Aus dem Wort der Wahrheit Band 1, H.L. Heijkoop

  • Aus dem Wort der Wahrheit Band 1, H.L. Heijkoop

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Bestell-Nr:     C257170-1
Autor:       H.L. Heijkoop
Titel:     Aus dem Wort der Wahrheit, Themen aus 1. bis 3. Mose
Preis:     9,00 €

Verzeichnis der Vorträge:
– Gottes Ratschlüsse
– Henoch
– Noah
– Abrahams Berufung
– Abraham: Zelt und Altar
– Abraham: der Brunnen Beer-Lachai-Roi
– Die Opferung Isaaks
– Isaak: die Brautwerbung Rebekkas
– Jakob: Bauer und Hirte...
– Erziehung zum Anbeter
– Die Hebammen Schiphra und Pua
– Mose: Lehrer, Hirte, Priester
– Befreiung aus der Macht Ägyptens
– Das Rote Meer und der Jordan
– Die Erziehung in der Wüste
– Priesterkleidung und Priesterweihe
– Der Platz ausserhalb des Lagers
– Der Dienst der Versöhnung
– Der Aussatz
– Das Gesetz des Aussätzigen

1. Mose 22

H. L. Heijkoop

Wenn wir 1. Mose 22 lesen, dann können wir fragen: Was will uns Gott mit diesem Kapitel sagen? Die Antwort finden wir im Johannesevangelium. Dort sehen wir das Brandopfer, und darum geht es in unserem Kapitel. Als der Herr Jesus auf diese Erde kam, war das große Ziel Seines Werkes am Kreuz gerade das, was uns im Brandopfer vorgestellt wird ﷓ die Verherrlichung des Vaters.
Wir lesen in Johannes 1, 18: "Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn kundgemacht." Und in Johannes 3, 16 heißt es: "Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe." In Johannes 17, 4 sagt der Herr Jesus: "Das Werk habe ich vollbracht, welches du mir gegeben hast, daß ich es tun sollte." Und Sein vorletztes Wort am Kreuz war: "Es ist vollbracht!" Das war das Werk, das wir in Johannes 1, 18 und Johannes 3, 16 gesehen haben: Den Vater offenbaren, Gott offenbaren wie nur Er, der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, Ihn kannte.
Das ist etwas Wunderbares. Wenn wir den Vater nicht kennen würden, dann würden wir auch die volle Segnung nicht begreifen können, die der Herr Jesus in Seinem Werk als Brandopfer für uns erworben hat, wie wir sie in Johannes 17, 4 finden: "Das Werk habe ich vollbracht, welches du mir gegeben hast, daß ich es tun sollte. Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war." Und in Vers 22 lesen wir: "Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben . . . ", und in Vers 24: "Vater, ich will, daß die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, auf daß sie meine Herrlichkeit schauen . . . " Das ist ein Gedanke, der sich durch das ganze Neue Testament zieht, im Blick auf unsere Segnungen: Alles, was wir empfangen, empfangen wir aufgrund des Werkes des Herrn Jesus, jedoch nach dem Ratschluß Gottes.
In Römer 8, 29 lesen wir: "Denn welche er zuvorerkannt hat, die hat er auch zuvorbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern." Unser Auge wird also auf den verherrlichten Herrn gerichtet, und an Ihm sehen wir, was unsere Zukunft ist. Der Apostel Paulus, der bei seiner Bekehrung den Herrn Jesus in Herrlichkeit gesehen hat, sagt in Philipper 3, 14: "Eines aber tue ich: Vergessend was dahinten, und mich ausstreckend nach dem, was vorn ist, jage ich, das Ziel anschauend, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christo Jesu." Aus 1. Johannes 3, 2 wissen wir: Wir werden Ihm gleich sein, denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist.
Da haben wir unsere wunderbare Zukunft! Und wie herrlich ist auch das Resultat des Werkes des Herrn Jesus am Kreuz!
Nie können wir genug bei der Betrachtung diese Werkes stillstehen . Und nie können wir Ihm genug danken für Seine Liebe, für Seine Gnade. Doch findet ein Mensch keinen wirklichen Frieden für sein Herz, und wird auch nur wenig verstehen von der ganzen Tragweite des Evangeliums in den oben genannten Dingen, wenn er nicht verstanden hat, daß der Vater selber es war, der das Opfer gegeben hat, daß der Vater Seinen eingeborenen Sohn gab und daß alles aus dem Herzen des Vaters hervorging.
Selbstverständlich war der Sohn mit dem Vater in Übereinstimmung, doch die Heilsratschlüsse entstammen dem Herzen des Vaters, wie bereits aus Römer 8, 29 angeführt wurde:
"Denn welche er zuvorerkannt hat, die hat er auch zuvorbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern." Das kommt auch in 2. Mose 12 bis einschließlich Kapitel 15 sehr deutlich zum Ausdruck. In 2. Mose 12 sehen wir, daß Gott als Richter ausgeht, um alle Erstgeburt zu schlagen, ein Bild von dem Gericht, das alle Menschen treffen wird. Der Erstgeborene ist das Haupt der Familie, und in ihm wird die ganze Familie getroffen. Aber dann finden wir, daß etwas da ist, das den Menschen vor dem Gericht Gottes schützen kann, und das ist das Blut des Lammes ﷓ des Lammes, das geschlachtet, und dessen Blut an die Pfosten und die Oberschwelle der Tür gestrichen wurde. Das Blut schützt Gott gegenüber, als dem großen Richter, der die Sünde bestrafen muß vor dem Thron, dem Richterstuhl Gottes, wie wir ihn in Römer 14 finden.
Aber wie kann jemand sich wirklich mit den hohen Segnungen beschäftigen, auch wenn er sich im Schutz des Blutes des Lammes befindet, wenn er Gott nur als den Richter kennt, der jeden Sünder strafen muß, weil Er der gerechte Richter und jeder Mensch ein Sünder ist? Das ist unmöglich! Wenn der erstgeborene Israelit in 2. Mose 12 an Gott dachte, dann dachte er an Ihn als den schrecklichen Richter, der zu ihm kommen wollte, um ihn zu richten, der sich ihm nur deshalb nicht nähern konnte, weil das Blut des Lammes zwischen ihm und Gott stand, so daß das Blut ihn sicherstellte vor Gottes Zorn. Wie kann jemand Frieden haben, wie kann jemand Ruhe haben, wenn er Gott nur so kennt? Und das ist doch eigentlich der normale Zustand eines jeden, der gerade zu Gott kommt, seine Sünden bekennt und den Herrn Jesus annimmt.
Wenn wir dann aber zu 2. Mose 14 und 15 kommen, da lesen wir, daß Mose dem Volk sagt (und Mose ist ein Bild des Herrn Jesus): "Jehova wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein." Und dann können sie, nachdem sie an der anderen Seite des Roten Meeres angelangt sind, singen. In den Wassern des Roten Meeres sehen sie wirklich, daß Gott selbst das Lamm gegeben hat. Denn die Wasser des Roten Meeres sprechen von dem Sterben und von der Auferstehung des Herrn Jesus. Dann können sie singen: D u hast uns aus Ägypten erlöst! Sie sehen nicht mehr so sehr das Lamm als das, was sie Gott gegenüber schützt, sondern sie sehen, daß Gott selbst das Lamm gegeben hat. Er ist wohl ein schrecklicher Richter, aber nicht für uns, sondern für unsere Feinde; die sind im Gericht umgekommen. Wir aber sind durch Ihn gerettet aus der Macht des Feindes, und zwar auf eine wunderbare Weise, nämlich weil Gott selbst das Lamm gab. Dies ist der große Gedanke, den wir hier in 1. Mose 22 finden.
Wir wissen, daß im ersten Buch Mose mehrmals über Opfer gesprochen wird. Das erstemal finden wir es in Kapitel 3, als Adam und Eva gesündigt hatten. Gott schlachtet Tiere, um Adam und Eva zu bekleiden, so daß sie nicht nackt vor Ihm stehen, sondern Er sie in der Reinheit der Tiere sieht, die nicht gefallen sind und nicht gesündigt haben. Auf diese Weise kann Er ihnen gnädig sein. Auch dort sehen wir, daß Gott es ist, der die Tiere gibt.
Wenn wir aber in 1. Mose 4 und später etwas über Opfer lesen, dann sind es Menschen, die Opfer bringen, um vor Gott bestehen zu können. Abel bringt ein Opfer, das ein wunderbares Bild des Herrn Jesus ist. Es ist ein Brandopfer, und das spricht von dem Höchsten, was der Herr Jesus auf dem Kreuz getan hat. Aber Abel bringt es, um vor Gott bestehen zu können, und dann empfängt er von Gott das Zeugnis, daß er in seinem Opfer Ihm angenehm ist. Als Noah in 1. Mose 8 von allen reinen Tieren ein Brandopfer brachte, hören wir, daß es ein lieblicher Geruch für Gott war, wörtlich "ein Geruch, der Ruhe gibt." Gott hatte jetzt Ruhe. Und Gott sagt: "Nicht mehr will ich hinfort den Erdboden verfluchen um des Menschen willen; denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an."
Wir kommen nun zu Kapitel 22. Dort lernen wir eine zweite Seite kennen. Zuerst die Bestätigung dessen, was Gott zur Schlange von dem Samen des Weibes gesagt hat: " . . . er wird dir den Kopf zermalmen" (l. Mose 3, 15). Das zeigt uns, daß dieses Opfer ein Mensch sein mußte und in Wirklichkeit kein Lamm sein konnte, ja daß es selbst nicht ein Opfer von allen reinen Tieren zusammen sein konnte. Tiere konnten nur ein Schattenbild von dem sein, was der Herr Jesus war und tat. Nur ein Mensch, der sündlos ist und nicht für sich selbst das Gericht Gottes erleiden muß, kann für einen sündigen Menschen Gott befriedigen. Der Dichter meint es gut, wenn er in einem holländischen Lied schreibt: "Kein Mensch kann für einen Menschen Genüge tun." Wir wissen, was er meint, tatsächlich ist es aber nicht ganz richtig ausgedrückt. Auch kein Engel konnte für uns sterben. Es mußte ein Mensch sein, um für uns das Gericht Gottes zu tragen, und darum ist der Herr Jesus Mensch geworden.
Jedoch nicht nur das, es mußte der Sohn des Vaters sein. Ja, um deutlich die Wahrheit des Neuen Testamentes vorzustellen, es mußte der eingeborene Sohn vom Vater sein, und der Vater selbst mußte Ihn geben, und Ihn auch selbst schlagen auf dem Kreuz, auf dem Altar. Das ist es, was uns hier in 1. Mose 22 vorgestellt wird. Das Opfer, das gebracht wurde, ist Isaak, und wir können nur mit Bewunderung auf Isaak blicken. Wir sehen ihn, den Geliebten des Vaters. Man schätzt, daß er zu diesem Zeitpunkt etwa 25 Jahre alt war, also kein kleiner Junge mehr, sondern ein erwachsener Mann.
Wir lesen, wie er willig mit dem Vater geht. "Und Abraham nahm das Holz des Brandopfers und legte es auf Isaak, seinen Sohn." Nur in Vers 7 fragt er einmal: "Wo aber ist das Schaf zum Brandopfer?" Aber in Vers 6 und Vers 8 heißt es: "Und sie gingen beide miteinander." Erst geht er mit dem Vater, danach kommt die Frage: "Wo aber ist das Schaf zum Brandopfer?" Der Vater antwortete: "Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer, mein Sohn." Sollte das für Isaak nicht deutlich genug sein, daß er selbst das Brandopfer, das geschlachtet werden sollte, sein mußte? Und doch heißt es: "Und sie gingen beide miteinander." Denken wir dann nicht an die letzten Verse von Johannes 16, wo der Herr kurz vor dem Kreuz steht: und ich bin nicht allein, sondern der Vater ist bei mir." Denken wir dann nicht an das ganze Evangelium nach Johannes, wo wir den Herrn Jesus mit Seinem Vater zusammen sehen? Wo Er in Johannes 4 sagt: "Meine Speise ist, daß ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat." In den anderen Evangelien hören wir die Stimme des Vaters aus dem Himmel: "Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen gefunden habe." Und zwar zum erstenmal, als Er Seinen Dienst auf der Erde begann, und dann etwa drei Jahre später auf dem Berg der Verklärung. Ja, sie gingen beide miteinander. Es gab kein Wort des Protestes von seiten Isaaks, willig nimmt er das Holz auf sich. Aber e i n e Frage stellte er doch: "Wo ist das Schaf zum Brandopfer?" Abraham hatte ihm nicht berichtet, was Gott zu ihm gesagt hatte, aber sollte dies nicht deutlich genug gewesen sein? Und so gehen sie beide miteinander.

"Und sie kamen an den Ort, von dem Gott ihm gesagt hatte; und Abraham baute daselbst den Altar und schichtete das Holz; und er band seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar oben auf das Holz." Abraham war etwa hundertfünfundzwanzig Jahre alt. Wenn Isaak Widerstand geleistet hätte, hätte wohl ein alter Mann von hundertfünfundzwanzig Jahren Isaak, den jungen Mann von fünfundzwanzig Jahren, binden und auf den Altar legen können? Wir sehen in Isaak das Bild des Herrn Jesus: "gleich dem Lamme, welches zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf" (Jes 53). Im Garten Gethsemane sagt Er: "Nicht mein Wille, sondern der deine geschehe!" Er hält seinen Häschern die Hände hin und läßt sich binden. Da sehen wir unseren wunderbaren Heiland, den Herrn Jesus, wie Er hier auf diese Erde kam, wie Er in Hebräer 10 sagt: "Siehe, ich komme.... um deinen Willen, o Gott, zu tun." So ging Er Seinen Weg; Er wußte, was auf Ihn zukam; alles nahm Er auf sich, was Gott für notwendig erachtete, auf Ihn zu legen; willig ließ Er sich binden.
Ist das, was wir hier sehen, daß Abraham Isaak band und auf den Altar legte, nicht das, was wir in Psalm 22 finden? Da ruft der Herr Jesus zu Gott: " . . . in den Staub des Todes legst du mich" (Vers 15). Erst ruft Er: "Warum hast du mich verlassen, bist fern von meiner Rettung, den Worten meines Gestöhns?" und danach: " . . . in den Staub des Todes legst du mich." In Sacharja 13, 7 heißt es: "Schwert, erwache wider meinen Hirten und wider den Mann, der mein Genosse ist! ... schlage den Hirten . . . " Welch eine wunderbare Person ist der Herr Jesus! Können wir, was den Wert Seines Werkes betrifft, je genug auf Ihn sehen? In den Psalmen und in Hohelied 8 wird uns die Größe Seiner Liebe vorgestellt, einer Liebe, die Ihn trieb, den hohen Preis auch für unsere Errettung zu bezahlen. Doch es war der Vater, der ihn gab, und darum geht es in 1. Mose 22.
"Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab." Also Gott, als Vater, gab Ihn, "auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe." Versetzen wir uns einen Augenblick in die Lage Abrahams. Gott hatte in Kap. 11 und 12 zu ihm gesagt, daß Er sein Vaterland, seine Familie und seinen Vater verlassen solle, um in ein Land zu ziehen, das Gott ihm geben würde. Doch bevor Abraham das tut, muß sein Vater sterben, denn er ist ihm ein Hindernis; er stirbt in Haran. So kommt Abraham in das Land. Aber als er dort ankommt, ist es total besetzt von Kanaanitern. Er kann nur als Fremdling darin weilen. Aber er empfängt die Verheißung, daß er einen Samen bekommen und durch seinen Sohn ein Segen sein wird für alle Geschlechter. Zuerst für sein eigenes Volk, aber danach auch für alle Völker.
Dann dauert es volle 25 Jahre, bis er diesen Sohn bekommt. Er und seine Frau waren nun so alt geworden, daß sie, menschlich gesprochen, keine Kinder mehr bekommen konnten. Erst als er hundert Jahre alt war und seine Frau neunzig Jahre, und nachdem er durch große Prüfungen gegangen war, erhält er diesen Sohn. Welch eine Befriedigung für ihn, den Sohn zu bekommen, den Erben, seinen eingeborenen Sohn! Nein, Ismael war nicht der von Gott verheißene Sohn, Ismael war der Sohn nach dem Fleische. Isaak war der Sohn, den Gott gab, sein eingeborener Sohn. In ihm wird er eine große Familie werden. Aus ihm soll ein ganzes Volk entstehen, und das soll das gesegnete Volk des Herrn sein. So soll er ein Segen sein für alle Völker.
Und nun sagt Gott zu ihm: "Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und ziehe hin in das Land Morija, und opfere ihn daselbst als Brandopfer auf einem der Berge, den ich dir sagen werde." Alle Erwartungen, die Abraham für die Zukunft hatte, all die Segnungen, die Gott ihm verheißen hatte, konnten nur in Isaak erfüllt werden, denn Abraham hatte keine anderen Kinder von Sara. Ohne Isaak gab es keine Zukunft mehr für diesen hundertjährigen Mann. Und er hatte ihn lieb. Es war der Sohn, auf den er 25 Jahre sehnlich gewartet hatte. Schon früher hatte er danach ausgeschaut, jedoch 25 Jahre nach Gottes Verheißung hatte er den Sohn bekommen. Und daß es ein guter Sohn war, können wir, wenn wir sein späteres Leben sehen, begreifen. Eine Freude für das Herz seines Vaters und seiner Mutter.
Und Gott betont das: "Deinen einzigen, den du liebhast!" Und diesen einzigen Sohn, den Gegenstand all seiner Liebe, mußte er als Brandopfer opfern, auf einem der Berge, den Gott ihm zeigen würde. Welch eine Prüfung muß das für Abraham gewesen sein! Aber wir hören nicht, daß er auch nur mit einem Wort widerspricht; es gab bei ihm kein Wanken. Sollten ihm doch Zweifel und Bedenken gekommen sein, dann hielten sie nicht lange an. Wir lesen nur: "Und Abraham stand des Morgens früh auf." Er wartete nicht, er stand früh auf, direkt als Gott es ihm sagte, er war bereit, diesen Sohn zu opfern.     
Welch ein Vorbild ist Abraham als Gläubiger für uns! Auf das Wort Gottes hin ist er bereit, alles preiszugeben. Es ist die Verwirklichung des Wortes des Herrn Jesus: "Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig." Abraham gab den Sohn, von dem Gott, der die Tiefen seines Herzens kannte, sagte: " Den du lieb hast." Er gab ihn, als Gott es von ihm verlangte. Ist das nicht ein Vorbild für uns?
Hat Gott Abraham diese schwere Prüfung nicht auferlegt, damit er mit dem Herzen Gottes Gemeinschaft bekäme? Abraham soll etwas fühlen von dem, was in dem Herzen Gottes vorging. Wir sehen das heute, aber auch Abraham wird wohl schon etwas davon verstanden haben, etwas von den Gefühlen, die in dem Herzen Gottes waren. "Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe."
Was muß in dem Herzen des Vaters vorgegangen sein! Sein eingeborener Sohn, der die ganze Ewigkeit hindurch in Seinem Schoße war, wie Johannes 1, 18 uns sagt, der allezeit an Seinem Herzen gewesen war, an dem Er Sein ganzes Wohlgefallen gefunden hatte! Das kommt in Sprüche 8, bei der Taufe des Herrn und auf dem Berg der Verklärung klar zum Ausdruck. Was war es für den Vater, Ihn auf diese Erde zu senden, Ihn in die Hände gottloser Menschen zu geben, Ihn selbst zum Kreuz zu bringen, selbst unsere Sünden auf Ihn zu legen, Ihn selbst zu schlagen: "in den Staub des Todes legst du mich" (Ps 22,15). Welch eine Liebe in dem Herzen Gottes des Vaters, Menschen, die Ihn selbst verwarfen und Seinen geliebten Sohn kreuzigten, dann auch noch zu der höchsten Stellung, die es geben kann, zu erheben, nämlich dem Bilde Seines Sohnes gleichförmig zu sein (Römer 8,24)!
Da sehen wir Gott. Und wir sehen im Bilde von Vers 3, daß Er alles selbst tat: "Abraham stand des Morgens früh auf." So hat auch Gott Seinen Sohn an dem dafür bestimmten Tag gesandt. "Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn." Abraham selbst sattelte den Esel, er nahm zwei von seinen Knechten mit sich, er spaltete das Holz zum Brandopfer und machte sich auf und ging. Abraham war ein reicher Mann. Einige Kapitel vorher lesen wir, daß er 318 gerüstete Knechte hatte. Wie groß also muß sein Besitz gewesen sein! Aber er ließ den Esel nicht satteln und ließ das Holz nicht von seinen Knechten spalten, er tat alles selbst. So hat auch Gott alles selbst getan, alles selbst bereitet. Er spaltete das Holz zum Brandopfer, das, worauf das Brandopfer verbrannt werden mußte, das, was über den Herrn Jesus kommen mußte, als Er das Werk vollbrachte.
Holz spricht von der menschlichen Natur. Wir sehen das in mehreren Bildern in Gottes Wort. Denken wir nur an die Stiftshütte, wo die meisten Gegenstände aus Holz gefertigt waren. Die Bretter, aus denen die Stiftshütte zusammengesetzt war, waren aus Holz, jedoch überkleidet mit Gold (nicht mit reinem Gold). Es ist ein Bild von dem Hause Gottes, der Versammlung, also ein Bild von Menschen, von uns Gläubigen, die wir in uns selbst Menschen sind, aber bekleidet mit dem Gold der Gerechtigkeit und Herrlichkeit Gottes. Der Tisch für die Schaubrote, der goldene Leuchter, der goldene Altar, alles war gefertigt aus demselben Holz, aber überzogen mit reinem Gold. Da sehen wir den Herrn Jesus, der sagt: "Einen Leib hast du mir bereitet." Er hat Fleisch und Blut angenommen, ist wahrhaftig Mensch geworden ﷓ Holz. Und Gott ist mit diesem Holz beschäftigt gewesen.
Gott hatte Adam rein geschaffen, ohne etwas Verkehrtes, etwas Falsches (Pred 7, 29). Aber wir kennen die Geschichte des Menschen vom Sündenfall an. Viertausend Jahre ist Gott beschäftigt gewesen, das Holz zu spalten. Er hatte Adam, als er die Sünde noch nicht kannte, Gelegenheit gegeben, zu zeigen, daß er gehorsam sein wollte und Gott liebte. Gott hatte natürlich ein Recht auf den Gehorsam des Menschen.
Aber Adam liebte seine Frau mehr als Gott, er folgte ihr. Er hatte Eva von Gott als Hilfe bekommen, aber sie verließ den ihr zugewiesenen Platz und handelte in völligem Widerspruch zum Wort Gottes. Sie glaubte der Schlange und verunehrte damit Gott. Gott hatte Noah Seine Gerechtigkeit sehen und predigen lassen. Er war der Prediger der Gerechtigkeit und hat das Gericht, das kommen sollte, angekündigt, aber die Menschen haben ihm nicht geglaubt.
So können wir es durch die Geschichte hin verfolgen. Viertausend Jahre hat Gott dem Menschen Gelegenheit gegeben, zu zeigen, daß etwas Gutes in ihm war, zu zeigen, daß er gerecht war und als Geschöpf seinem Schöpfer dienen und ihm die Ehre, die Ihm als Schöpfer zukam, auch geben wollte. Der Schöpfer hat doch alles für sich selbst geschaffen (Kol 11 16)! Aber was war das Ergebnis? Er hatte ein Volk aus allen Völkern genommen, ihm alle Segnungen verheißen und, nachdem Er es aus der Sklaverei Ägyptens erlöst hatte, ihm ein eigenes Land gegeben. Er hat das Volk von einigen Millionen Menschen durch eine Wüste geleitet, in der nichts wuchs. Ihre Schuhe veralteten nicht und ihre Kleider sind in vierzig Jahren nicht verschlissen. Hat man je so etwas gehört'? Er hat sie sicher durch den Jordan gebracht und ihnen das Land zum Besitz gegeben. Dann kam Er selbst in ihre Mitte und wohnte unter ihnen. Er gab ihnen Sein Wort ﷓ denn das Alte Testament wurde Israel gegeben, sonst niemandem. Er selbst gab ihnen einen König nach Seinem Herzen, David, den Geliebten, der sie von ihren Feinden befreite. Was aber war ihre Antwort?
Wir finden sie in den Evangelien. Dort kommt Er selbst, wie in Matthäus 21, 37 geschrieben steht: "Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen, indem er sagte: Sie werden sich vor meinem Sohne scheuen!" Sie aber ergriffen den Sohn und töteten Ihn. Als Er Lazarus aus den Toten auferweckt hatte, da wußten sie, daß Er Gott war, denn wer kann Tote auferwecken als nur Gott? Ja sie wollten sogar Lazarus töten, um das Zeichen der göttlichen Macht des Herrn Jesus von der Erde wegzunehmen.
Sie wußten, wer Er in Seiner Gnade war, aber sie riefen: "Kreuzige, kreuzige ihn! Wir wollen nicht, daß dieser König über uns sei!" Warum verwarfen sie den Herrn Jesus? Weil Er vollkommen war! Er mußte klagen: "Für meine Liebe feindeten sie mich an, ich aber bin stets im Gebet." Sie hatten erst die Knechte Gottes verworfen, jetzt verwarfen sie Gott selbst. Sie behaupteten, Gott zu dienen, und meinten, daß Gott mit ihnen zufrieden sein müsse. Aber sie verwarfen Gott selbst: "Hinweg mit diesem!" Damit sagten sie gleichsam: "Geh zurück in den Himmel, wir wollen dich nicht." Diese Wege Gottes mit den Menschen und besonders mit Israel werden in dem Spalten des Holzes vorgebildet. Durch das Spalten wird das Innere sichtbar. Ein großes Stück Holz kann von außen prächtig aussehen, aber wie ist es innen? Das Spalten des Holzes ist geschehen, damit sichtbar würde, was in dem Herzen des Menschen war.
Das Resultat hat der allwissende Gott bereits in 1. Mose ausgesprochen: Alles Gebilde der Gedanken des menschlichen Herzens ist nur böse den ganzen Tag. Und in Psalm 14, 3 wiederholt Gott es: "Da ist keiner der Gutes tue, auch nicht einer", wie es auch in Römer 3 steht: "Da ist keiner, der Gott suche. Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner der Gutes tue, da ist auch nicht einer", aber da war es durch das Kreuz von Golgatha bereits bewiesen. Das Resultat des Holzspaltens ist: Allesamt abgewichen, allesamt untauglich, alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes. Gott hat dem Menschen viertausend Jahre Zeit gelassen, zu zeigen, daß etwas Gutes in ihm sei. Aber es hat sich erwiesen, daß nichts Gutes in ihm war, daß er völlig böse ist.
Nachdem Abraham das Holz gespalten hatte, nahm er zwei von seinen Knechten mit sich und Isaak, seinen Sohn, und machte sich auf und ging an den Ort, den Gott ihm gesagt hatte. Da sehen wir beide gehen, den Vater und den Sohn. Ist das nicht das, was der Herr Jesus in Johannes 16, 32 sagt: "Und ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir." Am dritten Tag, da erhob Abraham seine Augen und sah den Ort von ferne.
Manche denken, wenn Abraham sich mehr Zeit genommen hätte, dann wäre er bestimmt umgekehrt. Es gibt Menschen, die in einer Gefühlsregung sehr viel tun wollen, wenn sie aber einige Tage darüber nachdenken, tun sie es gewöhnlich doch nicht. Das kann auch bei Gläubigen vorkommen. In einem Moment denken sie: "ich will diesen Betrag für das Werk des Herrn geben." Wenn sie es aber nicht gleich tun, dann denken sie oft ein paar Tage später: "ist es wohl vernünftig, so viel zu geben?" Kommt das nicht oft vor? Müssen wir uns nicht oft selbst anklagen? Und geht das nicht mit vielen Dingen so, die wir uns im Herzen vornehmen? Welcher junge Gläubige hat sich nicht im Herzen vorgenommen, sein ganzes Leben dem Herrn zu übergeben und Ihm allein zu dienen! Aber wieviel ist in der Praxis davon verwirklicht worden? Oft sehr wenig.
Hier sehen wir, wie Abraham früh aufsteht, um den Willen Gottes zu tun. Nachdem er dann aber drei Tage auf dem Wege war, hätte er noch Zeit gehabt, umzukehren. Er hatte von dem, was Gott ihm gesagt hatte, noch nicht zu Isaak gesprochen und gewiß auch zu seinen Knechten nicht. Niemand wußte etwas von der Sache als nur er und Gott, aber er kehrte nicht um, sondern er ging weiter, so wie der Herr Seinen Weg ging und auch Gott. Der Vater sah auf den Sohn, der in Bethlehem geboren wurde, hernieder, Er sah, daß in der Herberge kein Raum war, um Ihn zu empfangen. Was muß in dem Herzen des Vaters vorgegangen sein! Der Sohn, der in Ewigkeit im Schoße des Vaters war, der Mittelpunkt Seiner ganzen Liebe im Himmel und im Vaterhaus, Er, der in Ewigkeit der Gegenstand der Liebe und des Wohlgefallens des Vaters war, Er, der alles geschaffen hatte, auf dessen Wort Millionen und Abermillionen von Engeln warteten, um Sein Wohlgefallen zu tun, Er kam auf diese Erde, die Er geschaffen hatte, und es war kein Raum für Ihn in der Herberge. Ein Trog für Tiere im Freien war der einzige Platz, den sie für Ihn übrig hatten.
Kaum war er geboren, da wollte der König der Juden Ihn töten, und er ermordete alle kleinen Kinder, in der Hoffnung, daß Er dabei sei. Darum mußte Er nach Ägypten ﷓ in der Schrift ein Bild der gottfeindlichen Welt ﷓ fliehen, nach der Welt, die Gott nicht nötig zu haben glaubt.
Als Er zurückkehrte, mußte Er in Nazareth wohnen, einer Stadt, die so verachtet und gering war, daß Nathanael in Johannes 1 sagt: "Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?" Daß dieses Urteil zutraf, zeigte sich, als der Herr Jesus, nachdem Er neunundzwanzig Jahre dort gewohnt hatte und sie Seine Vollkommenheit gesehen haben mußten, dann das erste Mal in ihrer Mitte predigte; da wollten sie Ihn ermorden, indem sie versuchten, Ihn den Berg hinabzustürzen. Sie, die mindestens siebenundzwanzig Jahre Tag für Tag Sein Leben gesehen hatten, hätten sie nicht sehen müssen, wie vollkommen Er war? Aber diese Vollkommenheit ist gerade der Grund, weswegen sie Ihn haßten.
Hat der Vater nicht gesehen, daß sie Ihn den Berg hinabstoßen wollten? Hat der Vater nicht gehört, als sie in Johannes 8,41 zu Ihm sagten: "Wir sind nicht durch Hurerei geboren"? War das nicht eine Anspielung auf die wunderbare Geburt des Herrn Jesus? Hat der Vater nicht gesehen, wie sie des öfteren Steine aufhoben, um Ihn zu steinigen? Aber der Vater wich nicht zurück. Der Vater ging weiter mit dem Sohn. Er ging mit dem Sohn bis auf den Berg Morija. Und nach drei Tagen, - einem vollkommenen Zeugnis amen sie dort an. Hat der Vater die Stimme Isaaks nicht gehört, als er sagte: "Siehe, das Feuer und das Holz; wo aber ist das Schaf zum Brandopfer?" Den Weg zum Kreuz sehen wir in Vers 6: Das Holz für das Brandopfer legte Abraham auf seinen Sohn, und sie gingen beide miteinander, aber in der Hand des Vaters war das Feuer und das Messer.
Feuer ist in der Schrift ein Bild von Gottes untersuchender und prüfender Heiligkeit. Das Opfer auf dem Altar mußte dadurch verzehrt werden. Das Feuer war während der ganzen Reise in der Hand Abrahams, des Vaters, der Isaak begleitete. Und Isaak selbst mußte das Holz tragen, was auf die Last der menschlichen Natur, die Bosheit, die von außen auf Ihn eindrang, hindeutet.
Dreiunddreißig Jahre! Was für ein Leiden muß es für den Herrn Jesus gewesen sein, umringt von der Sünde, umringt von den Menschen, die das Gute haßten, die Gott haßten und Ihn, den Schöpfer, haßten! Was muß es für den Herrn Jesus gewesen sein, in dieser Atmosphäre zu leben und das alles zu erfahren! Was muß es für den Vater gewesen sein, mit anzusehen, wie der Sohn dreiunddreißig Jahre hier hindurchzugehen hatte!
Der Vater, der bei Ihm war, der alles sah und alles mitempfand, wich nicht zurück. Hatte der Vater nicht gehört, wie der Sohn in Gethsemane rief: "Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber, aber nicht mein Wille, sondern der deine geschehe"?
Nein, es war nicht möglich. 0 ja, der Vater hätte sagen können: "Ich will es Dir ersparen." Er hätte sagen können: "Komm zurück." Aber wir wissen, was das bedeutet hätte. Dann hätte es für uns keine Rettung gegeben. Dann wäre die Hölle der einzige Ort gewesen, wo wir alle hinkommen würden. Dann hätte Gott uns nicht eine einzige Segnung schenken können; denn Gott ist zu heilig, um Sünde sehen zu können, zu gerecht, um einen Sünder freizusprechen, es sei denn, daß die Schuld bezahlt worden ist, es sei denn, daß ein Stellvertreter da ist. Es war jedoch nur einer, der Stellvertreter sein konnte, und das war der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gab zum Lösegeld für alle (l. Tim 2, 6). Alle k ö n n en daran teilhaben. In Matthäus 20, 28 steht jedoch "für viele", denn nur die, welche ihre Sünden und ihre Schuld bekannt haben, bekommen Teil daran. Das Opfer des Herrn Jesus war die einzige Möglichkeit zur Rettung. Und so wurde Sein Gebet zu diesem Zeitpunkt nicht erhört.
Nein, der Kelch konnte nicht vorübergehen. Der Herr Jesus sagte: "Nicht mein Wille, sondern der deine geschehe!" Und so ging Er ans Kreuz, und am Kreuz hing der Herr Jesus völlig allein.
Ja, das Kreuz hatten die Menschen zurechtgemacht, aber wir lösen hier: "Abraham baute daselbst den Altar." Gott selbst war es, der das Kreuz zu einem Altar machte. Er, der es im Alten Testament schon gesagt hatte, Er baute den Altar, auf dem der Herr Jesus geopfert wurde. Er schichtete das Holz darauf. Er hat den Herrn Jesus zur Sünde gemacht! Wir lesen in 2. Korinther 5, 21: "Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm." Er hat unsere Sünden auf Ihn gelegt, wie wir in 1. Petrus 2, 24 finden: "Welcher selbst unsere Sünden an seinem Leibe auf dem Holze getragen hat." Gott selbst hat sie auf Ihn gelegt. Wie können wir doch hieraus lernen, welche Liebe in dem dreieinigen Gott, welche Liebe in dem Vater war. "Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab."

Der Vater gab Seinen eingeborenen Sohn, obwohl Er wußte, was geschehen würde. Der Vater ist nicht zurückgewichen. Er hat alles selbst getan. Es ist wahr, die Römer machten das Kreuz. Und ist es nicht auch wahr, was der Dichter Revius sagte: "Nicht die Juden sind es, Herr Jesus, die Dich kreuzigten . . . Ich bin's, o Herr, der Dir dies getan hat"? Aber die andere Seite ist, daß der Vater selbst das Kreuz errichtete, der Vater selbst das Holz schichtete, der Vater selbst Ihn schlug: "Schwert, erwache wider meinen Hirten, wider den Mann, der mein Genosse ist! ... schlage den Hirten!" (Sach 13, 7). Nein, Isaak brauchte nicht zu sterben! Isaak konnte, obwohl er ein geliebter Sohn, ein prächtiger Sohn war, kein Stellvertreter sein. Er war in sich selbst ein sündiger Mensch, und Gott konnte keinen sündigen Menschen als Opfer annehmen; er konnte für Ihn kein lieblicher Geruch (wörtlich: ein Geruch, der Ruhe gibt) sein. Das war nicht möglich. Gott würde sich selbst ein Lamm zum Opfer ersehen. Und hier finden wir das Brandopfer: "Und Abraham erhob seine Augen und sah, und siehe, da war ein Widder dahinten im Dickicht festgehalten durch seine Hörner" (V. 13). Ein Widder, ein männliches Schaf mit Hörnern, die in der Schrift immer ein Bild der Kraft sind, oft auch von königlicher Würde und Herrschaft. Und hier zwei Hörner, ein vollkommenes Zeugnis von der Macht, die Er hatte.

Dieser Widder hatte sich im Dickicht mit seinen Hörnern verfangen. Dickicht ist auch Holz, aber es ist von verkrüppelten Bäumen. Es ist Holz von Bäumen, die entweder nicht größer werden oder noch nicht die Zeit gehabt haben, zu wachsen. Dasselbe Holz wie von Bäumen, aber verkrüppelt und nicht ausgewachsen. Es spricht auch von der menschlichen Natur, die aber nicht wirklich zur Entwicklung gekommen ist. Es spricht von dem, was Menschen in sich selbst sind: Dickicht, Gestrüpp. Ist das nicht ein Bild der Welt, der Menschen in den Augen ihres Schöpfers? Des Schöpfers, der sie für Sich selbst geschaffen hatte? Der in 5. Mose 6 um die Liebe ihrer Herzen bittet, nämlich, daß sie Ihn lieben sollten mit ihrem ganzen Herzen, mit ihrem ganzen Verstand und mit allen ihren Fähigkeiten. Das wurde jedoch nicht gefunden. Der Schöpfer sah seine Geschöpfe durch den Sündenfall zugrunde gehen. Wer kann mit Adam in seinem reinen Zustand verglichen werden? Er hatte eine solche Einsicht, sogar in das Wesen der Tiere, so daß er ihnen, ohne lange zu überlegen, einen Namen geben konnte, der den Charakter des Tieres ausdrückte. Das kann heute niemand. Er konnte das bei allen Tieren. Welche Fähigkeiten hatte der Mensch, so, wie ihn der Schöpfer geschaffen hatte! Aber nun sind die Menschen Dickicht, verkrüppeltes Holz, und darin saß Er fest mit Seinen Hörnern, mit Seiner Macht.

In Johannes 4 lesen wir, daß der Herr Jesus, als Er erkannte, daß den Pharisäern bekannt geworden war, daß Er mehr Jünger machte als Johannes der Täufer, aus Judäa wegging. Das war ein Beweis, daß die Juden Ihn verworfen hatten, und damit beginnt Sein Dienst in Galiläa, der in den anderen drei Evangelien beschrieben wird. Und dann lesen wir: "Er mußte aber durch Samaria ziehen." Gibt es ein Muß für Ihn, Gott den Sohn, den Schöpfer Himmels und der Erde? In dem Evangelium nach Johannes sehen wir Ihn als Gott den Sohn. Kap. 1, 1 sagt: "im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott." Und Vers 3: "Alles ward durch dasselbe, und ohne dasselbe ward auch nicht eines, das geworden ist." "Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns" (V. 14). Da sehen wir, daß Er der ewige Gott ist. Gab es für Ihn ein Muß? War es ein Muß für Ihn, daß Er ans Kreuz ging? Als die Juden und auch die Priester riefen: "Der Christus ... steige jetzt herab vom Kreuz, auf daß wir sehen und glauben." War es ein Muß, daß Er am Kreuz blieb? War Er etwa kraftlos, daß Er nicht vom Kreuz herabsteigen konnte? Ja, Seine Hände waren mit Nägeln ans Kreuz geschlagen, Seine Füße waren von Nägeln durchbohrt, festgeheftet ans Kreuz. Aber mußte Er nicht im selben Augenblick dem Eisen die Kraft geben, Ihn am Kreuz festzuhalten? E i n Wort, und Eisen und Holz wären zu Staub vergangen! Ein Wort, und das ganze Weltall wäre in nichts vergangen, so wie Er es einmal ins Dasein rief. "Er sprach, und es war' (Ps 33, 9). Hebräer 11, 3 sagt uns, daß die Welten durch Sein Wort entstanden sind. Und doch konnte Er nicht vom Kreuz herabsteigen, und doch mußte Er durch Samaria ziehen.

Da war eine Frau, eine sittenlose Frau, die fünf Männer gehabt hatte und nun mit einem anderen, mit dem sie nicht verheiratet war, zusammenlebte; eine Frau, bei der Leidenschaften das Leben beherrscht hatten. Aber diese Frau hatte eine Seele zu verlieren. Sie war eine, für die der Herr Jesus auf die Erde gekommen war, um sie zu retten. Er konnte zu ihr gehen, Er konnte zu ihrem Herzen reden, und Er wußte, daß sie dadurch errettet werden würde. Darum konnte Er nicht an ihr vorübergehen. Als der Herr Jesus ans Kreuz ging, sah Er mich und Er wußte, was ich sein würde, ein Mensch, in dem nichts Gutes war, bei dem alles Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse war den ganzen Tag. Er wußte, wenn Er mich nicht retten würde, daß Er mich dann vor dem großen weißen Thron nach meinen Werken richten müßte. Jede meiner Taten, die ich in meinem Leben getan hätte, jeder Gedanke, den ich gehabt hätte, jedes Wort, das ich gesprochen hätte, würden schon genügt haben, mich für ewig in die Hölle werfen zu müssen. Es hätte kein Entrinnen gegeben. Der gerechte Richter hätte mich in die Hölle werfen müssen. Er wußte es, und weil Er mich liebte und vom ewigen Verderben retten wollte, konnte Er nicht vom Kreuz herabsteigen. Er ist "der Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat". Er mußte durch Samaria ziehen, weil dort eine Frau war, die sonst für ewig verloren gewesen wäre, die aber jetzt durch den Glauben an Ihn gerettet werden konnte. Und Er hat sie gerettet.

Das ist es, was wir hier finden: Er war der Widder, der mit seinen Hörnern, mit seiner göttlichen Kraft, im Dickicht festgehalten war. In der Schrift wird das Männliche immer als Bild der Energie, mit der eine Stellung verwirklicht wird, gebraucht. Er war das Lamm, das alles in männlicher Energie verwirklichte. Er vollbrachte alles, was mit dem Werke verbunden war. So ging Er ans Kreuz und tat das Werk. Er zögerte nicht einen Augenblick. Er machte Sein Angesicht wie einen Kieselstein, sagt uns die Schrift (Jes 50, 7). Er ging den Weg, Er wurde von seinen Hörnern im Dickicht festgehalten, weil dies der einzige Weg war, um das Verlorene zu retten. "Und Abraham ging hin und nahm den Widder und opferte ihn als Brandopfer an seines Sohnes Statt" (V. 13). So wollte der Herr Jesus diesen Weg gehen. Seine Liebe band Ihn, den Weg zu gehen, auf dem Gott verherrlicht werden würde und wir errettet werden sollten. Aber der Vater hat den Altar gebaut, und der Vater opferte Ihn als Brandopfer an Stelle von Isaak, der kein Retter sein konnte. Welch ein Vater ist unser Vater!

Ich wiederhole: diese Wahrheit, die ich gerade zuletzt betonte, gibt dem Herzen Frieden. Solange wir diese Wahrheit nicht kennen und angenommen haben, haben wir keinen Frieden für unser Gewissen. Wenn jemand sieht, daß er ein Sünder ist und sein Weg zur Hölle führt, dann ist das Bekehrung. Dann sagt Gott: Glaube dem Evangelium, das bedeutet, daß der Herr Jesus sich selbst als Lösegeld gegeben hat für alle, die Sein Werk im Glauben für sich annehmen. Dieser Glaube gibt die Sicherheit, daß die Sünden vergeben sind. Doch Frieden mit Gott hat man erst, wenn man sieht, daß Gott selbst den Herrn Jesus hingegeben hat.
Wenn man sieht, daß der Vater den Sünder so liebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gab, Ihn selbst auf dem Weg zum Kreuz leitete, dort selbst den Altar baute und Ihn, den Geliebten, schlug, weil der Vater uns retten wollte!

Es ist nicht nur die Liebe des Herrn Jesus, es ist auch die Liebe des Vaters. Wenn in Johannes 3, 16 steht: "Also hat Gott die Welt geliebt", dann ist das der dreieinige Gott, jedoch Gott der Vater, der Seinen eingeborenen Sohn gab, wird dort genannt. In anderen Schriftstellen heißt es: "Der Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat" (Gal 2, 20), und "gleichwie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat" (Eph 5, 2), und "gleichwie auch der Christus die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat" (Eph 5, 25). In diesen Stellen finden wir die Liebe des Sohnes. Wir finden auch die Liebe des Heiligen Geistes, wie Hebräer 9, 14 uns zeigt, daß sich der Herr Jesus durch den ewigen Geist Gott geopfert hat. Das ist es, worauf der Vater und der Herr Jesus unser Auge richten: auf den Vater und den eingeborenen Sohn, der in des Vaters Schoß ist und den Vater kundgemacht hat.
Solange wir Gott nur als den schrecklichen Richter sehen, der uns richten will und muß, es jedoch nicht kann, weil das Blut des Herrn Jesus uns vor Seinem furchtbaren Gericht beschirmt, haben wir keinen wahrhaften Frieden mit Gott. Und solange wir den nicht haben, sind wir nicht frei, uns mit all den wunderbaren Dingen zu beschäftigen, die der Vater für uns bereitet hat. Solange können wir sie auch nicht verstehen. Das können wir nur, wenn wir das Herz des Vaters etwas besser kennengelernt und gesehen haben, daß es der Vater selbst war, der den Sohn gab, um alles, was in Seinem Herzen war, uns geben zu können, nämlich das, was Er in Seinem ewigen Ratschluß festgelegt hat: daß wir dem Bilde Seines Sohnes gleichförmig werden, auf daß Er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.
Wir haben einen wunderbaren Heiland. Niemand ist Ihm zu vergleichen! Wir haben einen wunderbaren Vater. Ist jemand oder etwas mit Ihm zu vergleichen? Da sehen wir die Quelle aller unserer Segnungen: den Vater, der uns für alle diese Herrlichkeiten zuvorbestimmte! Sicher, Er tat es nicht ohne den Sohn und ohne den Heiligen Geist, aber Er stand im Vordergrund. Er war es, der uns in Christo vor Grundlegung der Welt auserwählte, auf daß wir heilig und untadelig seien vor Ihm in Liebe (Eph 1, 4), der uns zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesum Christum für sich selbst (Eph 1, 5), gleichförmig dem Bilde Seines Sohnes (Röm 8, 29).

Um uns dies zu geben, hat Er sogar Seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern Ihn für uns alle hingegeben! Ja, der Sohn war vollkommen eines Willens mit dem Vater. So gingen sie beide miteinander. Der Herr war bereit, alles zu tun, was der Vater zu tun für nötig hielt, um uns an diesen Platz bringen zu können.
So gingen beide miteinander. Der Vater, der den Sohn gab, und der Sohn, der sich selbst gab. Der Vater, der uns liebt, der Liebe, aber auch Licht ist. Er konnte uns Seine Liebe nur auf diesem Weg zeigen, nur auf diese Weise uns alle Segnungen schenken. Auch der Sohn selbst ist Liebe und wollte sich selbst geben, um dieses zu erreichen. In Johannes 13, 3 heißt es: "wissend, daß der Vater ihm alles in die Hände gegeben". Er hatte den Auftrag bekommen, alles zu tun, was nötig war, um den Ratschluß des Vaters auszuführen. Und das bedeutete: Erst dreiunddreißig Jahre auf der Erde zu leben; dann ans Kreuz zu gehen, um dort zu sterben, um das Fundament für alle Segnungen zu legen; danach uns zur Bekehrung zu bringen, so daß wir dem Evangelium glauben würden; uns durch diese Welt zur Herrlichkeit zu leiten und uns dann sogar in das Vaterhaus einzuführen. Das alles war in dem  "wissend, daß der Vater ihm alles in die Hände gegeben hatte" eingeschlossen.

Das ist unsere Sicherheit. Der Herr Jesus, der das Werk auf dem Kreuz vollbracht hat, der den Vater vollkommen geoffenbart hat, Er hat uns diese Herrlichkeit gegeben, die der Vater Ihm aufgrund des Werkes von Golgatha gab; nicht weil Er unsere Sünden getragen hat, sondern weil Er als das wahre Brandopfer den Vater verherrlicht hat. Er selbst führt uns nun auch durch die Wüste. Vielleicht gehen wir, wenn Er noch nicht so bald kommt, auch noch in das Paradies Gottes ein. Doch letztendlich kommt Er, um uns zu holen und uns ins Vaterhaus zu bringen. Dann wird Er zu dem Vater sagen: "Siehe, ich und die Kinder, die du mir gegeben hast." Nein, nicht Seine Kinder, sondern die Kinder des Vaters, die der Vater Ihm anvertraut hat, damit Er alles täte, was nötig war, um sie zu Ihm ins Vaterhaus zu bringen. Dort werden sie in alle Ewigkeit sein, gleichförmig dem Bilde des Sohnes des Vaters, dem Herrn Jesus, dem eingeborenen Sohn. Dann wird Er in Ewigkeit der Erstgeborene unter vielen Brüdern sein.

Verlag:     CSV
Einband:     Hardcover
Seitenzahl:     340
Format:     21x14cmm
Zustand:     neu
Gewicht:     480 g

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