Der Schulmeister und sein Sohn, Karl Heinrich Caspari, Jörg Erb #2

  • Der Schulmeister und sein Sohn, Karl Heinrich Caspari, Jörg Erb #2

gebraucht
Bestell-Nr:     BN0674
Autor:       Karl Heinrich Caspari, Jörg Erb
Titel:     Der Schulmeister und sein Sohn. Eine Erzählung aus dem Dreißigjährigen Krieg
Preis:     2,90 €
ISBN:     3501002335

Verlag:     St.- Johannis-Druckerei
Jahr:     1969
Einband:     Taschenbuch
Seitenzahl:     110
Format:     18x11cm
Zustand:     leichte Gebrauchsspuren
Gewicht:     130 g

Jörg Erb Jahrgang 1899, Volksschullehrer, war im alemannischen Sprachgebiet beheimatet und wohnte in Hinterzarten im Hochschwarzwald. Urheber des Evangelischen Namenkalenders, dessen Gestalten er in dem vierbändigen Werk »Die Wolke der Zeugen« dargestellt hat. 1960 Verleihung der theologischen Ehrendoktorwürde durch die Universität Heidelberg.
Unter sorgsamer Schonung der Urfassung erzählt Jörg Erb die von Karl Heinrich Caspari, dem ehemaligen Pfarrherrn von Sommerhausen, stammende Geschichte vom Schulmeister und seinem Sohn. Sein Vater hat sie ihm noch beim Schein der Erdöllampe vorgelesen. Die in der Erzählung genannten Schlachtorte Friesenheim und Wittenweier liegen in seiner Heimat, und von seinem Ruhesitz Hinterzarten ist es nur eine knappe Autostunde hinüber nach Breisach am Rhein, das in der Erzählung eine so große Bedeutung spielt. Sooft er in seinem langen Lehrerleben die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges darzubieten hatte, las er seinen Schülern dieses Zeitgemälde jener bösen Jahre vor, das auch »Der verlorene Sohn« heißen könnte. In der sprachlichen Neufassung und mit den Zeichnungen von Paula Jordan wird diese wertvolle Volkserzählung aufs neue den Weg zu den Herzen finden.

Soli Deo Gloria

Mit Gottes Hilfe will ich, Ulrich Gast von Sommerhausen im Frankenland, aufzeichnen, was sich mit mir begeben hat in der bösen Zeit des großen Krieges, der dreißig Jahre lang das deutsche Land verwüstet und über seine Menschen namenloses Elend gebracht hat. Zwar bin ich weder ein Feldherr noch ein Staatsmann, der Weltereignisse aus erster Hand darbieten könnte, sondern nur ein Schulmeister, der 40 Jahre lang die Jugend des Städtleins Tag für Tag gelehrt und in Gottes Wort unterwiesen hat; und wenn meine Arbeit mitunter nicht vergeblich gewesen ist, so weiß ich doch, daß nicht derjenige etwas gilt, der pflanzt und begießt, sondern allein der, der das Gedeihen gibt. Doch Wunder erzählen von dem Gott, der hilft und rettet, das vermag auch ich, und darum will ich mit meinem Lied nicht zurückhalten: Soli Deo Gloria! Dem Herrn allein die Ehre!
Mein Vater war ein Schneider drüben in Winterhausen über dem Main. Die Mutter habe ich nicht gekannt; kaum daß sie mich geboren hatte, nahm sie Gott zu sich in die Ewigkeit. Da ich meines Vaters einziges Kind war, meinte er, ich sollte ein besseres Brot essen als er, und bestimmte mich zu einem Schulmeister. Da hab ich zuerst Lesen, Rechnen und Schreiben gründlich gelernt, auch Latein bei dem seligen Pfarrherrn Thüngersheim. Danach übte ich mich im Schulhalten und wurde schließlich vom Rat in Sommerhausen mit dem Amt des Schulmeisters betraut.
Es haben sich an jenem Tag manche Leute über meine Anstellung gefreut, zwei Menschen aber ganz besonders: mein alter Vater und Margarethe Spethin, der ich nun meine Hand vor dem Altar geben konnte. Sie ist schon lang bei Gott und trägt das Feierkleid der Vollendeten,
während ich alter, verlassener Mann noch im Werktagsrock einhergehen muß und mit nassen Augen daran denke, daß sie mit allen unseren Kindern Gott schaut von Angesicht zu Angesicht.
Das Städtchen Sommerhausen liegt im Frankenland zwischen Würzburg und Ochsenfurt und führt mit Recht in seinem Wappen die Sonne, die eine Rebe bescheint; denn Getreideland liegt wenig in seiner Feldmark, dafür um so mehr Rebgelände. Der Main, von Bamberg herunterkommend, strömt an seinen Mauern vorbei Würzburg zu und trägt in friedlichen Zeiten manches Schiff.
Hier bin ich fröhlich und voll guter Hoffnung an mein Tagwerk gegangen; hier halbe ich („-s Tages Last und Hitze getragen; hier will ich, wenn es Gottes Wille ist, auch die letzte Stunde schlagen hören, wenn der Herr des Weinbergs zum Feierabend ruft.

Valentin, der Sohn
Am 12. Oktober 1613 wurde unser erster Sohn geboren. Es war an einem kalten, stürmischen Herbsttag, und doch, als ich in das schwarze fliegende Gewölk hinausschaute, hatte ich des Sonnenlichts genug im Herzen, und da ich das Knäblein zum erstenmal auf den Armen hielt, war es mir, als hätte der gnädige Gott alle Seile der Liebe um uns geschlungen. Als Pate hielt ihn Valentin Orplich, der Bäcker, über die Taufe und legte ihm den Namen
Valentin bei.
Den Knaben in Gottesfurcht zu erziehen, war unser Anliegen; daß dem menschlichen Bemühen Grenzen gezogen sind, das hatte ich schon in der Schule erfahren. Aber gewollt habe ich es redlich, und Margarethe wußte in ihrem Herzen immer noch einen guten Rat, wenn ich
mit meiner Weisheit am Ende war. Das Herz des Kindes ist wie weiches Wachs, das Bild des Heilands läßt sich ihm einprägen; in späteren Jahren kann das nicht mehr geschehen, es sei denn, das Herz werde in heißer Trübsal wieder weich. In seinem sechsten Jahr nahm ich ihn in die Schule, und bald konnte er den Morgen- und Abendsegen mit lauter, klarer Stimme ohne Stocken beten. Unter der Jugend des Städtchens gewann er früh ein großes Ansehen, denn er war klug und mutig, und dabei hatten ihn doch alle gern als einen guten Kameraden, weil er ein weiches Gemüt hatte und gegen jeden hilfsbereit war. Des Schenkwirts Büblein hat er, wiewohl er selber erst zehn Jahre zählte, unter den Hufen der Pferde hervorgerissen, schenkte ihm, als es nicht aufhören wollte mit Weinen, seine Sonnenuhr von Messing und ist dann weitergegangen, als ob nichts geschehen wäre. Im Hungerjahr 1622 hat er sein Stücklein Brot, das klein genug ausfiel, mit den Nachbarskindern geteilt, die unter den

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