Was ist Tod?

WAS IST TOD?
Schon der Gedanke allein an den Tod ruft eigenartige Empfindungen hervor. Seine Gegenwart und die Berührung mit ihm im Krankheitsfall oder bei Lebensgefahr erfüllt das Herz mit Angst und Furcht. Der Anblick von Blut oder eines Toten ruft Entsetzen und Grauen hervor.
Der Tod ist wahrlich für den Menschen der König der Schrecken (Hiob 18, 14), und dort wo er hinkommt, hinterläßt er seine traurigen Spuren, verwandelt Freude in Leid und Glücklichsein in Schmerzen und Tränen.
Obgleich der Mensch weiß, daß ihm die Begegnung mit dem Tode nicht erspart bleibt, weicht er der Frage nach dem Tode ängstlich aus und möchte von ihm nichts wissen. Jedoch würde bei gottgemäßer Beantwortung dieser Frage dem Tode der Stachel genommen.
Was ist der Tod?
Der Tod ist nicht allein das Ende unseres Erdenlebens, auch nicht das Ende alles Seins, auch nicht ein Auflösen in Nichts. Der Tod ist auch nicht der Beginn eines vermutlich unbekannten neuen Lebens in irgendeiner Form.
Wenn der Tod nur das Ende eines kurzen biologischen Erdendaseins wäre, warum dann soviel Angst und Furcht vor ihm? Nein, der Tod ist mehr als der Abschluß eines kurzen, mühevollen Erdenabschnitts. Um die Frage zu beantworten, was der Tod mit all seinen furchtbaren Begleiterscheinungen ist, muß der Mensch erst seine Stellung vor Gott erkennen.
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Der natürliche Mensch von Geburt her ist in den Augen Gottes geistlich tot. Trotzdem der Mensch eine ewige Existenz hat, eine unsterbliche Seele besitzt, ist er für Gott und göttliche Dinge tot. Das bedeutet, daß er keine Beziehung zu Gott hat, von Gott gelöst, getrennt ist. Ein toter Mensch kann nicht sehen, sprechen, hören, er ist ohne Empfindungen für seine Umgebung. Genau so hat auch der geistlich tote Mensch kein Empfinden für Gottes Liebe und Handeln und kann Sein Wort nicht verstehen. So lebt der Mensch von Natur aus geistlich tot hier in dieser Welt. Jeder kann dieses leicht selber feststellen. Ob beim Lesen oder Hören von Gottes Wort, ob beim Singen oder Beten, der Mensch wird spüren, daß er all dieses nicht versteht. Er hat kein Empfinden, ist blind und taub, wirklich geistlich tot.
Wie kam nun der Mensch in solch einen jammervollen Zustand, da er doch die Krone von Gottes Schöpfung ist? Der erste Mensch kannte diesen geistlichen Tod nicht. Er lebte im Zustand der Unschuld in Gemeinschaft mit Gott und war daher weder geistlich noch physisch dem Tode unterworfen, sondern unsterblich.
Aber Gott hatte dem Menschen gesagt: »Du wirst gewißlich sterben, wenn du von der Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und des Bösen nimmst, der in der Mitte des Gartens steht«. Der Mensch mißachtete Gottes Gebot, nahm von der Frucht, und die Folge davon war der Tod, die Trennung von Gott. Seitdem ist dieser Tod durch alle Menschen hindurchgedrungen bis auf den heutigen Tag und wird auch alle treffen, die noch kommen werden.
Das Urteil Gottes über den Menschen lautet in Römer 6,
Vers 23: »Der Lohn der Sünde ist der Tod«. So sind durch
den Ungehorsam des ersten Menschen alle Menschen dem Tod verfallen, sowohl geistlich als auch physisch, körperlich. Jeder weiß auch, daß er einmal sterben muß. Doch weicht der Mensch dieser ernsten Tatsache aus und bekümmert sich gar nicht darum, wie es einmal nach dem leiblichen Tode sein wird. Er will nicht hören, was Gott über den geistlich toten Menschen sagt: »Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht« (Hebr. 9, 26).
Er möchte viel lieber, daß mit dem Tode alles aus wäre. Die Angst vor dem kommenden Gericht ist die Ursache dieser Einstellung. Trotzdem weiß er im tiefsten Innern seines Herzens ganz genau, daß ihm etwas bevorsteht, dem er nidit ausweichen kann. Wohl stirbt der Mensch, Seele, Geist und Leib werden voneinander getrennt, aber er existiert weiter und weiß dann ganz genau, daß er bald vor dem lebendigen Gott stehen muß. Zu seinen Lebzeiten hat er in seinem geistlich toten Zustand nicht nach Gott gefragt, aber jetzt weiß er, daß er gerichtet wird nach seinen Werken. Dann wird jeder erkennen, welch verhängnisvoller Irrtum es ist, zu glauben, daß mit dem Tode alles aus und der leibliche Tod das Ende seiner Existenz sei.
Was kann ein geistlich toter Mensch außer Schuld und Sünde dem heiligen und gerechten Gott vorweisen?
So verschließt der Mensch die Augen vor Tatsachen, weil er ihnen gerne aus dem Wege gehen möchte, damit er sein Leben nicht zu ändern braucht. Er möchte lieber ein veredelter Affe sein als ein verlorener Sünder. Aber es ist furchtbar, einmal unversöhnt in die Hände des heiligen und gerechten Gottes zu fallen.
Kann nun der Mensch gar nichts tun, um sich vor diesem
furchtbaren Gericht zu retten? Nein, alle Anstrengungen
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sind umsonst. Es gibt keinen Weg der Selbstverbesserung oder persönlichen Anstrengung, es gibt keinen eigenen Weg zurück zu Gott. Gott muß in Seiner Gerechtigkeit das einmal gefällte Urteil vollstrecken, denn in seiner Gegenwart ist für Sünde kein Raum. Wir haben es jedoch nicht mit einem sogenannten »lieben Gott«, sondern mit einem Gott der Liebe zu tun, der nicht den Tod des Sünders will, sondern daß er sich bekehre und lebe.
Aber wie kann der geistlich tote Mensch Leben, ewiges, kostbares Leben aus Gott bekommen?
Gott hat von sich aus den Weg geschaffen, auf dem der von Ihm entfernte Mensch zu Ihm zurückkehren kann.
Da ist Einer, der anstelle des Menschen das Todesurteil bereits auf sich genommen hat, der Sein Leben gab, in den Tod ging, Gottes Forderungen erfüllt, Ihm Genüge getan und durch den Tod den besiegt hat, der die Macht des Todes hat, das ist der Teufel (Hebr. z, 14-1).
Einen sehr hohen Preis hat Gott gezahlt für den armen Menschen, indem Er Seinen geliebten Sohn auf Golgatha ins Gericht gab und an Ihm vollzog, was der Mensch verschuldet und verdient hatte. Die Auferstehung Jesu Christi ist der Sieg über den Tod.
Damit ist der Weg frei geworden für jeden geistlich toten Menschen, zum Leben, zurück zu Gott zu kommen. Er sagt es auch in Johanenes 5, Vers 24: »'Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tode in das Leben hinübergegangen«.
Der Glaube führt vom Tode zum Leben, aus Finsternis
zum Licht, aus Angst und Schrecken zu Friede und Freude.
Der Gläubige empfängt dann den Heiligen Geist, der die Kraft des neuen Lebens für ihn ist. Aus einem geistlich toten Menschen, der ohne Gott und ohne Hoffnung war, ist dann ein Kind Gottes geworden, das eine lebendige Hoffnung und eine herrliche Zukunft hat.
Viele haben sich in den zwei Jahrtausenden seit der Vollendung des Werkes von Golgatha aus dem Tode zum Leben hinüberretten lassen. Die meisten von ihnen haben wohl den leiblichen Tod erduldet, und vielleicht müssen noch viele das Tal des Todesschattens durchschreiten. Aber sie dürfen sich alle glückselig preisen, denn sie nehmen teil an der ersten Auferstehung.
Für alle Verstorbenen ohne Ausnahme. gibt es eine Auferstehung. Doch nur jene werden glückselig gepriesen, die an der ersten Auferstehung teilnehmen, an der Auferstehung aus den Toten. In r.Thess. 4, 16 lesen wir: »Die Toten. in Christo werden zuerst auferstehen «. Das sind alle im Glauben an das stellvertretende Opfer des Sohnes Gottes auf Golgatha Verstorbenen. Der Tod kann sie nicht im Grabe halten, denn sie gehören dem Fürsten des Lebens. Er hat den Tod, den König der Schrecken, auf Golgatha besiegt, einen sichtbaren Triumph über Tod und Teufel davongetragen. Die Auferstehung der Gläubigen wird unvorstellbare Freude bedeuten im Schauen der Herrlichkeit des Sohnes Gottes und in der Wiedervereinigung mit allen noch lebenden Gläubigen.
Was geschieht aber mit den übrigen Toten, die ohne den Herrn Jesus Christus verstorben sind?
Auch sie werden auferstehen in der Auferstehung der Toten. Niemand wird dabei fehlen aus all den Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte. Die Reichen und die Armen, die Mächtigen und die Schwachen, die Großen
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und die Kleinen, ob vergessen oder noch in Erinnerung, ob verbrannt oder begraben, alle werden auferstehen müssen, denn niemand kann der Stimme Dessen ausweichen, der sie vor die Schranken Seines Gerichts ruft.
Dann muß jeder vor dem richterlichen Throne des Herrn Jesus Christus erscheinen, um verurteilt zu werden.
In Offenbarung 20, Vers i i heißt es: »Und ich sah einen großen, weißen Thron, und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden. Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Throne stehen, und Bücher wurden aufgetan; und ein anderes Buch ward aufgetan, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken. Und das Meer gab die Toten, die in ihm waren, und der Tod und der Hades gaben die Toten, die in ihnen waren, und sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken. Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuersee. Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buche des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen«.
Denn für Gott leben sie alle, um gerichtet zu werden. Bei Gott ist nichts vergessen, kein Gedanke, kein Wort und keine Tat. Das verflossene Leben wird wie ein Film ablaufen, und alles wird offenbar werden. Auf tausend Fragen wird der Mensch nicht eine Antwort haben. Keine Rechtfertigung gibt es dann mehr, weil der Stellvertreter von Gofgatha fehlt. Keine Begnadigung ist dann mehr möglich, weil die Zeit der Gnade abgelaufen ist. Keine Bewährung und keine Revision gibt es, denn es ist die letzte und höchste Instanz. Furchtbare, atemlose Stille wird herrschen, wenn der Name in dem Buche des
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Lebens gesucht und dann das Urteil verkündigt wird: »Nicht geschrieben, nicht gefunden«.
Dies bedeutet den Tod im Feuersee, welcher ist der zweite Tod. Es ist die endgültige Trennung von Gott, es ist der Tod, der die Existenz nicht auslöscht, ein Schrecken ohne Ende, am Ort, wo der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.
Dort werden die Qualen des Gewissens nicht aufhören, und das brennende Herz kommt nicht. zur Ruhe. Wie anders ist doch das Teil derer, von denen Gott in Seinem Worte sagt: »Glückselig und heilig, wer teil hat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Gewalt« (Offenb. 20, 6). Sie sind mit Christo auferstanden in Seiner Auferstehung und daher vom zweiten Tod befreit.
Der leibliche Tod ist für sie ein Eingehen ins Paradies, um erlöst und befreit zu sein von allem Erdenleid. Sie dürfen dann schon bei Dem sein, dem sie im Leben und im Sterben angehört und vertraut haben, Für sie bedeutet der Schritt durch die Pforte des Todes Vollendung und Erfüllung. Sie sind am Ziel, nach mühevoller Pilgerreise durch diese Welt.
Jesus Christus, der Sieger über den Tod, ist für sie der Mittelpunkt aller Freude und Glückseligkeit, weil Er sein Leben in den Tod gegeben hat, damit sie durch Seine Auferstehung leben sollen.
Noch kann jeder sich durch den Glauben an den Namen des Sohnes Gottes von diesem schrecklichen zweiten, ewigen Tode retten lassen. Gott hat den Menschen nicht zum Tode, sondern zum Leben geschaffen. Gott hat alles getan, mehr konnte Er nicht geben, und weniger wollte Er nicht geben für den armen Menschen. Noch streckt Er jedem Seine Gnadenhände entgegen, aber ergreifen muß der Mensch sie selber. Jeder muß wollen und kommen, um das Gnadengeschenk anzunehmen. Glückselig jeder, der teilhat an der ersten Auferstehung und der sagen kann:

Du brachst des Todes Bande, allmächtger Heiland du, Hast uns, die ferne standen,
gebracht zu deiner Ruh. Dein Werk hast du vollendet, Du hast's für uns erfüllt,
Dein Leiden ist beendet, und unser Herz gestillt. In Dir ist uns gegeben ein ewig sichres Heil,
Du selbst bist unser Leben, bist unser köstlich Teil. Wer fasset Deine Gnade,
wer Deine Lieb und Macht? Auf unserm Pilgerpfade sei Dir stets Dank gebracht.

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