Brüder, lasst los.. Robert C. Girard

Brüder, lasst los.. Robert C. Girard
Inhalt
Vorwort    7
Wie soll es weitergehen?    9
So begann es    12
Eine Gemeinde auch für Nichtchristen?    16
Der größte Stein, der einer Erneuerung im Wege steht    21
Erneuerung von Grund auf    28
Du sollst es nicht „ausschwitzen"    57
Der Kern der Sache    69
Ziele für eine ideale Gemeinde    84
Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig    90
Auf dem Weg zu gemeinsamem Leben    100
So sieht es in den „kleinen Gemeinden" aus    105
Auf Tuchfühlung mit dem Leben    117
Evangelisation - was ist das?    121
Mission - wie geschieht sie?    124
Leiter-Schulung - ist sie nötig?    126
Jugendarbeit    einmal anders    128
Und die alten Schläuche?    130
Ein lebendiger Kreis    135
Abhängig von der Kirche?    141
Eine Schlußbemerkung    144

So begann es
Am 25. Februar 1965 waren Audrey und ich mit unseren Kindern in Arizona, dem „Land der Sonne und der Kakteen" angekommen, voller Hoffnung und Erwartung.
Ich war seit zwölf Jahren Pastor. In dieser Zeit hatte ich mich oft bemüht herauszubekommen, wohin ich paßte, was man von mir und der Kirche erwartete. (Ich bin mir nicht sicher, ob eine dieser Fragen wirklich beantwortet war, als wir in Arizona ankamen.)
Hinter mir lagen vier Pastorate in sechs Jahren für vier verschiedene Denominationen. Danach hatte Gott mir erlaubt, fünf Jahre lang dem Gemeindedienst zu entrinnen und beim „Public-Relations- und Finanzierungsstab" unseres Kirchen-Colleges eine Tätigkeit auszuüben. Viele Male kämpfte ich dabei mit dem starken Wunsch, ins Pfarramt zurückzugehen.
Ein Jahr im Filmdienst der „Billy Graham Evangelistic Association" schloß sich an. Erregend die gewaltigen Menschenmengen, die eindrucksvollen Zahlen über „Entscheidungen für Christus"! Aber da war etwas in mir, das wollte und mußte mehr tun, als nur in eine Stadt zu „sausen", eine Menge Menschen zu „evangelisieren", Bekehrte zu zählen und dann wieder wegzugehen und irgend jemandem die geistliche Entwicklung dieser Neubekehrten zu überlassen.
Doch bei dem Gedanken, wieder Pastor einer etablierten Kirchengemeinde zu werden, fühlte ich mich unsicher. Zu gut erinnerte ich mich an meine früheren Erfahrungen in diesem Amt. Es gab Dinge, die mir bei den etablierten Kirchen tiefe Sorgen bereiteten. Je besser ich die Kirchen kennenlernte und je länger ich in ihnen arbeitete, um so beunruhigter wurde ich.
Als ich wieder einmal die Apostelgeschichte las und die dort geschilderten Gemeinden mit den Kirchen verglich, die ich kennengelernt hatte, war ich enttäuscht, hoffnungslos und beinahe krank. Die ersten neutestamentlichen Gemeinden verkündigten ihrer Generation Christus mit großem Erfolg. Sie waren gekennzeichnet von der Liebe untereinander, die so real war, daß sogar die Umwelt davon merkte.
Die meisten Kirchen und Christen, die ich kannte (es gab Ausnahmen), übten diese Art Liebe. nicht. Eine Gemeinde, der ich einmal als Pastor diente, war im ganzen Land dafür bekannt, daß sich ihre
Mitglieder untereinander befehdeten. Ein Mitglied sagte damals zu mir: „Ich habe bisher noch keinen unserer Pastoren gemocht, auch Sie bilden keine Ausnahme!" Es meinte das völlig ernst.
Geistliches Wesen wurde gleichgesetzt mit Vorschriften und von Menschen erlassenen Richtlinien. Die Gläubigkeit einer Frau wurde nach der Länge ihrer Röcke beurteilt oder danach, wieviel make-up sie trug oder nicht. Ein Mann war „geistlich", wenn er nicht rauchte, keinen Alkohol trank, nicht Karten oder Billard spielte, nicht ins Kino ging, den Zehnten gab und in den Kirchenausschüssen mitarbeitete. Er mußte nicht unbedingt durch sein Leben ein Zeugnis sein. Er konnte allerlei Sünden des Verhaltens und des Begehrens frönen. Solange er die ausgesprochenen Tabus nicht „probierte oder berührte", stand er mit der geistlichen Elite der Kirche auf gleichem Fuß.
In der Gemeinde, wie ich sie kannte, war ein Pastor ein „Erfolg", wenn die Zahl seiner Sontagsschulbesucher und seiner Mitglieder im Jahr um zehn Prozent wuchs, wenn die. Spenden höher waren als im Jahr zuvor und darum auch sein Gehalt jährlich erhöht wurde, wenn seine Frau beliebt war und er die „Women's Missionary Society" zufriedenstellen konnte. Natürlich mußte er auch seinen Hauptmitarbeitern leidlich gut schmeicheln können. Wenn er alle diese wichtigen Dinge tun konnte, durfte er gewiß sein, für eine größere und bessere Kirche und möglicherweise für ein wichtiges Amt im Bezirksvorstand in Betracht gezogen zu werden.
Die ganze Welt lebt im Raumfahrt-Zeitalter und spricht über Raketenflugreisen zu den Planeten. Aber die Kirche und ihre Führer, die ich kannte, waren selbstgefällig und damit zufrieden, daß sie eine Generation zu erreichen suchten, die bereits gestorben war, ehe das Flugzeug erfunden wurde.
Ich verurteilte an der Kirche folgendes:
Ich haßte es, daß sie so kleinlich war in ihrer Vision; ich haßte ihr Mißtrauen und ihre Mißgunst gegenüber den wenigen Leuten, denen es gelang, die Menschen wirklich zu erreichen; ihre Angst vor allem, was anders und neu war; ihre Gebundenheit an Klischees; ihren aufgeblasenen geistlichen Stolz; ihre Machtpolitik, die sich hinter einer Fassade der Frömmigkeit zu verbergen sucht, ihre endlosen Berichte über nichts; ihre Presseverlautbarungen, die ihr Versagen bemäntelten.
Ich bedauerte zutiefst, daß sie gänzlich abgeneigt war, etwas zu
ändern und ihre Versäumnisse offen zuzugeben; daß sie eine Methode oder Praktik oder ein Programm, die zu nichts führten, fallenlassen konnte, um etwas Besseres zu suchen.
Ich verachtete ihren Bürokratismus, die schwerfällige, übermäßig langsame Gangart ihrer Verwaltungsmaschinerie. Ich war überzeugt, wenn der Heilige Geist etwas Außergewöhnliches oder Dynamisches tun wollte, er würde bei dem Versuch, durch all die Komitees und Ausschüsse zu gelangen, die das erst prüfen mußten, verlorengehen.
Und doch! Obwohl ich das alles haßte und verachtete, war ich ein aufgeblasener Heuchler. Denn ich benutzte ja selbst einige der Maßstäbe, die ich verachtete, um daran den Erfolg meiner Tätigkeit als Geistlicher zu messen. Ich war selbst in das Räderwerk, die oberflächlichen Wertskalen und Pressebemäntelungen, verwickelt. Ich besaß eine eigene Sammlung von Forderungen, an denen ich die Geistlichkeit anderer Menschen maß. Ich war eifersüchtig auf Pastoren der „großen Kirchen" und beneidete jene, die in höhere Ämter gewählt wurden. Gerade in meiner „Offenheit", mit der ich die Fehler und Schwächen der Kirche kritisierte, machte ich mich des geistlichen Hochmuts schuldig.
Aber irgendwie dachte ich, bei der Gründung einer neuen Gemeinde alle diese Verkehrtheiten von ihr fernhalten zu können, die ich in den fest gegründeten und geordneten Kirchen sah.
Ich glaube fest, daß wir vom Heiligen Geist nach Scottsdale in Arizona geführt wurden, um dort mit der Kirche anzufangen, die bereits den Namen „Our Heritage Wesleyan Methodist Church" trug. Und wenn ich bedenke, was alles meine Denomination tun wollte, um in Scottsdale eine neue Gemeinde zu gründen, muß ich zugeben, daß ihre leitenden Männer in ihrer Vision gewiß nicht Kleinlichkeit bewiesen. Es war ganz anders als viele Pionierunternehmen, von denen ich gehört hatte: keine Ladenfront-Kirche, keine gepachteten Gebäude, kein Ausüben zweier Berufe, um meinen Lebensunterhalt verdienen zu können. Nichts von dem, was ich nötig zu haben glaubte, wurde mir verweigert: ein attraktiver Gebäudekomplex im Herzen einer aufblühenden Vorstadt, eine Wohnung, ein festes Gehalt und genügend Geldmittel für Werbung, Büroausstattung und anderes.
Wenn ich Kollegen, die mich besuchten, durch die wunderschönen
Gebäude führte, ihnen die besondere Beleuchtung, den weichen Teppichboden und die gepolsterten Kirchenstühle zeigte, sagte ich dabei theatralisch: „Das nenne ich Pionierarbeit tun!"
Mein Kirchenvorstand übernahm aber im wesentlichen nicht nur die Haftung für das „Our-Heritage-Unternehmen", er gab mir auch noch etwas sehr Wichtiges, was den Weg ebnete für einige Erneuerungen, von denen ich in diesem Buch erzählen will: Er gab mir Freiheit!
Von Anfang an hatte ich die Freiheit, zu tun, was nach meiner Meinung getan werden mußte, um die Gemeinde aufzubauen. Ein Leiter meiner Denomination sagte mir, der Distrikt wünsche zu sehen, daß in Scottsdale Menschen zu Christus kämen. Dazu dürfte ich jedes Mittel benutzen, das ich für geeignet hielte (1. Kor. 9,22).
Als wir mit den Vorbereitungen zum Umzug nach Arizona begannen, gab der Heilige Geist Audrey ein Versprechen, an das wir uns beide in diesen fünf Jahren geklammert haben. Er versprach uns eine „erneuerte" Kirche - ein Versprechen, das wir erst jetzt richtig verstanden haben: „Ich will vor dir hergehen und die krummen Pfade richtig und die dunklen Orte hell machen" (nach Jesaja). Wir haben dieses Wort all die Jahre hindurch so zitiert, aber erst, als wir dieses Buch zu schreiben begannen, merkten wir, daß es falsch zitiert war. Man muß Jesaja 40,4 und 42, 16 kombinieren, um unser Versprechen zu bekommen!
In jenen Tagen, ehe die Gemeindearbeit begann und in der ersten Zeit ihrer Entwicklung, betete ich immer wieder. „Herr, bitte baue in Scottsdale eine neutestamentliche Gemeinde!"
Ich wußte wohl nicht, was ich sagte, denn ich hatte wirklich keine Ahnung, wie eine neutestamentliche Gemeinde aussehen würde. Ich dachte an eine bekennende Gemeinde, an eine evangelistische Gemeinde. Viel mehr umfaßte mein Begriff von einer neutestamentlichen Gemeinde jedoch nicht. Ich erinnere mich, wenn ich darüber zu Gott sprach, daß ich nicht sicher war, um was ich bat. So fügten Audrey und ich unseren Gebeten hinzu: „Herr, baue sie auf deine Weise! Baue deine Art von Gemeinde hier!"
Und der Herr begann sie zu bauen - auf seine Weise.
Eine Gemeinde auch für Nichtchristen?
Wir waren von Anfang an entschlossen, nicht eine Gemeinde zu gründen, die nur Christen anzieht. Wir glaubten, daß Gott uns hierhergeführt hatte, um die Nicht-Glaubenden zu erreichen. Hierzu wollten wir vier Grundsätze beachten:
1. Nimm die Menschen an, wie sie sind!
2. Wenn in ihrem Leben etwas geändert werden muß, laß es den Heiligen Geist tun!
3. Meide die alten kirchlichen Klischees wie die Pest!
4. Stelle ein bis ins einzelne gehendes Programm auf!
Nimm die Menschen an, wie sie sind!
Wir beschlossen schon vorher: Wenn Menschen mit irgendeiner schlechten Gewohnheit, einem fragwürdigen Beruf, einer abweichenden Weltanschauung oder einer uns nicht passenden politischen Überzeugung bereit sind, mich predigen zu hören oder sich der Gemeinde anzuschließen, dann wollen wir sie aufnehmen, sie lieben und zu Christus führen. Wir wollten sie nicht bitten, erst irgend etwas zu ändern, ehe sie in unsere Gemeinde aufgenommen werden. Alle sollen, soweit das menschenmöglich ist, gleich behandelt werden.
Wir nahmen uns auch vor, niemandem die Mitgliedschaft in unserer Gemeinde zu verweigern, wenn er den Herrn Jesus liebte. Wir hatten vor, keine unschriftgemäßen Bedingungen zu stellen, wenn sich uns Menschen anschließen wollten (1. Kor. 10, 23; 12, 3. Kol. 2,20-23).
Wenn in ihrem Leben etwas geändert werden muß, laß es den Heiligen Geist tun!
Wenn wir Menschen mit Gesetzen zu zwingen versuchen, bestimmte äußere Regeln anzunehmen, die sie nach unserer Meinung „geistlicher" machen, berauben wir sie einiger kostbarer Erfahrungen mit dem lebendigen Gott selbst. Wir stecken sie in von Menschen gemachte „Boxen", engen sie geistlich ein und stehlen ihnen das einzigartige
Erlebnis, persönlich vom Heiligen Geist geleitet und unterwiesen zu werden.
Wenn wir einen anderen Menschen dazu bringen können, sein Leben so zu ändern, daß es in unsere oft antiquierten, kleinen Formen paßt, dann ist das vielleicht großartig für unser eigenes Ich, fügt aber jenem Christen in seinem persönlichen Verhältnis zu dem „Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christus Jesus" (Röm. 8, 2) einen fa5t nicht wiedergutzumachenden Schaden zu. Indem wir ihm unser eigenes Gewissen aufdrängen, töten wir in ihm etwas von der Kraft und dem Leben des Heiligen Geistes (2. Kor. 3,6). Und der wunderbare persönliche Aspekt seines Verhältnisses zu Christus wird entpersönlicht, das überströmende Christenleben reduziert auf ein Sich-Herumquälen mit leblosen Vorschriften.
Eine junge Christin war beim Lesen einer kirchlichen Zeitschrift auf einen kurzen Artikel über das Tanzen gestoßen. Sofort rief sie uns an. Audrey nahm den Hörer ab. Die junge Dame fragte: „Darf ein Christ wirklich nicht tanzen?" Sie war etwas gekränkt, als ihr meine Frau keine direkte Antwort gab.
„Sehen Sie", sagte Audrey, „ich weiß, es wäre für uns beide leicht, wenn ich mit ja oder nein antworten würde. Doch das kann Ihnen kaum helfen, zu lernen, wie man im Geiste wandeln soll. Ich würde Ihnen damit nur meine Überzeugung aufdrängen. Wollen Sie nur eine Reihe von Vorschriften haben, dann könnten Sie ebensogut ein Moslem sein. Wenn Sie aufrichtig bereit sind, das zu tun, was Gott in diesem Bereich Ihres Lebens von Ihnen verlangt, sollten Sie darüber beten, Ihre Bibel lesen (Audrey nannte ihr zwei passende Stellen), und der Heilige Geist wird Ihnen zeigen, was seine Antwort ist." Sie tat es - und der Heilige Geist tat es.
So gingen wir an noch viele andere Probleme heran. Und obwohl nicht jede Person zu derselben Überzeugung kam, lernten doch alle, daß Gottes Geist, der durch sein Wort spricht, verantwortlich und fähig ist, sie in dem Trubel des täglichen Lebens zu führen - nicht aber der Pastor oder ein kirchliches Gebot.
liche evangelische Gemeinde zu werden. Wir wurden nicht nur von Argwohn, Mißtrauen und Eifersucht geplagt, sondern erkannten auch - als wir uns jetzt selbst zu prüfen begannen - überall unsere geistliche Unreife.
Zum Beispiel: Ich predigte immer wieder darüber, daß ein Christ Zeugnis ablegen müsse. Eine bedeutende Anzahl unserer Mitglieder waren auch im „Campus Crusade For Christ Lay Institute" geschult worden, wie man anderen seinen Glauben mitteilt. Aber nur wenige sprachen regelmäßig mit jemand über Christus.
Ich predigte über das Gebet. Wir versuchten, Leute zu Gebetsstunden zusammenzubekommen. Der Erfolg war deprimierend. Meine Frau, die niemals Amen sagt, sondern den ganzen Tag lang betet, sagte mir heute, ihr sei der Gedanke, wir ständen im „Gebetskampf" nahezu allein, die schwerste aller Lasten gewesen. Soviel wir wußten, betete fast niemand. -
Wir veranstalteten nach den Gottesdiensten Geselligkeiten mit Eisessen und „Kaffeeklatsch". Wir machten Sonntagsschulausflüge, Jugend- und Kinderparties. Unsere Mitglieder tauschten in den Gottesdiensten „Freundschaftskarten" aus. Wir sorgten dafür, daß an der Tür der Kirche die Gäste begrüßt wurden, und gründeten einen „Menschenfischerklub", der Fremde einlud. Wir spielten miteinander Ball und Golf und gingen dreimal wöchentlich in die Kirche. Trotz alledem ging unsere gegenseitige Verbundenheit nicht viel tiefer als bis zu der Frage: „Was hältst du von der Hitze?"
Wir arbeiteten. Oft war ich zwei bis drei Monate hintereinander durchschnittlich achtzehn Stunden am Tag im Dienst. Es sah so aus, als würde sich nichts bewegen, wenn ich nicht den Anstoß gab. Vielleicht hätte ich schon glücklich sein sollen, daß es sich überhaupt bewegte, wenn ich den Anstoß gab. Ich habe auch erlebt, daß das durchaus nicht der Fall sein muß. Man konnte als Pfarrer sein Herzblut verströmen, und die ganze Gemeinde lag da wie ein unbeweglicher, unerbittlicher Haufen Granit!
Das Leben in der Gemeinde, ihr Programm, die Verkündigung des Evangeliums - alles schien nur von den Pastoren abzuhängen. So hatte ich das furchtbare Gefühl, vor unseren Augen würde alles zusammenstürzen, wenn Carl und mir je etwas passierte. Nennen Sie es Anmaßung oder Dummheit - vielleicht war es beides -‚ doch ich empfand es so. Ich hatte das Gefühl, als wären wir ein Haufen Säuglinge in Christo, und es sah so aus, als bestände wenig Hoffnung, daß es je anders sein würde.
Das schlimmste war, wir wußten absolut nicht, was wir dagegen tun sollten. Schließlich hatten wir ja alles, was man von einer lebendigen, bibelgläubigen evangelischen Gemeinde erwartete: eine Sonntagsschule (wir hatten sogar zwei), Gottesdienste (auch hier hatten wir zwei), einen Sonntagabend-Gottesdienst, eine Gebetsgruppe, Jugendgruppen, Chöre (fünf 1), Pastoren, ein Sonntagsblatt und ein sogenanntes Mahnblatt Mitte der Woche. Das alles hatten wir!
Und wir wuchsen. Nach zweieinhalb Jahren wurde unsere Sonntagsschule regelmäßig von 250 Zuhörern besucht. Als Ergebnis unseres Verkündigungs- und Seelsorgedienstes hatten sich fast 200 Menschen zu Christus bekehren lassen. Mehr als hundert hatten sich unserer Gemeinde angeschlossen. Nach den üblichen Maßstäben waren wir eine Kirche, die Erfolg hatte. Und ich ließ mich nur zu gern von meinen Kollegen und den führenden Persönlichkeiten meiner Denomination ehren. Schließlich bin ich ein „Erfolg".
Doch als ich in jener „kalten" Nacht, in der wir unsere Gemeindeleitungssitzung hatten, sah, wie wir wirklich waren, und ich meine Träume und Hoffnungen wieder zu sammeln suchte, fand ich den Erfolg mit bitterer Enttäuschung gemischt.

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