Im Schatten der Nacht, Dave Hunt

  • Im Schatten der Nacht, Dave Hunt
gebraucht
Bestell-Nr.: BN9592
Autor/in:    Dave Hunt
Titel:    Im Schatten der Nacht
Preis:    4,50 €
ISBN:    9783861220534 (früher: 3861220539)
Format:    20,5 x 13,5 cm
Seiten:    448
Gewicht:    455 g
Verlag:    Francke-Buchhandlung
Erschienen:    1993
Einband:    Paperback
Sprache:    Deutsch
Zustand:    leichte Gebrauchsspuren
Schon von Kindesbeinen an wird Ari Thalberg in der DDR zur Elite der Partei erzogen. Er soll mithelfen, dem Staat die Dominanz in der zukünftigen Weltordnung zu sichern. Aber was die Partei nicht weiß: Ari führt ein Doppelleben. Das loyale Parteimitglied organisiert heimlich den Widerstand unter Studenten, um den Kommunismus abzuschaffen.
Doch die Verschwörung wird entdeckt, das Schicksal scheint besiegelt. Er wird zum Flüchtling ohne Heimatland. Es gibt nur eine Nation, die bereit ist, ihn aufzunehmen. Bald wird er vor die Entscheidung gestellt: entweder die Führung einer neuen Weltordnung oder das Verderben. Schließlich muß Ari erkennen, dass es ganz andere Kräfte sind, die sein Schicksal lenken.
Eine packende und spannende Erzählung vom Autor des Buches »Die letzte große Verschwörung«.
ISBN 3-86122-053-9
 
Leseprobe: 1. Verrat! Leipzig Ende April 1964
Das schrille Klingeln des Telefons drang nur gedämpft und wie aus weiter Ferne in die Tiefen von Aris beinahe besinnungslosem Schlaf. Aber es klingelte weiter, mit unbarmherziger Beharrlichkeit, kam immer näher und wurde lauter und lauter. Das disharmonische, sich wiederholende Gerassel schien zunächst Teil seines seltsam vertrauten Alptraums zu sein. Er wurde, wie immer, verfolgt. Gespenstische Gestalten, bewaffnete Männer in schwarzen Anzügen - einer davon kam ihm bekannt vor, er konnte ihn jedoch nirgends einordnen - sprangen ihm auf seiner Flucht ununterbrochen aus den dunklen Winkeln seines Gehirns in den Weg, bis er schließlich umzingelt war und ihm keine Fluchtmöglichkeit mehr blieb.
Irgendwo ging eine Alarmanlage los. Während ihr Läuten anschwoll, vermehrten sich die Gespenster, bis sie zu einer dämonischen Horde geworden waren, mit unheimlichen, drohenden Gesichtern und gewaltigen Waffen, die ihre Hände nach ihm ausstreckten und ihn ergreifen wollten. Er hatte die beunruhigende Gewißheit, daß er all dies schon einmal erlebt hatte - eine Gewißheit, durch die sich die panische Angst dieses Erlebnisses auch noch mit Verwirrung mischte. Warum mußte er das immer und immer wieder durchleben?
Ari begann, sich in die Realität zurückzukämpfen - entsetzlich langsam, wie ein Taucher, dessen Lungen schon beinahe platzen und der voller Angst versucht, an die Oberfläche zu kommen. Schließlich -war er halb bei Bewußtsein. Das Telefon ...!Endlich wurde ihm klar, daß das gellende Geräusch von etwas Bekanntem erzeugt wurde. Er tastete nach dem Gerät neben seinem Bett, warf es auf den Boden, suchte erneut und bekam endlich den Hörer zu fassen. Ausgerechnet heute nacht, wo er so dringend Schlaf brauchte!
„Hallo .. ,?"
„Ich muß mit Fritz sprechen."
„Fritz ...?"
„Ich rufe aus Berlin an und muss Fritz sprechen! Es ist dringend!" „Hier gibt es keinen Fritz. Was für eine Nummer ...?<`
Mitten im Satz hörte er ein Klicken. Die Leitung war tot. Ari warf wütend den Hörer auf und machte eine Lampe an, um auf seine Armbanduhr zusehen: 22.04 Uhr. Erst zwei Stunden Schlaf in den letzten 48 Stunden hatte er so gut wie keinen Schlaf bekommen und mußte das irgendwie nachholen. Es durfte keine weiteren Störungen geben. Er streckte die Hand aus, um den Hörer neben das Telefon zu legen - und erstarrte.
„Fritz?" Der Name löste eine instinktive Reaktion aus, die ihn aus dem Bett springen ließ. Einen kurzen Moment stand er unschlüssig da. Seine Haltung ließ die sofortige und katzengleiche Wachsamkeit des Jägers - oder des Gejagten - erkennen. Ari versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Er fuhr sich mit den Fingern durch das dichte, ungekämmte schwarze Haar, das ihm zerzaust in die breite Stirn fiel. Sein Schlafanzug spannte an einigen Stellen und verriet seine breiten Schultern, den großen Umfang seines Brustkorbes und die kräftigen Hüften, so daß er mit seinen 1,78 Metern mehr einem Spieler der amerikanischen Football-Nationalliga ähnelte als einem deutschen Intellektuellen.
„Für Fritz... aus Berlin!" murmelte er laut, und plötzlich fiel es ihm ein. Nein, es konnte nicht sein ... aber es gab keine andere Möglichkeit. Kein Wunder, dass die Stimme angespannt geklungen hatte. Es war keine falsche Nummer gewesen! Wie lange war es her, daß sie diese Warnung geplant hatten - in der Hoffnung, sie niemals einsetzen zu müssen! Zwei Jahre? In rascher Folge erschienen lebhafte Bilder vor seinem inneren Auge. Eine friedliche, beinahe zu geordnete Studentendemonstration an der Leipziger Universität hatte sich in die Straßen der Stadt ergossen. Es waren etwa 500 Demonstranten, die da marschierten, und ihre Zahl nahm allmählich zu. Glücklich, daß sie endlich den Mut gefunden hatten, etwas zu tun, riefen sie laut und im Gleichklang: „Wahrheit und Ehrlichkeit - freie Wahlen ... Wahrheit und Ehrlichkeit - freie Wahlen ..." Wie naiv sie doch gewesen waren!
Er war ganz vorne marschiert - einer der sechs fest entschlossenen Organisatoren, ein 18-jähriger Idealist, der zu einem eingeschworenen Gegner jenes Marxismus geworden war, in dem man ihn erzogen und an den er einst geglaubt hatte. Im Alter von zehn Jahren war An von der winzigen Dorfschule „versetzt" worden. Er gehörte zu einem Dutzend handverlesener, außergewöhnlich intelligenter Schüler, die jeden Tag zu einer besonderen naturwissenschaftlichen Schule im nahegelegenen Wittenberg gefahren wurden, wo er sieben Jahre verbrachte, bevor er auf die Universität ging. Dort hatte er den luxuriösen Lebensstil der führenden Parteimitglieder mit eigenen Augen gesehen und selbst gekostet, und dort hatte auch seine Desillusionierung begonnen.
Zunächst war er von der großen Ehre überwältigt und fühlte sich von den berauschenden Versprechungen, die ihn zu etwas Besonderem machten, geschmeichelt.
Aber schließlich kam der Tag, an dem er die scheußliche Günstlingswirtschaft durchschaute. Sie brachte die schändliche Korruption hervor, die er überall in den höheren Rängen des DDR-Regimes erlebte - und er haßte sie. Er brauchte nicht lange, um zu erkennen, daß diese Korruption das unvermeidliche Ergebnis des totalitären Marxismus war.
Und es dauerte auch nicht lange, bis Ari bemerkte, daß man sehr plötzlich und aus den unerfindlichsten Gründen bei dem Regime in Ungnade fallen konnte. Der Staatssicherheitsdienst hatte überall seine Informanten. Die geheimen Fühler der Stasi reichten sogar in die Klassenräume und bis in die Familien, wo die Schüler und die Familienangehörigen sich gegenseitig ausspionierten. Ob man überlebte oder nicht, hing davon ab, daß man auch nicht die leiseste Kritik an der Regierung äußerte. Und man mußte auch aufpassen, daß man sie nicht zu sehr lobte - selbst gegenüber Freunden und Verwandten. Das verabscheuungswürdige System zerstörte bewußt jedes natürliche Vertrauen und sorgte dafür, daß enge und vertraute Beziehungen einen unschätzbaren Wert hatten - und daß sie selten waren.
Im Laufe der Jahre war Ans Haß auf alles Marxistische zu einer Leidenschaft geworden. Die Protestkundgebung an der Leipziger Universität war der Höhepunkt einer Frustration und Wut gewesen, die schon lange in ihm gekocht hatten, bis sie schließlich ein Ventil brauchten. Er hatte gewußt, daß es ihn alles kosten würde. Aber er war an den Punkt gelangt, wo er bereit war, den Preis zu zahlen. Ihm war klar, daß es verrückt war, aber das machte ihm nichts mehr aus.
Jetzt, in diesem kurzen Moment des Zögerns, während er neben seinem Bett stand, sah er es alles noch einmal - den Horror, den er unzählige Male aufs Neue durchlebt hatte. Plötzlich waren die Polizisten da! Hunderte von ihnen! Sie gingen frontal auf sie los, prallten auf die Spitze jenes friedlichen Marsches wie Geier, die über totes Fleisch herfallen und es zerreißen. Kalte, höhnische Gesichter sahen sie heimtückisch durch schwere Visiere an, die das ganze Gesicht abdeckten. Lange Knüppel wurden durch die Luft geschwungen und spalteten die Köpfe mit einem durchdringenden Krachen, das selbst jetzt noch Übelkeit in ihm erzeugte. Aus den Augenwinkeln sah er den Schlag

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