Der Mann in Erz, Leontine von Winterfeld-Platen

  • Der Mann in Erz, Leontine von Winterfeld-Platen

gebraucht
Bestell-Nr.: BV10163
Autor/in:    Leontine von Winterfeld-Platen
Titel:    Der Mann in Erz
Preis:    4,50 €
ISBN:    9783870470739 (früher: 3870470739)
Format:    19 x 12 cm
Seiten:    160
Gewicht:    210 g
Verlag:    Otto Bauer Verlag
Erschienen:    1993
Einband:    Hardcover
Sprache:    Deutsch
Zustand:    wie neu

Hoch über der Elbe ragen trutzig die Burgen Rathen und Hockstein. Als Mönch verkleidet, kämpft der junge Ratimer um diese Burgen seiner Väter, aus denen er unrechtmäßig vertrieben worden war. Ein schlimmes Ende droht Ratimer. Da taucht der unheimliche „Mann in Erz" auf.
Kann er ihm in seiner Not helfen?
Die Leser der bekannten Autorin historischer Erzählungen erleben hier ein Stück spannender Geschichte aus Kursachsens Vergangenheit.
OTTO BAUER VERLAG STUTTGART

Leseprobe: 

Der Wind kam von Norden und trieb ein scharfes Schneegeriesel über den Strom nach Böhmen hinein. Er pfiff über die kahlen Felskuppen und heulte stöhnend wie ein Gefesselter, wenn er sich in der Enge der schroffen Klüfte und klaffenden Schluchten fing, wo die Bergwasser zu Eis erstarrt ihre kristallenen Bogen über die gähnende Tiefe spannten. Schwer und träge schlich der Strom tief unten, denn der Wind war ihm entgegen. Weiß hoben sich die knirschenden Schollen vom schwarzen, stöhnenden Wasser, das murrend das Joch des Winters trug. Graue, zerrissene Wolkenfetzen strichen wie gepeitscht über den Himmel.
Gegenüber den Felsschroffen, die man heute die Bastei nennt, am anderen Ufer der Elbe, ragte nachtdunkler Tannenwald. Tief fegten die langbärtigen Äste unter des Nordwinds Wucht den hartgefrorenen Boden. Am Elbufer lichtete sich der Wald. Hier war die Fährstelle, wo es zur Burg Rathen hinüberging. Ein Glöcklein hing dort an einem schrägen Balken, um den Fährmann zu rufen, wenn er drüben war. Der Strick schwang zerfasert im Winde und schlug knirschend gegen das gefrorene Holz.
Unter dem Balken stand ein Mann und haschte mit der Hand nach dem tanzenden Seil. Bei seinem scharfen Ziehen wimmerte das Glöcklein wie ein krankes Kind,
dem man weh tat. Der Sturm verschlang das Wimmern, so daß es kaum auf die andere Seite hinüberdrang.
Stärker riß der Mann. Aber nur ein Krähenschwarm hob sich kreischend von den letzten Wettertannen, die wie zerzauste Wächter einzeln vorm Waldrand ragten, und stiebte, vorn Schneesturm getrieben, über das dunkle Elbwasser.
Als der Mann zum drittenmal zog, riß der zermürbte Strang. Und obwohl der Mann ein heiliges Gewand trug, nämlich Kutte und Strick, stieß er einen Fluch durch die Zähne.
„Bei König Wenzels Blut! Fährt heute keiner, weil das Eis so hoch geht? Und ich muß doch hinüber." Er spähte durch den Schneesturm. Von Zeit zu Zeit blitzte drüben am andern Ufer ein Licht auf.
Das kam von der Burg Rathen.
Da klang ein Wiehern durch den Wind. Der Mann in der Kutte drehte den Kopf. Aus dem Tannenwald hinter ihm trabte ein Fähnlein böhmischer Lanzenreiter, Männer des Romuald Niemans, Burggraf auf dem Königstein, gehorsam dem König Wenzel von Böhmen und nicht den Herzögen des askanisch-sächsischen Hauses. Denn man schrieb damals erst 1289, und der ganze südliche Teil des ehemaligen Gaues Nisani gehörte bis ins 15. Jahrhundert zur Krone Böhmens.
Der Mönch zuckte zusammen. Hinter die Böschung duckte er sich, um nicht gesehen zu werden. Aber er war dem scharfen Späherauge des Anführers nicht entgangen. Denn trotz der Dämmerung hob sich die dunkle Kutte deutlich vom hellen Schnee ab. Der Böhme stieß seinem struppigen Pferd, dem der Wind Mähne und Schweif kerzengerade nach vorne trieb, die Knie in die mageren Flanken. Er ritt direkt auf das Elb


ufer zu, wo der Mönch, am Boden geduckt, sich verbarg. Dann rief er ein scharfes Wort über die Schulter zurück. Die Böhmen bildeten einen Halbkreis, die Lanzen vorgestreckt. So trabten sie gegen den Fremden an.
Der vorderste lachte und strich sich die tief herunterhängenden Enden seines Schnauzbartes, der dieselbe unbestimmte Farbe hatte wie das Haupthaar, das in lauter straffen, zottigen Zöpfen unter der Pelzmütze hervorhing. Wieder drehte er sich nach seinen Gefährten um und rief, daß die weißen Zähne blitzten, in gut böhmisch: „Ein Straßenhund, bei Sankt Urban, den wir fangen müssen. Denn wenn der Kerl kein schlechtes Gewissen hätte, müßte er sich nicht verstecken."
Sie hatten jetzt den Mönch umzingelt. Der war aufgesprungen und stand steil vor ihnen, die Fäuste geballt.
Der Böhme beugte sich ein wenig vor und sah dem andern spähend ins Gesicht. Aber Schneetreiben und Dämmerung ließen ihn keine klaren Umrisse mehr erkennen. Nur, daß des andern Gesicht scharf und hager war und die Augen tief in ihren Höhlen lagen, wie bei einem, der lange krank gewesen war, das sah man undeutlich. Die Rechte des Mönches zuckte unter der Kutte, als suche sie dort eine Waffe.
Der Böhme stemmte die Linke in die Seite und krauste die Stirn.
„Was tust du hier? Warum verbirgst du dich vor uns? Sprichst du böhmisch oder deutsch?"
Der Mönch zuckte die Achseln. „Da du drei Fragen auf einmal stellst, muß ich dir dreimal antworten. Ich tue dasselbe wie du. Arbeite mich durch den Schneesturm unter ein schützendes Dach. Ich verbarg mich...

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