Der Alpha-Kurs

Der Alpha-Kurs ein neuer Weg zum Menschen von heute  oder:  Was hat dieser Kurs mit dem „Toronto-Segen“ zu tun?                 Patrick Tschui
1. Auflage Januar 1999
4. erweiterte und überarbeitete Auflage November 2000
Inhaltsverzeichnis
      Einleitung    hintere Umschlagseite
  1. Was ist der Alpha-Kurs?    1
  2. Was macht ihn so attraktiv?    3
  3. An wen richtet sich der Alpha-Kurs?     5
  4. Der Einfluss von „Toronto“ auf den Alpha-Kurs    6
  5. Beziehung zur röm.-kath. Kirche    8
  6. Der Alpha-Kurs ist charismatisch    11
  7. Das Evangelium Gottes oder das „Evangelium nach Alpha“?    15
  8. Zeugnisse von „Alpha-Bekehrungen“    22
  9. Eine weitere Taktik des Teufels: Verführung    24
10. Nachwort    25
Anhang: Kann man den Kurs nicht trotz seiner Mängel gebrauchen?    26
Literaturverzeichnis    28

Bemerkung: Wo im Text „Alpha-Kurs“ in Anführungszeichen steht, ist das „Teilnehmerheft zum Alpha-Kurs“ gemeint, sonst der Kurs als ganzes Konzept.
Die Bibelstellen werden nach der im R.Brockhaus Verlag Wuppertal erschienenen „Elberfelder Übersetzung“ in nicht revidierter Fassung angeführt.

1. Was ist der Alpha-Kurs?
In den letzten Jahren ist der Alpha-Kurs weit herum als erfolgreiche Evangelisa-tionsmethode bekannt geworden. Er wird bereits in über 100 Ländern in den  verschiedensten Gemeinden und Kirchen, auch in röm.-katholischen Kirchge-meinden, aber auch in Gefängnissen und Universitäten durchgeführt. Man kann also durchaus von einer neuen, länder- und konfessionsübergreifenden Bewegung (oder Welle) sprechen.

Entstanden ist der Alpha-Kurs vor etwas mehr als 20 Jahren in der anglikanischen „Holy Trinity Brompton Church“ in London (Diese Kirche wird im folgenden abgekürzt als HTB). Nicky Gumbel, heute Pastor an jener Kirche, entwickelte die ursprünglichen Unterlagen der Einführungkurse in den christlichen Glauben weiter bis zur heutigen Form.

In der Schweiz wurde der Kurs erstmals 1996 von der Gemeinde Basileia Bern und der ref. Kirchgemeinde Winterthur-Seen aufgegriffen. Inzwischen wird er in über 150 (Kirch-) Gemeinden/Gruppen, darunter in 17 Freien Evangelischen Gemeinden und 9 römisch-katholischen Gruppen angeboten. Die Kurse tragen in der Schweiz seit Sommer 2000 den Namen Alphalive, nachdem es zu einem Rechtskonflikt mit einem Anbieter von esoterischen Seminaren gekommen war, der den Namen „Alpha“ schon vor einigen Jahren für seine Kurse schützen liess. Vom Aufbau und Inhalt her sind die Alphalive-Kurse mit den Alpha-Kursen identisch.

Der „Alpha-Kurs“ besteht aus 15 Lektionen, die in einem Zeitraum von etwa 10 Wochen behandelt werden. Ein Kursabend beginnt normalerweise mit einem gemeinsamen Nachtessen. Darauf folgt ein Vortrag, der ins Thema einführt. Dieser kann auch in Form eines Videos präsentiert werden, auf dem Nicky Gumbel das entsprechende Thema interessant behandelt (unterdessen auch auf Deutsch erhältlich). Danach tauscht man in Kleingruppen über das Gehörte aus.

Ein wichtiger Bestandteil des Kurses ist ein Wochenende zum Thema „Der Heilige Geist“. Manchmal wird zudem ein Heilungs- bzw. Segnungsabend durchgeführt („Trainingsheft für Leiter und Helfer“, S.25). Den Abschluss des Kurses bildet ein Fest mit Freunden und Bekannten der Teilnehmer, an welchem diese für den nächsten Alpha-Kurs eingeladen werden.

Der „Alpha-Kurs“ und seine Begleitschriften wurden inzwischen in mindestens 27 andere Sprachen übersetzt. In deutscher Sprache werden sie vom Verlag „Projektion J“ herausgegeben. Am bekanntesten dürfte das „Textbuch“ zum Alpha-Kurs mit dem Titel „Fragen an das Leben“ von Nicky Gumbel sein. Vom gleichen Autor stammt der „Alpha-Leitfaden“ als Starthilfe für Alpha-Kurse, mit Erfahrungsberichten und Tips. Für Jugendliche existiert ein eigener „Alpha-Kurs Jugend“. In Englisch gibt es ausserdem ein „Alpha-Kurs Kochbuch“, Poster, Abziehbilder und T-Shirts.

Den Gemeinden, die einen Alpha-Kurs durchführen wollen, steht also ein durchgeplantes Konzept mit allem notwendigen Material zur Verfügung. Beratung und Schulung bieten die nationalen Alpha-Büros sowie für bestimmte Kirchen oder Regionen zuständige Alpha-Berater. Zudem gibt es spezielle „Alpha-Schulungskonferenzen“, die allen sehr empfohlen werden, die die Durchführung von Alpha-Kursen planen. 

Auch in der Schweiz, Deutschland und Österreich gibt es je ein „Alpha-Büro“. Dasjenige in der Schweiz ist der Arbeit von „Campus für Christus“ angegliedert. 

Inhaltlich beschränkt sich der „Alpha-Kurs“ gemäss Nicky Gumbel auf das, „worin alle grösseren Denominationen und Traditionen übereinstimmen“ („Leit-faden“, S.219).
„Zusätzlich trägt Alpha in seiner universalen Weite noch dazu bei, die Barrieren zwischen Gemeinden und Konfessionen abzubauen. Plötzlich ziehen Christen verschiedener Bekenntnisse an einem Strick. Alpha bleibt Alpha, ob es nun von Katholiken, Baptisten oder dem CVJM angeboten wird. Damit entsteht eine missionarische Koalition, die Eigenheiten und Sonderlehren nicht verschweigt, sie aber um des gemeinsamen Zeugnisses willen während des Kurses zurückstellt…“ (Peter Aschoff, Vorwort zum „Leitfaden“, S.11).

Den Kurs-Organisatoren wird zwar eine gewisse Flexibilität zugestanden, um Anpassungen vorzunehmen, dies „jedoch nur unter der Voraussetzung, dass die wesentlichen Elemente, das Wesen und die Identität des Kurses erhalten bleiben“ („Leitfaden“, S.221). Dabei wird klar betont, dass die Lehrinhalte auf dem ganzen Material des Buches „Fragen an das Leben“ basieren sollen („Alpha Copyright Statement“ vom 28.6.1999; vgl. auch „Leitfaden, S.223).
Dr. Peter Aschoff rät im Vorwort zum „Leitfaden“ von eigenwilligen Ver-änderungen am Alpha-Kurs ab: „Wer sich an die Vorgaben dieses Buches hält, hat in der Regel gute Erfahrungen gemacht, während die meisten Kurse mit eigen-willigen Modifikationen nach kurzer Zeit aufgegeben wurden“ (S.10).

2. Was macht ihn so attraktiv?
Wieso wird dieser Kurs in immer mehr Gemeinden durchgeführt? Es dürfte vor allem folgende drei Gründe haben:

a) „Er funktioniert!“
Dies scheint das Hauptargument derer zu sein, die ihn benützen.
„Als ich zum erstenmal an einer Alpha-Konferenz war, dachte ich: Entweder bindet Nicky Gumbel uns allen einen Bären auf, oder es ist wirklich so, dass sich Menschen auf wunderbare Weise verändern. Nach dem achten Kurs kann ich sagen: Es funktioniert wirklich.“ (Dominik Reifler, Pfarrer Winterthur-Seen im Einladungs-prospekt für die Schweizer Alpha-Konferenz 1999)
„Alpha bewirkt bei MitarbeiterInnen Begeisterung, bei suchenden Menschen Offenheit für Jesus. Eine wachsende Anzahl von Gemeinden in der Innerschweiz setzt auf diesen genialen Einführungskurs.“ (Erich Taubmann, Gemeindeleiter FEG Emmen, Einladungsprospekt, s.o.)
Dies ist das Denken unserer Zeit. Was Erfolg bringt, muss gut sein. Wenn  Menschen in die Kirche finden, dann muss doch Gott dahinter stehen. Wer fragt noch, was das Wort Gottes dazu sagt?

b) „Er ist zeitgemäss!“
Die Art, wie im Alpha-Kurs das Evangelium weitergegeben wird, sei zeitgemäss und berücksichtige unsere kulturellen Umstände.
„Im Alpha-Kurs sind für mich in einer geradezu idealen Weise die wichtigsten Prinzipien der postmodernen Evangelisation vereint.“ (Florian Bärtsch, Kingdom Ministries, Einladungsprospekt, s.o)

c) „Der Alpha-Kurs ist nicht-konfrontativ“
„Durch das einfache, unverkrampfte Ausleben des Glaubens wie es Jesus tat, entstehen natürliche, unkomplizierte Beziehungen zu Freunden und Nachbarn. In einer solchen Atmosphäre ist es leicht eine Beziehung zu Gott zu suchen. Alpha scheint mir die Idealhilfe dazu zu sein.“ (Heinz Strupler, Leiter IGW, Prospekt, s.o)

Es wird hervorgehoben, dass Menschen das Evangelium auf eine ansprechende, nicht-konfrontative Art und Weise kennenlernen können. Durch das gemeinsame Abendessen, Offenheit für Fragen und eingebaute Anekdoten wird eine entspannte Atmosphäre gefördert (entsprechende „Alpha-Witze“ stehen den Kursleitern zur Verfügung). Die Teilnehmer sollen sich wohl fühlen. Im Buch „Leitfaden“ wird sogar empfohlen, die Bibeln etwas versteckt parat zu legen, damit die Gäste nicht abgeschreckt werden! (S.189; siehe auch S.194) Beim Abschlussfest wird empfohlen auf das Tischgebet zu verzichten, „um die Gäste nicht in Verlegenheit zu bringen“ (S.70).
Gerald Coates sagt sogar: „Der Kurs macht Spass und bedroht niemanden – genau wie unser Herr selber!“ („Alpha News“, Febr. 1997, S.29; zitiert in „Falling short? The Alpha Course examined“, Chris Hand, S.13). Vergleiche die Worte Jesu Christi in Matth 10,28; 18,8-10; 25,46; Lk 13,3-5; u.a.m.!

3. An wen richtet sich der Alpha-Kurs?
Der Alpha-Kurs will dem Evangelium fernstehende Menschen erreichen. Eigen-artigerweise richten sich aber nur gerade 3 von 15 Lektionen an diese Zielgruppe. Die Themen der restlichen 12 Lektionen (Warum bibellesen, Wie beten, Geistes-gaben, usw.) betreffen dagegen hauptsächlich bereits Gläubige. Wie sollen aber diejenigen, die nach den drei ersten Lektionen noch nicht von neuem geboren worden sind, diese Themen verstehen? (1.Kor 2,14). Werden sie nicht, statt zu einem neuen Leben, nur zu einem christlichen Lebensstil hingeführt?

Dieselbe Gefahr besteht auch bei den Helfern der Kleingruppen, die laut Gumbel nicht unbedingt schon Christen sein müssen, sowie dort, wo Ungläubige durch das Nachsprechen von Modellgebeten zu einem christlichen Verhalten angeleitet werden („Leitfaden“, S. 67+113). Ein „christliches Leben“ und Glaube an Christus sind aber zwei grundlegend verschiedene Dinge.

Der Kurs richtet sich vorallem an diejenigen Menschen, die in keiner Kirche sind. (vgl. Bill Hybels und Willow Creek mit ihrem „Konzept für Kirchendistan-zierte“.) Nicky Gumbel scheint davon auszugehen, dass grundsätzlich alle Men-schen in den Kirchen (inkl. der röm.-kath. Kirche) gläubig sind, denn er schreibt in seinem Buch „Fragen an das Leben“ unter dem Übertitel „Das Volk Gottes“: „Die universale Kirche ist riesig. Laut Encyclopaedia Britannica umfasst sie heute 1,7 Milliarden Menschen…“ (S.227; vgl. „Alpha-Kurs“, S.68). Es fehlt der Hinweis, dass die meisten Kirchenmitglieder nicht aus Gott geboren sind und darum nicht zum „Volk Gottes“ gehören.

Im Buch „Heisse Eisen angepackt“ beschäftigt sich Gumbel mit der Frage „Was ist mit denen, die nie etwas von Jesus gehört haben?“ (S.35ff). Unter fünftens schreibt er dort: „John Stott hat darauf hingewiesen, dass es berechtigte biblische Gründe für grossen Optimismus gibt.“ Dann zitiert er 1.Mose 22,17 und fährt fort mit dem Zitat von John Stott: „Paulus [?] scheint uns hier versichern zu wollen, dass viel mehr Menschen gerettet werden als verloren sein werden, …“ (S.37). Vergleiche aber Mt 7,13+14; Lk 13,23+24; Offb 3,4; …!

4. Der Einfluss von „Toronto“ auf den Alpha-Kurs
Wenn man eine Bewegung untersucht, ist es wichtig, auch ihrem Ursprung nachzugehen. Jesus Christus sagt in Mt 7,17: „Also bringt jeder gute Baum gute Früchte, aber der faule Baum bringt schlechte Früchte.“ Wenn die Herkunft einer Bewegung schlecht ist, so können auch ihre Früchte nicht gut sein.
Der Alpha-Kurs ging von einer anglikanischen Kirche aus, die den „Toronto-Segen“ massgeblich gefördert hatte. Derjenige, der den „Toronto-Segen“ in diese Kirche brachte, war Nicky Gumbel! 
Er berichtet auf einem Video, wie er durch eine Frau, die erst gerade von Toronto zurückgekehrt war, 1994 diesen „Segen“ kennenlernte und in die HTB brachte:

„Ellie Mumford erzählte uns ein wenig was sie in Toronto gesehen hatte… dann sagte sie: „Nun werden wir den Heiligen Geist einladen zu kommen“, und in dem Augenblick, als sie dies gesagt hatte, wurde eine der anwesenden Personen buch-stäblich durch den Raum geworfen und lag heulend und lachend auf dem Boden,… sie machte einen unglaublichen Lärm… Ich erlebte die Kraft des Geistes in einer Weise, wie ich sie seit Jahren nicht erlebt hatte, wie wenn starker Strom durch meinen Körper flösse … Einer der Jungs weissagte. Er lag einfach da und weissag-te…“ Nach diesem Erlebnis kam Gumbel mit Verspätung zu einem Treffen in der HTB. Als man ihn bat, das Abschlussgebet zu sprechen, betete er: „Danke Herr für alles was du tust und wir bitten, dass du deinen Geist sendest“. Er wollte gerade Amen sagen und den Raum verlassen, als der Geist über die anwesenden Menschen kam. Einer begann zu lachen wie eine Hyäne… (engl. Alpha-Video III, Lekt.9, zitiert in „Alpha: New Life or New Lifestyle?“, S.4).

Dass Menschen nach HTB Veranstaltungen nicht mehr fähig waren, selber nach Hause zu kommen, schien nicht ungewöhnlich zu sein: „Die Holy Trinity Brompton nimmt immer ein Taxiunternehmen in Anspruch, dessen Mitarbeiter wissen, dass die Gemeindemitglieder nicht, wie man annehmen würde, betrunken sind und somit im Taxi auch keine Scherereien machen.“ („An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“, Dave Roberts, Verlag GB, 1995, S.27)
So werden denn die „Toronto-Phänomene“ auch in den Alpha-Unterlagen propagiert. In Nicky Gumbels Buch „Fragen an das Leben“ finden sich Sätze wie: „Wenn Menschen vom Geist erfüllt werden, zittern sie manchmal wie ein Blatt im Wind“ oder: „Manchmal empfinden Menschen, die vom Geist erfüllt werden, eine körperliche Hitze, beispielsweise in ihren Händen oder in anderen Teilen des Körpers. Jemand beschrieb es einmal so, als würde er ‚am ganzen Körper glühen.‘ Ein anderer sprach von ‚flüssiger Hitze‘“ („Fragen“, S.158).

Im Buch „Ein Gott, der Leben verändert“ erzählen Menschen, wie ihr Leben durch den Besuch des Alpha-Kurses verändert wurde. Lee Duckett schreibt: „Ich fühlte, wie der heilige Geist an den Füssen begann, meinen ganzen Körper rein zu waschen. Dabei spürte ich eine unglaubliche Freude und fing an zu lachen. Danach fühlte ich mich wie neugeboren“ (S. 173). Auch an vielen anderen Stellen enthalten die Zeugnisse „Toronto-Phänomene“ (z.B.: S.42: Umfallen, S.130f: Trunken sein und Lachen; S.147: Zittern, Zucken, Lachen).

Laut Nicky Gumbel ist es kein Zufall, dass die „Toronto-Bewegung“ gleichzeitig mit dem Emporkommen des Alpha-Kurses einhergeht. „Ich denke, diese zwei gehen zusammen.“ (Aus der Zeitschrift „Renewal“ Mai 1995, S.15; zitiert in „Alpha: New Life or New Lifestyle?“, S.5)

(Der Alpha-Kurs wurde schon seit fast 20 Jahren in ähnlicher Form an der „Holy Trinity Brompton Church“ durchgeführt, aber erst im Zusammenhang mit dem „Toronto-Segen“ wurde er über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt.)

Es ist zu befürchten, dass Gläubige, die den „Toronto-Segen“ noch abgelehnt hatten, sich nun nicht mehr so klar dagegen aussprechen, weil seine (unverändert falschen!) Lehren nun unter dem Deckmantel der „Evangelisation“ erscheinen.

(An dieser Stelle möchte ich die Broschüre „Toronto-Segen? Heiliger Geist oder Irrgeist?“ von Walter Trachsel, Trachsel-Verlag empfehlen. Sie kann kostenlos bei nachstehender Adresse bestellt werden.)

5. Beziehung zur römisch-katholischen Kirche
Der Alpha-Kurs wird auch innerhalb der röm.-kath. Kirche gefördert. Für sie gibt es ein eigenes Alpha-Büro in England („The Catholic Alpha Office“). Auch in der Schweiz gibt es einen röm.-kath. Berater für den Alphalive-Kurs.
Für Katholiken (speziell Priester und kirchliche Mitarbeiter), die unsicher sind, ob der Alpha-Kurs für ihre Kirche geeignet sei, hat das Katholische Alpha-Büro eine spezielle Broschüre erarbeitet: „Alpha für Katholiken, Fragen und Antworten“ (dt. Ausgabe 2000 im Verlag Projektion J). Aus dieser Schrift folgen nun einige Zitate:
„Obwohl es ein Kurs mit anglikanischem Hintergrund ist, zeigt das Alpha-Material eine Katholiken gegenüber sehr offene Einstellung. … Die Lehren von ‚Alpha‘ weisen eher den Weg für eine Kooperation zwischen den Kirchen, als dass sie Rivalität hervorrufen“ (S.18).
„Bezüglich der Sakramente ist der Alpha-Kurs aus katholischer Sicht unvoll-ständig. … Diejenigen, die den Kurs entwickelt haben, erkennen die Begrenztheit von ‚Alpha‘ in diesem Bereich an. Nicky Gumbel … meint dazu:
‚Katholiken, die ‚Alpha‘ als Werkzeug zur Evangelisation nutzen, werden von den Teilnehmern erwarten können, dass diese weitergehen, um den ganzen Reichtum des katholischen sakramentalen Lebens zu entdecken‘“ (S.22).

„Haben sich Menschen erst einmal zu Christus bekehrt, entsteht der Wunsch nach mehr – die Fülle der göttlichen Offenbarung (wie sie z.B. im Katechismus ausgedrückt ist) gelehrt zu bekommen und in das volle sakramentale Leben der Kirche einbezogen zu werden“ (S.19/20).

Dies bestätigt der Bericht aus einer Pfarrei in England, die bereits fünf Alpha-Kurse durchführte: „Spezifisch katholische Themen, wie z.B. die Sakramenten-lehre, können nach dem Kurs als Vertiefung hinzugefügt werden. In der Tat erweckte der Alpha-Kurs in uns den Wunsch nach mehr Wissen. Jetzt nehmen einige Leute aus unserer Pfarrei an einem weiterführenden Kurs teil“ (S.25).
„Wir hoffen, dass dieser Kurs Menschen, die neu zum Glauben gefunden haben, hilft, zu lebendigen Katholiken zu werden, die selbstbewusst ihre Gaben und ihre Talente einsetzen, um durch die Kirche am Reich Gottes zu bauen“ (S.24).

„Viele Katholiken, die an einem Alpha-Kurs teilnehmen, erleben eine Erneuerung und Erfrischung ihres Glaubens…“ (S.33).
Der Alpha-Kurs wird auch von röm.-kath. Kardinälen und (Erz-)Bischöfen empfohlen. In der Zeitschrift „AlphaNews International“ (No.1, Aug-Nov 1999, S.6f) lobte Kardinal Keeler (USA) den positiven Einfluss des Alpha-Kurses auf die röm-kath. Pfarreien. Menschen, die dort einen Alpha-Kurs besuchten, seien an-schliessend „bereit und begierig, mehr über unsere Kirche und ihre Sakramente zu lernen.“ Der röm.-kath. Bischof Ambrose Griffiths (England) bekennt: „Der Alpha-Kurs… beinhaltet nichts, das den grundlegenden katholischen Glau-bensüberzeugungen widerspricht“ („Alpha für Katholiken“, S.35).

Wie ist dies möglich? Doch nur dadurch, dass wichtige Teile der biblischen Bot-schaft abgeschwächt oder gänzlich weggelassen werden. Dafür entdeckt ein aufmerksamer Leser an verschiedenen Stellen Ausdrücke aus dem röm.-kath. Kon-text. Das Wort „Gottesdienst“ wird mit „Messe“ in einem Atemzug genannt („Alpha-Kurs“, S.68). In der ersten deutschen Auflage des „Alpha-Kurses“ (1996, S.64) wurde ein vorgeschlagenes „Übergabegebet“ mit „Tauferneuerung“ gleich-gesetzt. (Da gemäss der röm.-kath. Lehre die Menschen schon bei der (Säuglings)-taufe den Heiligen Geist empfangen, können sie dies später durch eine „Entschei-dung“ nur noch erneuern. (vgl. „Alpha für Katholiken“, S.15))
In den Schriften von Nicky Gumbel werden viele bekannte Katholiken positiv erwähnt, z.B. der Papst, sein Hofprediger Raniero Cantalamessa, der dem Papst nahestehende röm.-kath. Priester Tom Forrest, Mutter Teresa und der in die katholische Kirche konvertierte Malcolm Muggeridge.

Zum Thema der 5. Lektion „Wie kann man die Bibel lesen?“ wird u.a. ein Buch aus dem „Verlag Katholisches Bibelwerk“ empfohlen („Alpha-Kurs, S.27).
Die Titelseite der „AlphaNews International“ (No.1 vom Aug-Nov 1999) zeigt ein grosses Bild von Raniero Cantalamessa – dem „Prediger für den päpstlichen Haushalt“ – und empfiehlt eine 7-teilige Videoserie mit Vorträgen, die dieser auf Einladung des Katholischen Alpha-Büros hin gerade gehalten hatte. Die Videos (auch als Audiokassetten erhältlich) tragen den Titel „Drink from the Wells of the Church“ („Trinke aus den Brunnen der Kirche“) und sind für die Weiterführung von Katholiken nach dem Alpha-Kurs bestimmt. Etwa im Frühjahr 2001 sollen sie auch auf Deutsch veröffentlicht werden („Alpha für Katholiken“, S.13). Diese Vorträge von Cantalamessa enthalten – wie es aus dem Munde eines so ranghohen Katholiken kaum anders zu erwarten ist – deutlich die Irrlehren der röm.-kath. Kirche (z.B. das Messopfer als ständig neue Opferung Jesu, das Priesteramt als besondere Macht zur Verwandlung des Brotes in den echten Körper Jesu, usw.)!

(Zur Rolle von Raniero Cantalamessa im Prozess der Annäherung der charismati-schen Bewegung an Rom verweise ich auf die Broschüre „EXPLO 97 und -2000“, die auch einige Zitate von Cantalamessa enthält, mit denen er seinen streng katholischen Glauben an Maria als Gottesmutter und Heilsvermittlerin darlegt. Diese Schrift ist bei nachstehender Adresse kostenlos erhältlich.)

Gemäss Nicky Gumbel seien die Unterschiede zwischen Protestanten und Katholiken „total unwesentlich verglichen mit den Dingen, die uns verbinden… wir müssen den Leuten die Freiheit lassen, über zweitrangige Dinge unter-schiedlicher Meinung zu sein.“ (Video III, Talk 8; zitiert in „Alpha: New Life or New Lifestyle?“, E. McDonald)

Die röm.-kath. Kirche lehrt aber nicht nur in „zweitrangigen Dingen“ etwas ande- res, sondern in den fundamentalen Wahrheiten der Schrift: der Person des Herrn Jesus Christus, seinem Opfer, dem Evangelium und dem Weg der Errettung. 
Der Alpha-Kurs ist eine überkonfessionelle, bzw. ökumenische Bewegung. Es ist deshalb ganz folgerichtig, dass in der deutschen Ausgabe des „Alpha-Kurses“ die ökumenische „Einheitsübersetzung“ verwendet wird.

6. Der Alpha-Kurs ist charismatisch
Obwohl Nicky Gumbel im „Leitfaden“ (S. 219) schreibt, dass im Alpha-Kurs nur das gelehrt werde, „worin alle grösseren Denominationen und Traditionen überein-stimmen“, behandelt er im „Alpha-Kurs“ und den dazugehörigen Unterlagen aus-führlich die bekannten charismatischen Lehren: die Taufe mit dem Heiligen Geist, die er mit der „Erfüllung des Heiligen Geistes“ gleichsetzt („Fragen“, S.155, Anm. 45; S.167f; „Leitfaden,“ S.144-145), die Gabe des Zungenredens, die häufig der „Geistestaufe“ folge („Fragen“, S.162) und den charismatischen „Gebetsdienst“ („Trainingsheft“, Kapitel 3; „Leitfaden“, Kapitel 11).

Ein Ziel des Alpha-Kurses ist, dass Menschen „mit dem Heiligen Geist erfüllt werden“ (Leitfaden, S.25). Die 10. Lektion (meist findet sie am gemeinsamen Wochenende statt) ist ganz diesem Thema gewidmet. Der Heilige Geist wird zu diesem Zeitpunkt ausdrücklich gebeten zu kommen und die Teilnehmer zu erfüllen („Trainingsheft“, S.24+25, „Leitfaden“, S.134f+153). 

Warum ist dies falsch? Im Gegensatz zu Gumbel unterscheidet die Bibel zwischen der „Taufe mit dem Heiligen Geist“ und der „Erfüllung mit dem Heiligen Geist“. Wahre Gläubige haben die „Taufe in Heiligem Geist“ (Mt 3,11) schon bei der Wiedergeburt empfangen (1.Kor 12,13). Sie müssen den Heiligen Geist nicht bitten zu kommen, da er ja schon in ihnen wohnt (Röm 8,9; Eph 1,13). Eine andere Sache ist die „Fülle des Heiligen Geistes“ (Apg 7,55; 11,24), welche abhängig ist von unserem Gehorsam Gott gegenüber. Sie ist kein ein für allemal erreichter Zustand (vgl. „Leitfaden“, S.42), wie uns die Aufforderung in Epheser 5,18 zeigt. Das Neue Testament fordert uns nirgends auf, Gott zu bitten, uns mit dem Heiligen Geist zu füllen. (Oft wird auch die „Taufe mit Feuer“ (Mt 3,11) mit der „Geistestaufe“ gleichgesetzt. Man beachte aber, dass die „Taufe mit Feuer“ Gericht  bedeutet! (vgl. Mt 3,10+12))

Auch für Ungläubige ist die Bitte um „Erfüllung mit dem Heiligen Geist“ falsch. Sie müssen aufgerufen werden, sich zu bekehren. Erst dann kann der Heilige Geist in ihnen wohnen.

Wie in der charismatischen Bewegung üblich, wird die Gabe des Zungenredens  stark überbetont („Alpha-Kurs“, S.48+49). Zwar sei sie „nicht notwendigerweise ein Zeichen dafür, dass jemand mit dem Heiligen Geist erfüllt ist“ („Alpha-Kurs“, S.48; „Fragen“, S.162+167), aber: „Es gibt keinen Grund, warum jemand, der diese Gabe haben möchte, sie nicht bekommen sollte“ („Fragen“, S.167; „Leitfaden“, S.151). Beim Gebet um das Kommen des Heiligen Geistes sollen die Leiter die Teil-nehmer dazu ermutigen, „in einer anderen Sprache zu reden“ („Trainingsheft“, S.24). Im Teilnehmerheft steht, man müsse „mit dem Heiligen Geist zusammenarbeiten“, um diese Gabe zu empfangen („Alpha-Kurs“, S.49), gemäss dem Buch „Fragen“ brauche es Zeit, um diese Gabe zu entwickeln, wie man Zeit brauche, um eine Sprache zu lernen („Fragen“, S.171). Zu Beginn könne man einfach das Sprachen-gebet eines anderen nachsprechen („Leitfaden“, S.151).

Die Gabe des Sprachengebets versetze „uns in die Lage, Gott das auszudrücken, was wir tief in unserem Geist empfinden, ohne den Umweg [!] über unsere Muttersprache nehmen zu müssen“ („Fragen“, S.163). Eine weitere Gabe, die man entwickeln könne, ist gemäss Gumbel die Gabe der Prophetie („Fragen“, S.229). Auch das gegenseitige Händeauflegen wird positiv bewertet („Leitfaden“, S.115).

Der charismatische „Gebetsdienst“ nimmt im Alpha-Kurs einen wichtigen Platz ein. „Der Dienst des Geistes ist ein wesentlicher Teil des Alpha-Kurses – ohne ihn wäre es kein richtiger Alpha-Kurs“ („Leitfaden“, S.160). In einem „Gebet für andere kann es darum gehen, dass sie mit dem Heiligen Geist erfüllt werden, eine Gabe empfangen (z.B. die Gabe des Sprachengebets) oder geheilt werden“ („Leitfaden“, S.144). Den Leitern und Helfern des Jugendkurses wird in einem „Modell für den Gebetsdienst“ u.a. vorgeschlagen: „Beten Sie in einer entspannten Umgebung … Ermutigen Sie die jungen Leute, daran zu glauben, dass jetzt etwas passieren wird. Lesen Sie ein Versprechen Gottes aus der Bibel vor, erzählen Sie ihnen von Ihren eigenen Erfahrungen oder, noch besser, lassen Sie einen anderen Jugendlichen erzählen, was ihm passiert ist, als er einmal mit dem Heiligen Geist erfüllt war. … bitten Sie den Heiligen Geist zu kommen. Heissen Sie ihn willkommen, wenn Sie merken, dass er wirkt… ‚Spürst du, dass Gott dir etwas sagen will? Vielleicht schenkt Gott dir gerade im Geist ein Bild…‘ Bleiben Sie mit denen in Verbin-dung, die etwas gespürt haben…“ („Alpha-Kurs Jugend, Trainingsheft“, S. 30+31).

Eng mit der pfingstlich-charismatischen Bewegung ist auch die sogenannte „3. Welle“ („Evangelisation mit Zeichen und Wundern“) verbunden. Diese lehrt, dass zur Verkündigung des Evangeliums auch das Auftreten von Zeichen und Wundern gehöre. Diese Lehre kommt auch im Alpha-Kurs zum Ausdruck: „Die Proklamation der Guten Nachricht und die Demonstration, das Zeigen der Macht Gottes, gehen Hand in Hand“ („Alpha-Kurs“, S.58; vgl. „Fragen“, S.201f). Eine Zeichnung auf der gleichen Seite zeigt einen Menschen, der seine Stöcke von sich wirft. Darüber steht der Satz „Ein Wunder zieht grosses Interesse auf sich“.

Einer der bekanntesten Führer der „3. Welle“ war der inzwischen verstorbene John Wimber. Bei einem Besuch in der „Holy Trinity Brompton Church“, traf dieser sich auch mit den Leitern dieser Gemeinde und sprach über verschiedene Leute sogenannte „Worte der Erkenntnis“ aus. Nicky Gumbel beschreibt, wie jemand vom „Wimber-Team“ um mehr Kraft für ihn betete: „Nach rund 30 Sekunden erfuhr ich die Kraft Gottes auf eine Art und Weise, wie ich sie noch nie im Leben erfahren hatte. Es war wie wenn 10‘000 Volt Elektrizität durch meinen Körper strömen würde…“ (Gumbel, „Does God Heal Today?“ (Audiokassette)).

Die meisten der Bücher, die im „Alpha-Kurs“ empfohlen werden, stammen von Nicky Gumbel selber, von Bill Hybels sowie von charismatischen Autoren wie z.B. Jack Deere. Auch Yonggi Cho wird von Gumbel sowohl im Buch „Leben-satt“ (S. 26), wie auch in „Erweckung heute“ (S.83+195) positiv zitiert.

In Lektion 7 unter dem Titel „Wie führt uns Gott?“ wird zwar zuerst der „Gehorsam gegenüber dem geschriebenen Wort“ angesprochen, dann aber folgen der „gute Gedanke“, starke Eindrücke, Gefühle sowie Prophetie, Träume, Visionen/Bilder, Engel und hörbare Stimmen als Wege, wie Gott uns heute führe („Alpha-Kurs“, S.34+35). „Manche bezeichnen dies [das Reden Gottes] als ‚Eindruck‘ oder als etwas, das sie ‚in den Knochen spüren‘“ („Fragen“, S.114).

Gemäss Lektion 13 („Heilt Gott auch heute noch?“) sollen „prophetische Worte“ (oder „Worte der Erkenntnis“) dazu ermutigen, Heilung von Gott zu erwarten. Diese bestehen z.B. aus Bildern (man sieht den Körperteil, den Gott bei jemand anderem heilen will), parallel empfundenen Schmerzen (oder „Symphatie-Schmerz: man spürt an der Stelle Schmerzen, wo Gott die andere Person heilen möchte; „Alpha-Kurs Jugend“, S.63), Hören oder Sehen von Wörtern oder dem „Eindruck, bestimmte Wörter sagen zu müssen, die für den Betenden vielleicht gar keinen Sinn ergeben“ („Alpha-Kurs“, S.65, vgl. „Leitfaden“, S.159). Auch wenn wir nicht alle die Gabe der Heilung hätten, gelte der „Auftrag zu heilen“ uns allen („Fragen“, S. 220).

Im „Alpha-Kurs“ steht auf S.39: „Für eine lange Zeit wurden die Person und das Wirken des Heiligen Geistes innerhalb der Kirche ignoriert. Man konzentrierte sich vor allem auf Gott-Vater und den Sohn.“

Es stimmt, dass sich die wahre Gemeinde Jesu durch alle Jahrhunderte hindurch auf den Vater und den Sohn konzentriert hat. Aber es stimmt nicht, dass dies  falsch war, denn die Aufgabe des Heiligen Geistes ist es, Jesus Christus zu verherrlichen. Wir sollen den Vater und den Sohn anbeten. Die Heilige Schrift sagt nirgendwo, dass wir auch den Heiligen Geist anbeten sollen. Der Heilige Geist hat eine sehr wichtige Aufgabe, aber er will unsere Aufmerksamkeit nicht auf sich selbst, sondern auf den Sohn lenken (Joh 15,26; 16,14).

Während zu Beginn des Kurses Jesus Christus im Mittelpunkt steht, nimmt im Laufe der Lektionen immer mehr der Heilige Geist diesen Platz ein. Nicht mehr der Herr Jesus Christus und sein Opfertod am Kreuz stehen im Zentrum, sondern die Wirkungen des „Heiligen Geistes“. (So wird das gemeinsame Wochenende da-zu benützt, die Teilnehmer in Erfahrungen mit dem „Heiligen Geist“ einzuführen, statt ihnen das Evangelium ausführlicher darzulegen. Der Aufruf, die Taufe mit dem Heiligen Geist zu empfangen, verdrängt den biblischen Befehl, Busse zu tun und an den Herrn Jesus Christus zu glauben zur Vergebung der Sünden.)

„Ich habe begriffen, dass Gott noch mehr geben möchte und strecke mich nach diesem Mehr aus.“ (Alpha-Teilnehmer, Zitat in CZh, Nr. 1/99; S.38)

(Es fehlt hier der Platz, um ausführlicher auf die falschen Lehren der „Charismatischen Bewegung“ einzugehen. Für solche, die sich mit dieser Bewegung auseinandersetzen wollen, sind weitere Schriften kostenlos bei nachstehender Adresse erhältlich.)

7. Das Evangelium Gottes oder das „Evangelium nach Alpha“?
Wie steht es aber um das „Evangelium“, das in den ersten drei Lektionen des Alpha-Kurses verkündigt wird? Ist es identisch mit dem Evangelium, wie wir es in der Bibel finden? Diese Frage ist wichtig, denn der Apostel Paulus schreibt, dass verflucht sei, wer ein anderes „Evangelium“ verkündige (Gal 1,6-9).

Heute wird oft gefragt, mit welchen Methoden wir das Evangelium weiterge-ben sollen. Aber wissen überhaupt noch alle Gläubigen, was das wahre Evangelium beinhaltet? In der Apostelgeschichte finden wir, was die ersten Christen und die Apostel nach der Auferstehung Jesu verkündigten oder mit heutigen Worten: wie sie „evangelisierten“. (Ich weise speziell auf die Rede des Paulus in Athen in Kapitel 17 hin.) Im Römerbrief finden wir dann eine ausführliche lehrmässige Abhandlung des Evangeliums.

Im folgenden versuche ich die wesentlichen Inhalte der Evangeliumsverkündigung aufzuzeigen, wie ich sie aus der Schrift entnehme, und bitte die Leser, dies ebenfalls anhand der Schrift zu überprüfen (vgl. Apg 17,11).

Die Botschaft des Evangeliums in der Bibel beginnt mit der Offenbarung des We-sens Gottes (Es handelt sich ja um das Evangelium Gottes! (Röm 1,1)). Dazu gehören seine Herrlichkeit (Röm 1,20.23; Heb 12,21), seine Allmacht und Hei-ligkeit (Offb 4,8). Er hat die Welt erschaffen und ist auch der Schöpfer des Men-schen (1.Mo 1,1.27; Apg 14,15; 17,24; Röm 1,25). Dieser ist von Ihm abhängig und kann nur dank Ihm und seiner Güte existieren (Apg 17,25; Kol 1,17).

Aber schon die ersten Menschen, Adam und Eva, lehnten sich gegen den Schöpfer auf und wurden als Folge davon aus dem Garten Eden vertrieben. Die Konsequenzen ihrer Sünde waren und sind riesig. Die ganze Schöpfung wurde in Mitleidenschaft gezogen (1.Mo 3,14ff). Seither ist der Mensch ohne Hoffnung und ohne Gott (gott-los!) in dieser Welt (Eph 2,12). Er ist unverständig, verfinstert am Verstand (Röm 1,21+22; Eph 4,18; Tit 3,3) und tot in Sünden (Eph 2,1-3).  Jeder Mensch hat gesündigt (Röm 3,9-18.23). Aber er begeht nicht nur einzelne Sünden (Mk 7,21-23; Röm 1,24-32; Gal 5,19-21), sondern sein ganzes Wesen ist gekennzeichnet von Sünde und Verdorbenheit (1.Mo 6,5; 8,21; Jer 17,9).

Weil Gott gerecht und heilig ist, kann er Sünde nicht ungestraft lassen. Denn jede Sünde ist in erster Linie Sünde gegen Gott (vgl. 2.Sam 12,13; Ps 51,4 (bzw. 6)). So steht jeder Mensch unter dem Zorn Gottes (Röm 1,18), den er beleidigt hat und ist auf dem Weg in die ewige Verdammnis, in die Hölle (Offb 21,8). Er braucht Versöhnung mit Gott (2.Kor 5,20)! Dabei hat er keine Möglichkeit, sich selber zu erlösen oder auch nur etwas Weniges zu seiner Errettung beizutragen (Eph 2,8+9). Keine „guten Werke“ können ihn in den Augen Gottes angenehm machen oder ihn erretten (Röm 3,20.28; 4,4+5). Er weiss von sich aus auch nicht, wie er sich dem lebendigen Gott nähern und Ihn anbeten soll (Apg 17,23.27–29). So ist er völlig auf Gottes Gnade angewiesen (Lk 18,13).

Gott aber erbarmte sich über die gefallene Menschheit und sandte den Herrn Jesus Christus in diese Welt (Joh 3,16). Wie der Vater ist der Sohn Gott von Ewigkeit, aber um unseretwillen wurde Er Mensch (Joh 1,14). Als sündloser, reiner und vollkommener Mensch starb Er am Kreuz für unsere Sünden. Er ist das Lamm, das unsere Sünden und deren Strafe auf sich nahm (Jes 53; Joh 1,29), indem Er sein Blut vergoss. In Ihm haben wir die Gerechtigkeit vor Gott, die wir auf keine andere Art und Weise erlangen konnten (1.Kor 1,30). Diesem vollkommenen Opfer kann und muss nichts mehr hinzugefügt werden. In Ihm erkennen wir auch die Grösse der Liebe Gottes (Röm 5,8). Unsere Rettung kostete den Vater nichts geringeres als den Tod seines eigenen Sohnes.

Am dritten Tage stand der Herr körperlich von den Toten auf (1.Kor 15,1-5) und wurde in den Himmel aufgenommen, von woher Er kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten (Apg 1,11; 10,42; 17,31; 2.Thess 1,7-9).

Das Wort Gottes fordert den Sünder auf, Busse zu tun und sich zu bekehren (Apg 3,19; 17,30; 20,21; 26,18.20). Er muss von seinem bösen Weg umkehren (d.h. auch von seinen falschen religiösen Anschauungen) (Apg 14,15; 1.Thess 1,9; 1.Petr 2,25) und an den Sohn Gottes glauben als einzige Hoffnung seiner Erlösung (Joh 5,24; Apg 16,31; u.v.a.m.). Der vom Heiligen Geist überführte Sünder wird auch aufgefordert, sich taufen zu lassen (Apg 2,38).

(Die Taufe ist im Missionsbefehl enthalten (Mt 28,19) und gehört auch heute zur Verkündigung des Evangeliums (Apg 10,47+48; 16,33; 22,16). Man beachte aber: Durch den Akt der Taufe werden keine Sünden vergeben.) (Eine Arbeit zur Widerlegung der „Taufwiedergeburtslehre“ ist in Vorbereitung.)

Dies ist ein kurzer, unvollständiger Abriss des Evangeliums Gottes. Es ist mir bewusst, dass jede Darstellung, jede Verkündigung des Evangeliums nur bruch-stückhaft geschehen kann. Es geht mir nicht darum, anstelle der „4 Geistlichen Gesetze“ nun deren 17 zu formulieren. Vielmehr möchte ich dazu aufrufen, zur neutestamentlichen Verkündigung zurückzukehren, sowohl in der Wahl der Reihenfolge, als auch der Schwerpunkte. Auch die „unbequemen“ Wahrheiten müssen verkündigt werden, denn gerade diese sind wichtig, um den Sünder dahin zu bringen, wo Gott ihm seine Liebe offenbaren kann. (Man studiere einmal den Aufbau des Römerbriefes! Wann wird dort zum erstenmal von der Liebe Gottes gesprochen? Wo findet man das Wort „Liebe“ in der Apostelgeschichte?)

Wer nicht erkennt, wer er ist und gegen wen er gesündigt hat, wird nicht fähig sein, das Opfer zu seiner Errettung zu schätzen.
Was heisst dies nun konkret für den Alpha-Kurs? Welche falschen Schwerpunkte werden gesetzt? Welche wichtigen Wahrheiten werden ausgelassen?

Keine Produkte in dieser Kategorie vorhanden