Kap.4 Barnabas, ein Sohn des Trostes

Kap.4 Barnabas, ein Sohn des Trostes
Barnabas, ein Sohn des Trostes HuN 1985
(Apostelgeschichte 4, 36; 11, 19-26)

Wer war Barnabas? O.H.
Unvermittelt, aber in ausnehmend lieblicher Weise, erhält Barnabas seinen Platz in der Geschichte der Versammlung. Er trägt in der Schrift als einziger diesen Namen und wird in Verbindung mit dem glücklichen ersten Zustand der Versammlung zum ersten Mal erwähnt (Apg 4, 32-35). Seine Personenbeschreibung ist kurz, aber vielsagend: „Joseph aber ... ein Levit, ein Cyprier von Geburt." Haben seine Eltern ihn nach dem Erzvater Joseph benannt? Wurde er vielleicht unter ähnlichen Umständen geboren? Die Bitte, die sein Name ausdrückt, „Gott füge hinzu", ist in seinem Leben mehrfach erfüllt worden. Viele Mütter hatten ihrer Söhne wegen Seelenübungen entsprechender Art. Denken wir an Jochebed, Hanna, Elisabeth und andere. Höchstes Begehren gottesfürchtiger Eltern ist es, daß Gott ihren Kindern jede Gnade hinzufügen möge: daß Er sie der Schar der Erlösten „hinzufüge", geistliches Verständnis über den Wert des Platzes in der Versammlung „hinzufüge", Liebe zur Wahrheit und Gehorsam gegen das Wort Gottes „hinzufüge", so daß ihr Verhalten im Hause Gottes den Heiligen „ein Trost" sein möge. Josephs erste Erfüllung der Bedeutung seines Namens war die Wiedergeburt, die aus einem „Cyprier von Geburt" einen „neuen Menschen", aus einem Juden einen „Menschen in Christo" machte.
Joseph war ein Levit. Leviten hatten das Vorrecht, inmitten Israels zu dienen und mit heiligen Dingen beschäftigt zu sein. Auch hierin „fügte" Gott ihm „hinzu" und gab ihm einen schönen Dienst der Liebe an den Heiligen, auch einen Dienst als Evangelist, Hirte und Lehrer. Daß Joseph, in der Diaspora geboren, seinen Stamm kannte, zeugt von der Treue seiner Familie. Nun besaß er einen Platz in der Versammlung des lebendigen Gottes, der Versammlung der Erstgeborenen, und sein Name war im Himmel angeschrieben. Welch eine wunderbare „Hinzufügung"!
Die Unumschränktheit Gottes befähigt „einen Cyprier von Geburt", einen, der außerhalb des Landes gelebt hatte, zu einem Dienst, der durch große Selbstlosigkeit und Güte gekennzeichnet ist. Im Land der Väter, speziell in Jerusalem, zu leben, wurde als Vorrecht angesehen. Doch hinsichtlich des Evangeliums und der Einführung des Christentums hatten die Diaspora-Juden einen gewissen Vorteil. Sie waren nicht so sehr in jüdische Vorurteile verstrickt, vor allem den Heidenchristen gegenüber, wie solche, die unmittelbar unter den Augen der orthodoxen Juden im Lande lebten. Wodurch Joseph sich bekehrte und durch welche Umstände er nach Jerusalem kam, ist nicht bekannt. Sein Wachstum in der Gnade und der christlichen Wahrheit erwarb ihm das Vertrauen der Apostel; so ließ der Heilige Geist die Tatsache aufzeichnen, daß Joseph von den Aposteln Barnabas zubenamt wurde, was verdolmetscht heißt: „Sohn des Trostes". Redet das nicht lieblich und ernst zu unseren Herzen? Gott hat Joseph diesen Titel „hinzugefügt". Wird er ihm den je wieder wegnehmen? Nein, niemals. Dieser Name wird ihm in Ewigkeit als verliehene und erworbene Herrlichkeit verbleiben: „Sohn des Trostes".

Woran erinnert der Titel „Sohn des Trostes"?
Noah ist der erste in der Schrift, dessen Name von „Trost" und „Ruhe" redet. Lamech sagt: „Dieser wird uns trösten über unsere Arbeit und über die Mühe unserer Hände wegen des Erdbodens, den Jehova verflucht hat" (1. Mo 5, 29). Diese Worte deuten den Sinn des Begriffes „Trost" an, den der Apostel Paulus in 2. Thessalonicher 2, 16. 17 mit der Gnade des Evangeliums verbindet. Der Trost selbst aber ist Der, von dem Noah nur ein schwaches Abbild war. Christus allein ist der wirkliche Trost, den Gott den Menschen gegeben hat. Gott ist der Gott alles Trostes, und Er hat in der Person und dem Werk des Herrn Jesus angesichts all des Elends, das die Sünde in die Welt gebracht hat, Trost gespendet. Der gläubige Überrest der Evangelien erwartete den Messias als den „Trost Israels" (Lk 2, 25). Simeon erkannte ihn in dem Kindlein, das er auf seine Arme nahm. Der Herr Jesus ist aber nicht nur der Trost Israels, Er ist auch das „Licht der Nationen" und das Heil Gottes „bis an das Ende der Erde" (Jes 49, 6). In Ihm allein ist alles verkörpert, was je zu irgendeiner Zeit den Menschen an Trost und Heil von Gott zuteil wurde und noch werden wird (Jesaja 42, 14; Haggai 2, 715; Lukas 2, 30-32).
Manche Übersetzungen nennen den Heiligen Geist „Tröster".

Sein Bemühen ist jedoch, den Herrn Jesus selbst als den Trost darzustellen. In keiner Erfahrung der Übel dieser Welt versagt der Herr Jesus als der Trost. Welche Gnade, daß Gott Ihn gab! Ohne Ihn wäre nur Hoffnungslosigkeit, Mühsal, Tod und endlich ewige Nacht und Grauen unser Ziel. Doch Er selbst mußte in den dunkelsten Stunden Seiner Leiden klagen: „Ich habe auf Mitleiden gewartet, und da war keines, und auf Tröster, und ich habe keine gefunden"(Ps 69, 20). Der Herr Jesus hat also die Trostlosigkeit der gefallenen Welt kennengelernt. Den Seinigen aber hat Er ewigen Trost und gute Hoffnung gegeben (2. Thess 2, 16).
Paulus nennt Mitarbeiter, die ihm „ein Trost gewesen sind" (Kol 4, 11). Mit anderen Dienern hatte er traurige Erfahrungen gemacht. Und doch war er nicht ohne Trost, weder angesichts des Verfalls unter den Dienern, noch wegen seines bevorstehenden Märtyrertodes.
Alle Trostoffenbarungen in den Schriften sind eine Entfaltung der Wesenszüge Christi, der in seiner Person und mittels Seines Dienstes der Trost Seiner Heiligen ist.
Joseph wurde von den Aposteln „Barnabas zubenamt", weil er ein Nachahmer Dessen war, der in Sich selbst der wahre Trost und Ruhebringer ist: „Kommet her zu mir, . . . denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht"(Mt 11, 28-30).
Barnabas ist heute noch zum Trost, weil sein Dienst erkennen läßt, daß er selbst in dem Herrn Jesus Trost und Ruhe für Herz und Gewissen gefunden hatte. in den Kapiteln 4, 13 und 15 der Apostelgeschichte dient er gemeinsam mit anderen. In Kap. 11, 22-26 sehen wir ihn allein, aber er handelt im Auftrag der Versammlung in Jerusalem, und zwar in der Abhängigkeit und Kraft des Heiligen Geistes, als ein wahrer „Sohn des Trostes".
Sein Name wird 28mal erwähnt, am häufigsten in Apostelgeschichte 13 und 15, stets in Verbihdung mit wichtigen Angelegenheiten. Sein Dienst entsprach dem der drei Familien Levis, sowohl der Kehathiter als auch der Gersoniter und Merariter. Er diente in den äußeren, einfachen Dingen, war aber auch für das innere Wohl der Heiligen tätig und selbst auch im Dienst der Apostel, sowohl im Evangelium als auch in der Lehre. Fraglos war er auch ein wahrer „Sohn Aarons", fähig zu priesterlichen Diensten.
Beim Nachsinnen über Kapitel 11, 19-26 gewinnt man den Eindruck, daß sein Dienst hier nicht nur ausnehmend schön, sondern auch fundamental wichtig war. Bemerkenswerterweise entstand die Versammlung in Antiochien nicht durch den Dienst eines Apostels, sondern durch einfache Gläubige, die aus Jerusalem zerstreut worden waren. Die Versammlung sandte keinen Apostel dorthin, sondern einen „Sohn des Trostes". Dieser Dienst erforderte Herzenstriebe, die ein unumschränktes Werk des Heiligen Geistes waren, frei von aller jüdischen Voreingenommenheit. Der Herr hat zu jeder Zeit und Gelegenheit Werkzeuge zur Verfügung, die in der Weisheit und Kraft des Heiligen Geistes zu dienen wissen. Er allein vermag sich einen „Sohn des Trostes" heranzubilden. Ach, daß wir auch heute mehr Männer wie Barnabas hätten!

Wenn wir das souveräne Walten der „Hand des Herrn" betrachten, das ungeachtet aller scheinbar unüberwindlichen Hindernisse seine Ziele erreicht, werden unsere Herzen mit Freude, Lobund Anbetung erfüllt. Ob es sich um Errettung für die Nationen auf dem Boden der Gnade und des Glaubens handelt, um die Verkündigung des Evangeliums an Griechen, um die Gründung einer Versammlung aus bekehrten Heiden in Antiochien oder um ein Bindeglied zwischen dieser Versammlung und Jerusalem, um die Einheit des ganzen Werkes zu bewahren, immer erkennen wir die ordnende Weisheit der „Hand des Herrn". Der gestaltenden Kraft des Heiligen Geistes gelingt es, alle Umstände und Voraussetzungen nach Seinem Willen zu ordnen. Selbst einzelne Personen, die in sich schwache und hilflose Menschen sind, befähigt Er, in Kraft und Vollmacht des Geistes Werkzeuge in Seiner Hand zur Durchführung der ewigen Ratschlüsse Gottes zu sein.

Die Buße zum Leben gilt auch den Nationen (Apg 11, 18)
Die ersten Jahre der Versammlung waren ihre „Frühlingstage". Noch ehe die christliche Wahrheit bekannt war, wurde sie schon, soweit sie die Erde betriffi, eine kurze Zeit praktisch verwirklicht: „Die Menge derer aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele" (Apg 4, 32).*) Die Versammlung bestand damals jedoch nur aus Juden. Die Einführung der Na-
) Der himmlische Teil der Wahrheit wurde durch Paulus gelehrt, tionen wurde der erste große in der Verwirklichung des Ratschlusses Gottes, „aus beiden eines zu machen." Was aus jüdischer Sicht unmöglich schien, wurde jedoch zu einem herrlichen Triumph der Gnade.
In Kapitel 10 unterwies der Herr Seinen Knecht Petrus durch ein besonderes Gesicht. In Kapitel 11, 1-18 geschah ein vielleicht noch größeres Wunder. Die Verantwortung des Apostels Petrus vor den „Aposteln und Brüdern, die in Judäa waren", ist in ganz besonderer Weise durch die Autorität des Heiligen Geistes gekennzeichnet. Diese anerkannten nicht nur die Einführung der Nationen, diese äußerst schwierige Angelegenheit fand ihren Ausklang in der Verherrlichung Gottes darüber, daß „Gott also auch den Nationen die Buße zum Leben gegeben" hatte. Jetzt, nicht früher, war der Weg offen für weitere Fortschritte von heilsgeschichtlicher Bedeutung.

Die Hand des Herrn war mit ihnen (Apg 11, 21)
Die Ereignisse zur Vorbereitung der Heidenmission greifen wie Zahnräder ineinander. Jüdischer Fanatismus verursachte den Tod des Stephanus und die anschließende Verfolgung. Viele gläubige Juden wurden dadurch aus Jerusalem zerstreut. Ohne jede Entmutigung verkündigten sie das Wort. In Kapitel 8 waren Judäa und Samaria Schauplatz ihrer Tätigkeit. Hier aber wirkte die Kraft des Geistes expansiv, sie überschritt die Grenzen Israels. Sie „zogen hindurch bis nach Phönizien und Cypern und Antiochien".

Das war ein großer Schritt in die Richtung der Absicht des Herrn, obwohl sie zunächst nur zu Juden redeten. Dann aber geschah das Wunderbare: Etliche unter diesen, „Männer von Cypern und Kyrene", redeten auch zu den Griechen in Antiochien, „indem sie ihnen das Evangelium von dem Herrn Jesus verkündigten". Wer könnte ihre Freude beschreiben, daß „des Herrn Hand" mit ihnen war, so daß eine große Zahl glaubte und sich zu dem Herrn bekehrte. Mochten die Apostel in Jerusalem bleiben und jene Männer ungeeignet erscheinen, zu gebildeten Griechen zu reden; des Herrn Hand bewirkte jenes große Wunder der Gnade, das zur Entstehung der Versammlung in Antiochien führte. Griechen und Juden bildeten die erste Versammlung außerhalb des Landes, die in den weiteren Wegen des Herrn von so großer Bedeutung war.
Daß die Apostel in Jerusalem mit dem Werk in Antiochien zunächst nichts zu tun hatten, zeigt die Unumschränktheit des Herrn, Seine Unabhängigkeit von Personen sowie Seine Freiheit, als Diener zu benutzen, wen Er will. Vor allem aber sollte das Werk unter den Nationen von Anfang an außerhalb des direkten Einflusses der „Zwölfe" stehen. Die Erwähnung der „Hand des Herrn" beweist Seine Zustimmung zu den Geschehnissen in Antiochien und schließt jeglichen Ruhm von selten eines Menschen aus, wer er auch sein mochte. Der Herr bereitet Sich für jedes Werk Menschen zu, die, Seiner Leitung unterworfen, Seinen Zwecken zu dienen vermögen. Was jene Männer von den Absichten des Herrn nicht erkennen konnten, das dürfen wir heute überschauen und dürfen sehen, wie alles wunderbar zusammenwirkte. Diese Begeben heiten stellen die vorbereitenden Wege des Herrn zur Lösung von allem dar, was an die alte Ordnung des Judentums erinnert und besonders der Versammlung zu Jerusalem noch weithin ihr Gepräge gab.

Barnabas als Bindeglied zwischen Jerusalem und Antiochien
Im Rahmen dieser Betrachtung können nur einige Punkte genannt werden, die den hohen Wert des Dienstes des Barnabas erkennen lassen. Die Versammlung in Jerusalem war durch die Bekehrung des Kornelius auf die Vorgänge in Antiochien vorbereitet. Der ganze Umfang der Versammlung begann sich nun abzuzeichnen, nachdem sie aus Juden und Nationen zusammengefügt war. Die Steinigung des Stephanus besiegelte die zeitweise Beiseitesetzung Israels als Volk Gottes. Gott konnte jetzt Seine ganze Gnadenfülle auch zu den Nationen frei ausströmen lassen. Zwar hatte Israel als Volk seinen Platz vor Gott eingebüßt, und doch benutzt Gott Juden zur offiziellen Einführung der Nationen in die Versammlung. Das Wort des Herrn Jesus „Das Heil ist aus den Juden" (Joh 4, 22) erfüllt sich auch hierin. Petrus, ein Jude, öffnet den Heiden die Tür. Saulus von Tarsus, der das gesetzestreue Judentum verkörpert hatte, wurde von dem verherrlichten Herrn vom Himmel her zum Dienst unter den Heiden berufen. Barnabas war ebenfalls Jude, und obwohl er keine Offenbarungen empfing wie Paulus, stellt sein Dienst doch einen gewissen Höhepunkt dar, durch den - menschlich gesehen - der Lauf der Kirchengeschichte eine Richtung nahm, der Gottes Absicht entsprach.
Wir verherrlichen nicht Barnabas, sondern die Weisheit und Leitung Gottes durch den Geist im Dienst des Barnabas, der an Lieblichkeit und Selbstlosigkeit seinesgleichen sucht.
Die Verkündigung des Evangeliums unter der Beschneidung entsprach den jüdischen Erwartungen und den irdischen Verheißungen Israels. So war der Herr Jesus als der Sohn Davids und Messias gepredigt worden. Hätte Israel als Ganzes dieses Zeugnis angenommen, so hätte der Herr kommen und das Reich aufrichten können, was vor dem Kreuz nicht möglich war. Da Israel auch dies letzte Zeugnis verwarf, konnte Gott entsprechend Seinem Ratschluß, Israel und die Nationen betreffend, handeln.
Nicht nur sollte auch den Heiden das Evangelium - die Buße zu Gott und der Glaube an den Herrn Jesus - verkündigt werden, die Verkündigung selbst unterschied sich in grundsätzlichen Punkten von der bisherigen. Es war kein „anderes Evangelium", es enthielt aber Wahrheiten himmlischen Charakters und betraf den Herrn Jesus nicht länger als Messias und Sohn Davids, sondern als den Sohn Gottes nach Matthäus 16, 16, und als den „Sohn des Menschen". Als dieser war Er nicht nur für Israel, sondern zugunsten aller Menschen gekommen; nun ist Er der verherrlichte Mensch zur Rechten Gottes. So hatte Stephanus Ihn gesehen und bezeugt.
Vor allem mußte der himmlische Charakter des Christentums ans Licht gestellt werden, durch den es sich grundsätzlich von der jüdischen „Religion" unterscheidet. Jerusalem, der Mittelpunkt des Judentums, war für die Versammlung nur solange Mittelpunkt, wie Gott Sich noch mit Israel als Volk beschäftigte. Nun aber führte Gott das ein, was von Ewigkeit her in Seinem Herzen war: die Offenbarung himmlischer Wirklichkeiten und Segnungen für den Menschen. Zentral für das Christentum ist nicht eine Stadt auf Erden, sondern der Himmel. Seine Ordnung ist nicht fleischlicher Art, sondern Geist und Wahrheit. Wahres Christentum hat nichts mit äußeren Formen zu tun, sondern ist ganz und gar auf das Innere des Menschen ausgerichtet. Es ist nicht auf das Tun des Menschen abgestellt, sondern auf das, was Christus getan hat. Christlicher Gottesdienst besteht nicht in Zeremonien, die Gott befriedigen sollen, sondern darin, daß die Gläubigen als heiliges Priestertum geistliche Schlachtopfer darbringen, Gott wohlannehmlich durch Jesum Christum, der Gott völlig befriedigt hat (1. Petr 2, 5). Anbetung in Geist und Wahrheit ist die Erfüllung von allem, was im Gottesdienst Israels nur als Schatten und Vorbild ausgeübt worden war.
Gott wollte nicht zweierlei Christentum, eines der Juden und eines der Nationen. Darum bedurfte es eines Bindegliedes, um jede Zweigleisigkeit zu vermeiden. Daß Juden- und Heidenmission in Einheit bewahrt blieben, ist angesichts der unüberwindlich scheinenden Gegensätze ein Wunder der Weisheit Gottes. Daß die Fragen von Kapitel 15 in Jerusalem, und nicht in Antiochien entschieden wurden, diente ebenfalls der Bewahrung der Einheit des Werkes unter den Juden und den Nationen.

Die Ohren der Versammlung" (Apg 11, 22)
Unter den „Ohren der Versammlung" sind „die Apostel und die Brüder" (Apg 11, 1) zu verstehen. Sie waren verantwortlich, zu prüfen, ob es sich in Antiochien um ein Werk des Geistes handelte. Auch heute sind „Ohren der Versammlung" wichtig. Wir haben zwar keine Apostel mehr, aber doch Brüder, die in dieser Hinsicht Verantwortung tragen. Jene entzogen sich nicht ihrer Verantwortlichkeit, sondern handelten entsprechend, und der Herr bekannte Sich offensichtlich dazu.
Beiderseitige Liebe bewirkte sowohl die Sendung eines Bruders als auch die Annahme seines Dienstes durch die Versammlung in Antiochien. Auch das dient zu unserer Belehrung. Wir sehen hier die liebliche Frucht einheitlicher Ausrichtung aller Versammlungen; jede Bemühung im Werke hatte das gemeinsame Ziel, in allem den Willen des Herrn zu tun und die Wahrheit praktisch darzustellen.
„Ohren der Versammlung" nehmen fraglos auch das wahr, was in der Mitte der eigenen Versammlung vorgeht, damit die Versammlung entsprechend urteilen kann. Welche Freude für die ganze Versammlung ist jede echte Bekehrung, die wahre Buße zu Gott und den Glauben an den Herrn Jesus zur Grundlage hat. Welche Freude ist es auch für die ganze Versammlung, wenn das Verhalten jedes einzelnen durch Gottesfurcht und geistliche Einsicht gekennzeichnet ist. Bedenken wir aber, daß wirkliche geistliche Freude mit Nüchternheit und Freiheit von Schwarmgeist gepaart ist.
Leider viel zu oft kommen betrübende Dinge zu den „Ohren der Versammlung". Dann bedarf es besonderer Weisheit, um alledem nach Gottes Gedanken zu begegnen. In jeder Versammlung besteht ein verant wortliches Element zur Bewahrung göttlicher Ordnung. Es ist Gottes Gedanke, daß es an jedem Ort eine geistliche Führung, eben „Ohren der Versammlung" gibt. Ohne irgendeiner Form von „Personenkult" das Wort zu reden, sollte die örtliche „Brüderstunde" festgehalten werden. Ohne diese Brüderstunden wäre die geistliche Ordnung der Versammlung in Frage gestellt, und das würde zu den traurigen Erscheinungen der Zeit der Richter führen: „In jenen Tagen war kein König in Israel; ein jeder tat, was recht war in seinen Augen" (Ri 17, 6; 21, 25). Leider ist dieser Geist gegenwärtig stark entwickelt, und darüber haben wir uns tief zu schämen. Die „Ohren der Versammlung" versagen. Vielleicht wird noch wahrgenommen, daß manches geschieht, was der Ordnung des Hauses Gottes zuwider ist, aber die Kraft zu entsprechendem Handeln fehlt. „Friede, Friede! und da ist doch kein Friede" (Jer 6, 14).
Man würde aber das Handeln der Versammlung in Jerusalem völlig mißverstehen, wenn man daraus für die Gegenwart die Rechtfertigung zentraler Verwaltungsstellen ableiten wollte. Damit kann in keinem Fall irgendwelcher Unabhängigkeit gesteuert werden. Sie begünstigen viermehr ein noch größeres Übel: die Entwicklung von Kirchenbehörden. Aufrichtige Abhängigkeit vom Herrn allein sowie bedingungsloser Gehorsam gegen Gottes Wort bewahren vor jeglicher Art von Unabhängigkeit in den Beziehungen der Versammlungen untereinander. Das geistliche Handeln der Versammlung in Jerusalem trug in jenen ereignisreichen Tagen herrliche Frucht. Die Mission unter den Nationen nahm ihren Anfang, und die Einheit des Werkes unter der Beschneidung und den Nationen wurde gewahrt.
„Sie sandten Barnabas aus, daß er hindurchzöge" (Apg 11, 22)
Zu Anfang lag alle Tätigkeit in den Händen der Apostel. In Kapitel 8, 14 sandten die Apostel zwei Apostel, Petrus und Johannes, nach Samaria. In Kapitel 10, 20 sandte der Geist den Apostel Petrus zu Kornelius nach Cäsarea. Auch in Kapitel 13, 2. 4 ist der Geist der Aussendende. In Kapitel 15 gibt Paulus von sich aus den Anstoß zur zweiten Missionsreise. Zwar ist in jedem Fall der Geist der Leitende, aber die Unterschiede in der Darstellung sind doch bedeutungsvoll. In Kapitel 8 war apostolisches Handeln erforderlich, damit der Zwiespalt zwischen Juden und Samaritern nicht auch in die Versammlung getragen wurde. In Verbindung mit dem Werk in Antiochien trat jedoch die Versammlung handelnd in den Vordergrund. In Kapitel 15 tritt zum erstenmal ihr Charakter als „Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit" ans Licht. Sie handelt als lebendiger Organismus, nicht als Organisation, auch nicht unabhängig, aber selbsttätig. Gaben und Dienst sind notwendig, doch als Gefäß des Geistes, den Interessen Christi ergeben, hat die Versammlung den Vorrang vor diesen.
Die „Zwölfe" waren zwar an der Sendung des Barnabas beteiligt, das Aussenden aber war Sache der Versammlung. Das Einverständnis der Apostel beweist ihr Empfinden dafür, daß sie bezüglich des Werkes in Antiochien Zurückhaltung üben sollten. Sie mögen unter dem Eindruck gestanden haben, daß der Auftrag des Barnabas nicht in der Ausübung einer „Gabe" bestand, sondern daß es sich dabei um etwas Außergewöhnliches handelte. Wie schön, daß sie nicht in „apostolischer Selbstherrlichkeit' eingriffen, sondern anerkannten, daß dieser Dienst unmittelbarer als jeder andere der Leitung des Geistes Gottes sowie völliger Freiheit von jeglichem Traditionsdenken bedurfte. Das alles zeugt von der Weisheit Gottes und der Leitung des Geistes. Ihm ist kein Hindernis zu groß; deshalb sollten wir Ihm alles, auch uns selbst, völlig überlassen. Wie damals, so erfordern auch heute besondere Dienste befähigte Diener. Hätte die Versammlung in Jerusalem wohl einen geeigneteren Mann wählen können als Barnabas? Was ihn besonders passend erscheinen ließ, war die Tatsache, daß er als „Sohn des Trostes" bekannt war.

Was kennzeichnet einen „Sohn des Trostes"?
Ehe Einzelheiten von Barnabas erwähnt sind, hatten die Apostel ihn schon mit diesem Namen ausgezeichnet. Den Grund dafür finden wir in Kapitel 11, 24a: „Denn er war ein guter Mann und voll Heiligen Geistes und Glaubens." Apostelgeschichte 4, 36. 37 und 9, 27 rechtfertigen diese Feststellung. Sein persönliches Zeugnis zeigt ihn zuerst in Jerusalem als einen „Sohn des Trostes". Etwa zehn Jahre später finden wir ihn in Antiochien wieder als solchen. Er hatte sogar zugenommen, so daß der Geist dem Zeugnis der Apostel weiteres Lob hinzufügen konnte. Wunderbar! Laßt uns doch dem Barnabas nacheifern, um zur Freude und zum Trost der Heiligen und zur Verherrlichung des Herrn Jesus zu sein.
„Voll Heiligen Geistes" lesen wir von dem Herrn (Lk 4, 1). „voll Glaubens und Heiligen Geistes" von Stephanus (Apg 7, 55), „Voll Heiligen Geistes und Glaubens" von Barnabas (Apg 11, 24). „Erfüllt mit Heiligem Geiste" wird außer von Petrus und Paulus (Apg 4, 8; 13, 9) auch noch von anderen gesagt, jedoch nicht von dem Herrn Jesus. „Erfüllt mit Heiligem Geiste" war mehr eine augenblickliche, vorübergehende Sache, während „Voll Heiligen Geistes" einen fortdauernden Zustand andeutet, der natürlich allein bei dem Herrn Jesus in Vollkommenheit und ohne Unterbrechung vorhanden war.
Der Zuname „Sohn des Trostes" spricht von Trostbedürfnis. Wodurch wurde dies hervorgerufen, da die Versammlung doch in ihrer ersten Frische, in ihren „Frühlingstagen" stand? Auch in guten Zeiten ist der Dienst eines „Sohnes des Trostes" sehr nötig, damit in geistlicher Sorgfalt auch die geringste Störung des Friedens vermieden werden kann. Immer dann, wenn alles „ruhig" scheint, wird Satan seine Anstrengungen vermehren, um Störungen hervorzurufen. Jeder Bruder, jede Schwester, deren Herzen darauf gerichtet sind, in der Kraft des Geistes auf dem Boden der Wahrheit Frieden zu bewahren, ist für die Versammlung ein Sohn, eine Tochter des Trostes. Dazu bedarf es keiner Gabe, wohl aber heiliger Ehrfurcht und eines Betragens, wie es sich für die Gegenwart des Herrn in der Versammlung geziemt. Wenn schon damals, in jenen Frühlingstagen der Versammlung, ein Trostbedürfnis vorlag, wieviel mehr heute, in den Tages des
Niedergangs?! Verfeinerter Eigenwille und Mangel an Unterwürfigkeit zeigen sich im Verfolgen von Zielen und Bestrebungen, die dem Charakter der Versammlung als Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit entgegen sind. Die krankhafte Neigung, in rein verstandesmäßiger Beschäftigung mit der Wahrheit in „hohen Erkenntnissen" zu schwelgen, die heute weit verbreitet ist, führt zur Vernachlässigung der praktischen Absonderung, selbst in den einfachsten Dingen.
Unser Verhalten im täglichen Leben ist entweder ein Trost für die Heiligen oder ein Herzeleid. Es zeugt auch in den Zusammenkünften entweder von hohen oder von niedrigen Auffassungen über die Gegenwart des Herrn in der Mitte der Heiligen. Als die Königin von Scheba „die Weisheit Salomos sah,... und das Sitzen seiner Knechte, das Aufwarten seiner Diener und ihre Kleidung... da geriet sie außer sich" (1. Kön 10, 4. 5). Wir alle, Brüder und Schwestern, sollten bedenken - und es auch unseren Söhnen und Töchtern einschärfen - daß unser Sitzen und unsere Kleidung der Versammlung entweder zum Trost oder zur Beschämung gereichen. Würde die Königin von Scheba bei einem Besuch in unserer Mitte nicht oft im negativen Sinn „außer sich geraten", wenn sie unseren Mangel an Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Hauses Gottes und der Gegenwart des Herrn sehen würde?
Dem Herrn sei Dank, Er hat Sich auch jetzt noch Brüder und Schwestern, Söhne und Töchter, bewahrt, die in Aufrichtigkeit begehren, den Heiligen zum Trost und dem Herrn zur Freude zu sein. Laßt uns dies alles dem Herrn sagen. Er will und wird auch dieserhaib unseren Herzen Trost darreichen.

‚Welcher, als er hingekommen war und die Gnade Gottes sah, sich freute und alle ermahnte, mit Herzensentschluß bei dem Herrn zu verharren" (Apg 11, 23).
Das Wirken des Barnabas in Antiochien offenbart weitere schöne Merkmale seines Dienstes als „Sohn des Trostes". Barnabas sollte hindurchziehen bis nach Antiochien. Es bedurfte keinerlei detaillierter Anweisungen. Man wußte von ihm, er werde nicht das „Seinige", sondern „das, was Jesu Christi ist" suchen (Phil 2,21). Ein „guter Mann" ist stets „von Herzen" für das Wohl der Versammlung und die Interessen des Herrn besorgt (Phil 2, 20). Er sucht das Gute und freut sich darüber, wo er es findet. Jeder Diener sollte ein „Sohn des Trostes" sein. Dieser Charakterzug ziert nicht nur jeden Diener des Herrn, nein, er sollte ihn geradezu kennzeichnen. Wie schade, wenn aus Mangel an geistlichem Urteilsvermögen selbst ein „Barnabas" keine Anerkennung findet!
Der Dienst des Barnabas bestand nicht einfach in der Ausübung einer Gabe. Er war von besonderer Art und erforderte hauptsächlich geistliches Unterscheidungsvermögen für ein Handeln aus der unmittelbaren Gegenwart Gottes heraus. Es gibt in der Kirchengeschichte kaum noch andere Gelegenheiten, deren geistliche und historische Bedeutung dem Dienst des Barnabas in Antiochien gleichzusetzen wären.
Barnabas drängte sich nicht zum Dienst, er wurde von der Versammlung gesandt. Ein Sich-vordrängen findet man nur bei solchen, die den Charakter des Dienstes in der Versammlung nicht verstehen. Sie sind für sich selbst besorgt. Sie verdienen nicht das Vertrauen der Versammlung. Barnabas, als „guter Mann, voll Heiligen Geistes und Glaubens", diente, getrennt von jeglicher Energie des Fleisches, frei von Tradition und Formengeist. Er war fähig, „die Gnade zu sehen", die durch den Dienst anderer bewirkt worden war. Neidlos freute er sich über die Frucht des Dienstes jener einfachen Brüder, deren Namen nicht einmal erwähnt werden. Der Herr hatte sie benutzt, das Evangelium „über die Mauer", die Grenzen Israels, hinauszutragen, damit die Nationen herzugebracht und der Ratschluß Gottes verwirklicht würde.
In einer Versammlung hatten zwei Brüder kurz nacheinander gedient. Nach dem Dienst des ersten sagten die Geschwister: „Wie gut, daß wir noch solche Brüder haben!" Nach dem Dienst des anderen hörte man sagen: „Wie gut, daß wir einen solchen Herrn haben!" Der Herr sei gepriesen, der alles in Gnade und Weisheit zu Seinem Wohlgefallen und zu unserer Freude bewirken will. Mächten wir all das Gute anerkennen und uns dessen erfreuen, was Er uns schenkt, damit es allen zum Trost gereicht.
Barnabas „sah" nicht nur die Gnade und freute sich, sein Dienst an den Heiligen in Antiochien geschah auch in Gnade. Seine Ermahnung, „mit Herzensentschluß bei dem Herrn zu verharren", ist von umfassender Bedeutung. Sie bezieht sich auf unseren täglichen Weg, wie auch auf unser Verhalten in der Versammlung. „Bei dem Herrn" stehen wir immer recht. Dort
sind wir wohlbewahrt (1. Sam 22, 23). Paulus hatte später Mühe, die Gläubigen in Antiochien, ja selbst auch einen Barnabas, an diesem gesegneten Platz zu erhalten, damit sie nicht unter Gesetz gerieten. Diese Gefahr besteht auch heute noch. Aber es gibt auch noch viele andere Dinge, durch die Satan versucht, uns persönlich, wie auch das gesamte Zeugnis, vom Herrn abzulenken. Es gilt in diesen letzten Tagen, in höchster Wachsamkeit bei dem Herrn zu verharren, den „Weg der Absonderung" zu gehen, bis Er kommt.
Es gibt keinen Bereich unseres Glaubenslebens, bei dem wir nicht einen Herzensentschluß nötig haben. Joseph wurde dadurch befähigt, der Versuchung zu entfliehen; Mose hielt die Schmach des Christus für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens; Daniel und seine Freunde entzogen sich so der Verunreinigung durch die Tafelkost des Königs. Gehen wir „den Weg der Absonderung" aus persönlichem Herzensentschluß? Ist „Wahrheit im Inneren" bei uns zu finden? Haben wir nicht vielleicht in diesem oder jenem Punkt einen Herzensentschluß zu fassen? Laßt uns dann nicht zögern. Der Herr Jesus nimmt Kenntnis davon. Er schenkt auch die zur Durchführung nötige Entschiedenheit und Kraft.
Herzensentschlüsse erinnern an das Nasiräat in Israel, von dem das Leben des Herrn Jesus so vollkommen gekennzeichnet war. Welch ein Herzensentschluß bestand in Seinem Geiste! Aufrichtige Abhängigkeit läßt uns nicht nur einen Herzensentschluß fassen, sondern auch „bei Ihm verharren", nicht nur anfangen, sondern auch vollenden. Das Gelübde eines Nasiräers wurde unterbrochen, und die „vorigen Tage"

verfielen, wenn infolge mangelnden Mißtrauens gegen sich selbst eine Verunreinigung eintrat. Verharren bei dem Herrn Jesus und Ausharren im Tragen Seiner Schmach sind Seinem Herzen unendlich kostbar. Tätigkeit und Dienst „für Ihn" mögen gesegnet sein, sie erlangen jedoch erst dann ihren wirklichen Wert, wenn sie vom „Verharren bei Ihm" begleitet sind. Laßt uns dem Herrn dankbar sein, daß Barnabas uns diese Ermahnung gegeben hat.
Wir haben in diesen wenigen Versen von Herzensentschlüssen, von Ohren der Versammlung und von den Augen des Barnabas gelesen. Er hatte die Gnade Gottes gesehen. Das weist hin auf gesalbte Augen, auf „geistliches Sehvermögen". Geistliche Augen sehen alles so, wie der Herr es sieht. Sie sehen nicht wie „durch einen Spiegel", durch eine gefärbte Brille, entweder alles rosa oder alles schwarz. Ein „Sohn des Trostes" sieht keineswegs „durch die Finger". 0, nein, wie könnte er sonst ermahnen, „mit Herzensentschluß bei dem Herrn zu verharren"! Ist es möglich, mit unreinen Absichten, Gedanken und Zielen in der Sache des Herrn oder in unserem persönlichen Leben in der heiligen Nähe des Herrn zu weilen? Unmöglich! Gesalbte, geistliche Ohren und Augen sind daher eine wichtige Voraussetzung, um mit „Herzensentschluß bei dem Herrn zu verharren"! Laßt uns das bedenken.
„Er zog aber aus nach Tarsus, um Saulus aufzusuchen; und als er ihn gefunden hatte, brachte er ihn nach Antiochien" (Apg 11, 25).
Das ist der Höhepunkt des Dienstes des Barnabas in Antiochien. Es ist wunderbar, wie der Dienst des
Barnabas mit Gottes Absichten übereinstimmt. Auch darin erweist er sich als ein „Sohn des Trostes, ein guter Mann, voll Heiligen Geistes und Glaubens". Diese Tat des Barnabas war die schönste Verwirklichung seines ursprünglichen Namens „Joseph", „Gott füge hinzu". Gott hatte ihm eine Gnade hinzugefügt, von der sein ganzer Dienst in Antiochien in herrlicher Weise überstrahlt wird. Nachdem eine zahlreiche Menge „dem Herrn hinzugetan" worden war, zog Barnabas nach Tarsus, um Saulus aufzusuchen. Schon öfter nahm der Lauf der Geschichte durch eine einzelne Tat eine ganz neue Richtung. Menschlich gesehen, war die Initiative des Barnabas, Saulus aufzusuchen und ihn nach Antiochien zu bringen, für den Lauf der Kirchengeschichte richtungweisend. Sie führte unmittelbar zum Beginn des Dienstes des Apostels der Nationen und zu dem Werk, zu dem der Herr Jesus sich eben Saulus von Tarsus als Werkzeug zubereitet hatte. Barnabas holte Saulus nicht nach Jerusalem, sondern nach Aritiochien, dorthin, von wo dieses Werk seinen Ausgang nehmen sollte. Barnabas kannte Saulus; er selbst hatte ihn in die Versammlung in Jerusalem eingeführt, als man sich noch vor ihm fürchtete, (Apg 9, 26. 27). Auch dieser wertvolle Dienst beweist, daß Barnabas damals schon das Wahrnehmungsvermögen besaß, das „Ohren der Versammlung" auszeichnet. Er hatte Kenntnis von den Vorgängen vor und in Damaskus, vielleicht auch von des Ananias Sendung und Botschaft an Saulus (Apg 22, 14-16).
Offensichtlich erkannte Barnabas das neue Element in der Predigt des Saulus, das dieser später „mein Evangelium" nennt (Röm 2, 16; 16, 25; 2. Tim 2, 8),
als das eigentliche Evangelium, das Gott unter den Nationen verkündigt haben wollte, und Saulus von Tarsus als Träger dieses Evangeliums.
Ebenso selbstlos wie Barnabas sich über die Gnade gefreut hatte, die er in Antiochien sah, handelt er nun, um Saulus nach Antiochien zu holen. Die Frucht seines eigenen Dienstes überläßt er der Gnade des Herrn; er ist ganz mit dem Fortgang des Werkes beschäftigt. Fraglos war er überzeugt, daß es jetzt eines Mitarbeiters, eines Größeren als er selbst es war, bedurfte, um den Absichten des Herrn zu dienen. Barnabas trachtete wegen dieses Werkes nicht nach Ruhm für sich selbst. Er hatte nur die Förderung der Interessen des Herrn im Sinn. Obwohl der Herr Selbst dies alles so führte, erfreut uns doch die Seelengröße dieses Knechtes Christi, der sich selbst vergaß, um aufs neue seinem Namen, „Sohn des Trostes" gemäß zu handeln. Er bewährte sich aufs neue in besonders schöner Weise als „ein guter Mann, voll Heiligen Geistes und Glaubens". Mit großer Freude lesen wir immer wieder diese inhaltsreichen Verse, in denen der Herr Jesus einem Seiner Diener ein bleibendes Denkmal gesetzt hat.
Ein segensreiches Jahr der Belehrung der Heiligen in Antiochien führte dazu, daß die Jünger dort „zuerst Christen genannt" wurden. Christi Wesenszüge und Gesinnung waren unter ihnen derart entwickelt, daß die Heiden dieser Stadt die Gläubigen dort Christen nannten. Der Name „Christ" findet sich noch in Apostelgeschichte 26, 28 und in 1. Petrus 4, 15. Welch ein Segen durch den Dienst eines treuen Zeugen! Sollten wir nicht begehren, seine Nachahmer zu sein?

Weshalb gerade Antochien?
Antiochien zeigt auf interessante Weise Gottes Walten in der Völkergeschichte. Obwohl die offizielle Regierung der Erde in den Händen der Nationen liegt, erreicht Gott doch in der Vorsehung Seine Ziele.
Antiochien wurde durch Seleukus 1. um 300 v. Chr. gegründet und nach dessen Vater Antiochus IV. genannt. Dieser war ein Vorläufer des Antichristen. Einmal, weil er den Tempel in Jerusalem verunreinigte, und zum anderen, weil er sich den Namen „Epiphanes" beilegte, um darzutun, daß er der menschgewordene Zeus Olympos sei. Dasselbe wird auch der Antichrist tun; er wird den „Greuel der Verwüstung", ein Götzenbild, im Tempel aufstellen und wird sich göttliche Verehrung darbringen lassen. Die Tempelentweihung löste damals die Makkabäerkämpfe aus. Seine Reinigung und Wiedereinweihung feierten die Juden später als „Fest der Tempelweihe" (Joh 10, 22).
Antiochien gart neben Rom und Alexandrien als dritte Hauptstadt des römischen Reiches. Es war berühmt durch mancherlei wissenschaftliche Einrichtungen und Institutionen. Es war aber auch verrufen durch Lasterhaftigkeit und Sittenlosigkeit. Es war eine Stadt der Kneipen. Viele ihrer heidnischen Tempel waren der Unmoral geweiht. Antiochien schien darum denkbar ungeeignet, Ausgangspunkt der Mission unter den Nationen zu sein.
Doch gerade von dieser sündigen Stadt aus, die dem Vorbild des Antichristen, dem kleinen Horn des dritten Weltreiches (Dan 8, 9-14; 11, 21-45), geweiht war, sollte der Siegeszug des Evangeliums seinen Ausgang nehmen. Ist das nicht eine Ironie der Vorse-
hung in Gottes Handeln mit der Welt? Gerade hier wurden die Jünger zuerst Christen genannt. Christi Sache wird nicht untergehen. Als „der Letzte" wird Er auf der Erde stehen und als der große Sieger von Golgatha alles zu herrlicher Vollendung führen.
Das Werkzeug zur Einleitung dieser gewaltigen Entwicklung war Barnabas, ein „Sohn des Trostes"; nicht ein Großer dieser Erde, kein kraftstrotzender, machthungriger, genialer Feldherr; er war keine energiegeladene Persönlichkeit; er war „ein guter Mann, voll Heiligen Geistes und Glaubens", durch den Gott aufs neue bestätigte: „denn das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen" (1. Kor 1, 25). Wollen wir dies nicht in unserem persönlichen Leben und in jeglichem Dienst beachten und verwirklichen? Dadurch würden wir selbst gesegnet und der Herr verherrlicht und Sein Werk durch die Kraft des Geistes gefördert werden. 

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