uns zerreißen ihre Bande!« Ja, noch am Ende werden die Menschen nicht zu Gott schreien, sondern rufen: »Ihr Berge, fallet über uns, und ihr Hügel, decket uns!« So geht die Strömung in der Welt weg von Gott. Wer sich von ihr treiben lässt, wird weggetrieben ins Verderben.
Es ist ein Entschluss nötig, gegen die Strömung an48
zugehen. Es ist der Entschluss nötig: »Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen.«
Ein harter Entschluss
Missionsinspektor Hoffmann erzählte uns einmal von einem Tauffest in Neuguinea. Da zündeten die Eingeborenen ein großes Feuer an, und dann traten die Täuflinge herzu und warfen ihre Götzen und Zaubersachen hinein. Da trat auch eine Frau herzu – ganz langsam und zögernd. In der Hand hielt sie ihre Götzen. Die hatten schon im Haus ihrer Eltern gestanden. Ihr Herz hatte sich oft auf sie verlassen. Da stand sie am Feuer, die Götzen in der Hand. In ihren Zügen sah man den furchtbaren Seelenkampf. Dann auf einmal schleuderte sie die Götzen ins Feuer und sank ohnmächtig um.
Der verlorene Sohn wurde nicht ohnmächtig. Aber ähnlich ging’s zu. Denkt einmal, wie er ausgezogen war! Und nun diese Heimkehr: »Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen.« Das heißt: Ich will gleichsam ein Feuer anzünden und hineinwerfen: alle Liebe zur Welt, die mich verlockte; allen Stolz und Hochmut, die mich hinaustrieben; alles Selbstvertrauen; ja, meine ganze Vergangenheit will ich hineinwerfen, all meine hochfahrenden Pläne, alle wilde Lust, alle Bindungen an meine Freunde – hinein und Schluss damit! Und dann will ich auf Gnade und Ungnade mich meinem Vater ergeben.
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Da hieß es: »Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen.«
So ist eine Bekehrung ein harter Entschluss. Das ist nichts für leichtfertige Herzen. Das ist nichts für Leute, die nur ein bisschen Christentum haben wollen. Es will Ernst genommen sein.
Und doch muss ich zu diesem harten Entschluss raten. Denn:
Wer sich nicht ganz dem Herrn will geben,
der führt ein wahres Jammerleben.
Brich durch, es koste, was es will,
sonst wird dein armes Herz nie still.
Ein heilsamer Entschluss
»Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen.« In dem Satz steckt ein Wort, das sagt, warum es ein so heilsamer Entschluss war. Es ist das Wort »Vater«. Der verlorene Sohn wollte sich ja nicht einem harten Herrn unterwerfen. Er wollte dahin gehen, wo Leib und Seele zu Hause waren, wo man nicht hungerte und erniedrigt wurde, wo ein Vaterherz vor Liebe wallte, dorthin, wo er hingehörte.
Wenn ich euch bitte, dass ihr auch diesen Entschluss fassen möget, dann heißt das nicht, dass ich euch für eine Organisation werben will, oder dass ich euch zu meinen Ansichten bekehren oder zu einer Morallehre überreden will. O nein! Der Vater hier im Gleichnis
50 ist ein Bild des Herrn Jesus. Zu ihm bekehrt man sich. Der verlorene Sohn kam von den Schweinen ins Vaterhaus. Wer sich zu Jesus bekehrt, kommt aus Sünde und Schande zur Gotteskindschaft, aus Nacht und Kälte in den hellen Sonnenschein, aus der Herrschaft der Finsternis in das Reich des lieben Sohnes, aus dem Tod ins Leben, aus der Sündenknechtschaft in die Freiheit, aus der Hoffnungslosigkeit in die gewisse Hoffnung des ewigen Lebens.
Jesus hat nicht nur eine platonische, kühle Sympathie für uns. Er ist »um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt« (Römer 4,25).
Eine Magnetnadel kommt nicht eher zur Ruhe, als bis sie nach Norden zeigt. Das Kreuz Jesu ist die »Ruhe«-Richtung für alle unruhigen Gewissen.
Dahin rufe ich. Mahnt es dich nicht auch inwendig: »Könnt ich’s irgend besser haben als bei dir, der allezeit so viel tausend Gnadengaben für mich Armen hat bereit?« Darum: »Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen.«
 
Die Buße
Und will ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße;
mache mich zu einem deiner Tagelöhner! Lukas 15,18b-19
In der Apostelgeschichte wird uns die Geschichte erzählt von dem Kämmerer aus dem Mohrenland. Der war ein mächtiger Mann in dem Reich der Königin Kandake. Aber aller Reichtum, alle Macht und alle Lust der Welt konnten seine Seele nicht sättigen. Bei ihm hieß es: »Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.« Ein mächtiges Heilsverlangen trieb ihn. So machte er sich auf die Reise nach Jerusalem. Aber auch hier im Tempel fand er den Frieden nicht. Da kaufte er sich das Buch des Propheten Jesaja. Und während er auf der Rückreise in seinem Reisewagen saß, las er darin. Aber er verstand es nicht – bis ihm Gott den Apostel Philippus in den Weg sandte. Der legte ihm den Heilsweg aus, so dass der Mann zum Glauben kam, Frieden fand und fröhlich seine Straße nach Hause zog (Apostelgeschichte 8,26-40).
Es laufen heute viele in der Welt herum, in deren Herzen auch so ein brennendes Heilsverlangen ist. Für die ist diese Geschichte vom verlorenen Sohn so wich52
tig. Denn in ihr zeigt uns der Herr Jesus in anschaulicher Weise den Heilsweg.
Von der Erweckung hatten wir gehört (»Da schlug er in sich«) und von dem heilsamen Entschluss (»Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen«). Heute nun kommt der wichtigste und schwerste Schritt auf dem Heilsweg: die Buße.
Die Buße ist ein Bekenntnis

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