Was ist Sünde?

Was ist Sünde?

Kein ehrlicher Mensch wird ernstlich das Vorhandensein der Sünde bestreiten. Sie ist eine furchtbare Macht, unter die der Mensch geknechtet ist und deren schreckliche Auswirkung und ernste Folgen jeder täglich beobachten kann. Jeder weiß auch um diese Macht in seinem eigenen Leben, auch wenn diese nicht immer gleich äußerlich sichtbar ist. Wenn auch manche ein Leben in äußerer Rechtschaffenheit und Gradheit führen, so gibt es doch niemand, der vor dem heiligen Auge Gottes standhalten könnte. Er sieht bis in die tiefsten Tiefen unserer Herzen.
»Denn von innen aus dem Herzen der Menschen gehen hervor die schlechten Gedanken, Ehebruch, Hurerei, Mord, Dieberei, Habsucht, Bosheit, List, Ausschweifung, böses Auge, Lästerung, Hochmut, Torheit« (Markus 7, 2). Wenn alle unsere das Licht scheuenden Gedanken in die Tat umgesetzt würden, gäbe es keinen Menschen auf der weiten Erde, der nicht schon mit dem Zuchthaus Bekanntschaft gemacht hätte. Schon der verwerfliche Gedanke allein ist vor Gott Sünde. Dazu sagt auch Gott in Seinem Wort: »Da ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes« (Römer 3, 23).
Der Mensch hat die Sünde weitgehend in harmlose, schön anzusehende, gutschmeckende und farbenfreudige Verpackung eingehüllt. Aber bei Gott bleibt Sünde Sünde, ob klein, ob groß, ob sichtbar, ob unsichtbar, ob in Gedanken, Worten oder in der Tat. Die Sünde ist mehr als eine augenblickliche Charakterschwäche, ein Kavaliersdelikt oder die Übertretung einer Diätvorschrift. So harmlos ist diese tödliche Krankheit nicht. Von ihr ist die gesamte Menschheit befallen, und jeder Mensch ‚führt mit ihr einen erbarmungslosen Kampf. Niemand braucht die Sünde erst zu lernen, sie wohnt im Herzen des Menschen. Sie zeigt sich schon im frühesten Kindesalter und kann dann im Leben eines Menschen Formen annehmen, die Leib, Seele und Geist zerrütten.
Was ist Sünde, diese geheimnisvolle Kraft, unter welcher die gesamte Menschheit seufzt? Die Sünde ist die Wand, welche den Menschen von Gott trennt. Wie Wasser und Feuer, Finsternis und Licht, Tod und Leben nichts Gemeinsames haben und auch nicht zueinander kommen können, so ist auch der natürliche Mensch von Gott getrennt, von Gott losgelöst, und dies als Folge der Sünde.
Man mag wohl fragen, welches die größte Sünde sei. Gottes Wort sagt uns klar, daß es die Unabhängigkeit des Menschen von Gott ist. Seinen eigenen Willen tun, nach Gott nicht fragen, sich so verhalten, als ob man Gott gar nichts schuldig wäre, das ist die größte Sünde, denn hieraus kommen erst alle die übrigen groben Sünden hervor. Niemand, der nach Gottes Willen fragt, wird z. B. ein Dieb oder ein Mörder oder ein Lügner sein.
So steht die Heiligkeit Gottes auf der einen Seite und der sündige Mensch auf der anderen. Er ist von Natur aus in seinem Wesen, in seinem ganzen Sein sündig und in den Augen Gottes verderbt, böse und verwerflich. Aus diesem Zustand heraus kommen all die bösen Gedanken und Handlungen, die jeder in seinem eigenen Leben, in seiner nächsten Umgebung und darüber hinaus in der gesamten Menschheit beobachten kann.

Die Schuld durch die Sünde wird täglich, sei es bewußt oder unbewußt, immer größer. Der Schmutz der Sünde steigt wie eine schlammige dunkle Masse von Tag zu Tag immer höher. Welch ein glückliches Leben führte doch der erste Mensch in seinem sündlosen Zustand in der Gemeinschaft mit Gott!
Doch er glaubte dem größten Betrüger aller Zeiten, Satan, mehr als Gott. Dieser sprach zu dem Menschen: »Mitnichten werdet ihr sterben! sondern ihr werdet sein wie Gott« (i. Mose 3, 4 11. 5). Das friedvolle Leben in Unschuld genügte dem Menschen nicht, er wollte sein wie Gott. Das Geschöpf wollte sein wie der Schöpfer. So kam durch den ersten Menschen die Sünde in diese Welt und mit der Sünde der Tod.
Als der Mensch sich gegen Gott auflehnte und Sein Gebot nicht befolgte, da mußte er den Garten Eden, den Ort der ungetrübten Freude und Wonne, verlassen und wurde in die Fremde, die Gottesferne hinausgetrieben. Ein eiserner Vorhang fiel gleichsam unter dem Hohngelächter Satans herab, der den Menschen nun von Gott trennte. Auf der einen Seite sehen wir die Heiligkeit Gottes und auf der anderen den gefallenen Menschen in Sünde und Übertretung. Die Auswirkung dieser folgenschweren Tat tragen alle nachfolgenden Generationen bis heute an ihrem eigenen Leibe.
»Du wirst gewißlich sterben«, hat Gott gesagt, und somit wurde der Tod der Lohn der Sünde. Nicht nur, daß der Mensch seitdem den leiblichen Tod mit all seinen schrecklichen Begleiterscheinungen erdulden muß, seitdem ist auch das Leben des Menschen überschattet von Krankheit, Schmerzen, Leiden, Sorgen, Angst und Hoffnungslosigkeit. Doch sind dieses alles nur die äußeren und zeitlichen Folgen des Sündenfalles. Die furchtbarste Folge des Ungehorsams ist der ewige Tod, dessen Schrecken der unbekehrte Mensch erst erfährt, wenn sein kurzes Erdenleben durch den leiblichen Tod beendet ist und er hernach ohne Gott in der Ewigkeit weiter existiert. »Dann wird der Rauch ihrer Qual aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit«, sagt Gott in Seinem Wort. Welch furchtbare Auswirkung hat doch die Sünde!

Da kann der Mensch doch nur ausrufen wie der arme Aussätzige: »Herr erbarme dich meiner, heile mich von dieser unheilvollen Krankheit!« Dann wird er das Wunderbare, die Frohe Botschaft hören, die gute Nachricht, die Gott den Menschen mitzuteilen hat, nämlich, daß Er bereits gehandelt und Einen zuvorerkannt hat, auf den Er als Stellvertreter und Bürge die Sünden gelegt und an dem Er sie gerichtet hat.
Gott hat dem Menschen einen Weg gegeben, auf welchem er sich erlösen, erretten lassen kann, um nicht ins Gericht zu kommen. Nichts kann der Mensch von sich aus tun, um aus seinem sündigen Zustand herauszukommen. Obgleich alle seine Sünden, alle seine bösen Taten das Gericht verlangen, will doch Gott in Seiner Liebe und Seinem Erbarmen nicht die Sünde an dem Menschen richten. Er liebt den Menschen.
Deshalb sandte Gott Seinen Sohn, den Er sehr liebte, und gab Ihn, die Freude seines Herzens, dahin. Wer sonst hätte auch für den sündigen Menschen das Urteil auf sich nehmen können? Kein Mensch wäre dazu in der Lage gewesen, denn mit Sünde kann man nicht Sünde tilgen. Auch kein Engel konnte die Heiligkeit Gottes befriedigen, denn es mußte ein dem Menschen artgleiches Wesen sein, das die Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes befriedigen konnte. Auch war Freiwilligkeit erforderlich.

So kam nur der in Frage, von dem Gott sagte: »Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen gefunden habe«. Der Herr Jesus war bereit, dieses Gericht über sich ergehen zu lassen und die Forderungen Gottes gegen uns zu befriedigen. Er nahm nicht allein den Tod auf sich, sondern auch das Gericht Gottes, anstelle des dem Tode und dem Gericht verfallenen Menschen. Er, der Stindlose, der keine Sünde kannte kein Trug wurde in seinem Munde gefunden ging ans Kreuz und ließ stellvertretend das Urteil an sich vollstrecken. Dort wurde die Sünde, die zwischen Gott und dem Menschen stand, gesühnt durch Sein kostbares Blut, das vergossen wurde für die Sünden der ganzen Menschheit.
Auch die Frage der in uns wohnenden Sünde wurde dort gottgemäß geordnet. Gott geht jetzt in Seiner Liebe und Seinem Erbarmen dem sündigen Menschen nach, weil Er ihm einen Weg gebahnt hat, auf dem er aus der Fremde, aus der Gottesferne zurück in das Haus des Vaters kommen kann.

Was muß der Mensch nun tun, um dieser Gnade teilhaftig zu werden? Nicht mehr und nicht weniger als sich schuldig bekennen, Buße tun und anerkennen, daß er sündig und mit Sünden beladen ist, und daß Gott gerecht ist, wenn Er ihn ins Gericht bringt. Dann schenkt ihm Gott den rettenden Glauben an das vollbrachte, vollkommene Sühnungswerk Seines Sohnes.
Nichts kann der Mensch zu seiner eigenen Rettung tun. Alle Religionen, die einen anderen Weg zurück zu Gott zeigen wollen, führen in die Irre, denn es gibt keinen Weg aus eigener Kraft zurück. Es gibt nur einen Weg, den Gott selber geschaffen hat, nämlich den Weg von Gott zu den Menschen.
Nur auf diesem Wege kann man mit Gott in Gemeinschaft kommen, und zwar in eine Stellung, die viel inniger ist zu Gott als die, welche der erste Mensch vor dem Fall innehatte.
Auf Golgatha hat Gott das Todesurteil an Seinem Sohne vollstreckt und »wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tode in das Leben übergegangen« (Joh. 3, 36 und 5, 24). Der Mensch möchte so gerne an dieser Gnade vorübergehen, er will sich nicht gerne etwas schenken lassen, möchte lieber etwas tun, Gott etwas vorweisen, Ihm etwas bringen.
Aber Gott läßt sich nichts schenken, als nur das eine: dein sündiges Herz mit all dem, was sich darin an Schuld angehäuft hat. Selbsterkenntnis führt zur Buße und zum Bekenntnis, und Bekenntnis zur Vergebung. Nur so kommt man zurück zur Quelle des Lebens, somit zum wahren ewigen Leben, denn »wer den Sohn hat, hat das Leben, wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht« (i. Johannesbrief 5, 12).
Der erste Mensch kannte Gott nicht als seinen Vater. Wer aber den oben beschriebenen Weg der Buße und des Glaubens beschreitet, wird ein Kind Gottes im wahrsten Sinne des Wortes und darf Ihn »Vater« nennen.
So hat Gott die Sünde an Seinem Sohn gerichtet, und) eder Glaubende ist begnadigt in Ihm. Solche sind gerechtfertigt und »haben Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus« (Römer 5, i). Wie der Mensch die Luft zum Atmen braucht, so braucht jeder Mensch die Gnade Gottes zur Errettung wie auch zu seiner Bewahrung.

Nach der Errettung haben wir es im Leibe der Schwachheit aber immer noch mit der in uns wohnenden Sünde zu tun. Obgleich die Stellung als Kind Gottes unwiderruflich und endgültig ist, trübt doch die oft wieder aufkommende Sünde das Verhältnis zu Gott, dem Vater, und Gott, dem Sohne.
Die Sünde ist zwar hinweggetan wie ein gefällter Baum, aber aus seinem Stumpf sprossen immer wieder die Früchte der alten Natur hervor. Dieser Zustand wird bleiben, solange wir hier auf Erden im Leibe der Niedrigkeit wandeln. So sind wir im Leben auf Seine bewahrende Gnade angewiesen, und wenn wir gestrauchelt sind, ist Seine helfende Gnade da, um uns wieder zurechtzubringen durch die Waschung mittels des Wortes Gottes. So haben wir jederzeit durch unseren Herrn Jesus Christus Zugang zu Seiner Gnade. Sie ist es, welche uns Kraft gibt, das Fleisch im Tode zu halten, denn mit eigener Kraft ist nichts getan, wir sind gar bald verloren.

Wo die Sünde überströmend geworden ist, ist Seine Gnade überschwenglicher geworden.
Noch breitet sich die Sünde wie eine Pest in der Menschheit und in der ganzen Schöpfung aus. Sie ist durch die Übertretung des ersten Menschen in diese Welt gekommen und durch alle Generationen der Menschen hindurchgedrungen.
Aber Gott hat sich in Seiner Gnade unser erbarmt, denn die Strafe und den Tod erlitt Sein geliebter Sohn. Durch den zweiten Menschen aus dem Himmel ist die Sünde hinweggenommen worden, und jeder kann nun von dieser tödlichen Krankheit, dieser ansteckenden Seuche befreit und geheilt werden und ewiges Leben erhalten.

»Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß Er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe« (Joh. 3, 16).


Es ist überschwengliche Gnade Gottes auch heute noch. Bald wird der Gläubige vom Glauben zum Schauen kommen, und dann ist auch das Problem der alten Natur zu Ende. Ein Leben in der Ewigkeit ohne Tränen, ohne Schmerzen, ohne Tod wird das Teil all derer sein, die sich hier auf Erden durch den Glauben an das vergossene Blut des Sohnes haben reinigen lassen von jeder Sünde. Sie dürfen schon hier auf Erden ausrufen:
O Glück unaussprechlich, Gott zürnet nicht mehr, Den feindlichen Sünder begnadigte er.
All unsere Sünd ist längst gesühnt,
Der Kerker gekettet, der Tod ist getötet,
In Jesu ward Heil uns und Leben.

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