Um Füße bat ich und er gab mir Flügel Füsse, Dorothy C. Wilson

  • Um Füße bat ich und er gab mir Flügel Füsse, Dorothy C. Wilson
gebraucht
Bestell-Nr.: BN0658-20
Autor/in: Dorothy C. Wilson
Um Füße bat ich und er gab mir Flügel
Preis: 3,50 €
ISBN:    3417201462 (ISBN-13: 9783417201468)
Format: 11 x 18 cm
Seiten: 227
Gewicht: 200 g
Verlag: R.Brockhaus
Einband: Taschenbuch
Sprache: Deutsch
Zustand: leichte Gebrauchsspuren, etwas abgegriffen
Kurzinfo:
Die junge indische Ärztin Mary Verghese wird kurz nach ih­rem Examen bei einem Autounfall so schwer verletzt, dass sie querschnittgelähmt bleibt und für den Rest ihres Lebens auf einen Rollstuhl angewiesen ist. 
 
Sie geht durch tiefe Verzweiflung und viele Anfechtungen, bis es ihr nach einigen Operationen und unermüdlichem Training wieder möglich wird, ihren Beruf als Spezialchirur­gin auszuüben. Schon bald ist sie auf ihrem Fachgebiet eine Kapazität. Nun beginnt sie sich nach einer Möglichkeit um­zusehen, Menschen die Rückkehr in ein normales leben zu erleichtern, die ein ähnliches Schicksal haben wie sie. 
____________________________________ 
 
Es war ein Oktober tag im Jahre 1958. Dr. Hugh Johnson, Spezialist für plastische Chirurgie, band sich im Gefühl gespannter Erwartung die Maske um.» Du musst Dr. Mary operieren sehen «, hatte ihm ein begeisterter Kollege gesagt. »Sie ist mehr als eine gute Chirurgin. Sie ist eine Künstlerin.« Dr. Johnson betrat den Operationssaal und ging auf die schlanke Gestalt zu, die an einem niedrigen Tisch im Lichtkreis der Operationslampe saß. Es war nichts Ungewöhnliches, daß eine Frau als Chirurgin tätig war. Denn hier in Vellore/Südindien, im Krankenhaus des Christian Medical College, das Dr. Ida Scudder gegründet hatte, war die Hälfte der Studierenden und mehr als die Hälfte der jungen Ärzte Frauen. Es war auch nichts Ungewöhnliches, daß die Chirurgin bei der Arbeit saß. Denn Operationen an der Hand erfordern peinliche Genauigkeit. »Dr. Hugh Johnson - Dr. Mary Verghese «, stellte eine Schwester den Besucher vor Als der amerikanische Arzt näher trat, hoben sich grüßend ein Paar dunkle, fröhliche Augen zu ihm empor, die auf ein hübsches Mädchengesicht hinter der Operationsmaske schließen ließen. Er stellte sich neben den kleinen Tisch und sah interessiert zu, wie die junge Chirurgin Sehnen transplantierte, um eine durch Aussatz verkrüppelte Hand wieder brauchbar zu machen. Diese Operation war noch verhältnismäßig neu und unbekannt. Ein englischer Arzt, Dr. Paul Brand, hatte sie sich ausgedacht und hier im Medizinischen Zentrum von Vellore als erster ausgeführt.» Ich habe schon viel von ihnen gehört, Dr. Verghese«, sagteDr. Johnson freundlich. 
 
Sie sah ihn aufmerksam an. »Was haben Sie gehört?« fragte sie schnell.»Daß Sie Expertin für diese Operation sind.« »Oh, das ist schön!« Ihr Blick wurde warm. »Hoffentlich stimmt es! Wenn ja, dann haben Sie etwas Hörenswertes von mir gehört.« Sie wandte sich wieder ihrer kunstvollen Arbeit zu, löste die Sehne eines Muskels im Handgelenk aus ihrem Ansatz, nähte ein Sehnenstück, das sie dem Unterarm entnommen hatte, daran und spaltete es in vier Stränge. Diese Stränge führte sie durch die Sehnenscheiden der Hand hindurch und nähte sie an die Sehnen auf den Fingerrücken. Nach der Verheilung und entsprechender Therapie würde der Patient die Finger wieder bewegen, zufassen, ja sogar mit Werkzeugen hantieren können. 
 
Hin und wieder sprach Dr. Mary beruhigend mit dem Mann, der bei vollem Bewußtsein war. Der amerikanische Arzt betrachtete ihn mit ganz besonderem Interesse; denn auf dem Gebiet der plastischen Chirurgie waren psychologische Faktoren für die Art der Behandlung oft wichtiger als physische. Was für Gefühle verbargen sich hinter dem unbewegten Gesicht des Mannes? Hoffnung? Resignation, wie man sie in Indien häufig bei Kranken findet? Verbitterung, weil die Chirurgin so geschickte Finger und eine so glatte Haut hatte, während seine Hand nur eine Klaue und sein Gesicht durch Aussatz entstellt war? In den Augen des Patienten, die gespannt auf das maskierte Gesicht der Ärztin gerichtet waren, war nichts von Verbitterung zu lesen; nur eine Ergebenheit, die Dr. Johnson überraschte. 
 
Während er die schwierige Operation weiter verfolgte, wuchs seine Bewunderung für die junge Chirurgin. »Man hat mir erzählt, Dr. Ida sei wegen ihrer Geduld und außerordentlichen Sorgfalt beim Operieren bekannt«, sagte er. »Sie verstehe es, mit den Geweben des menschlichen Körpers umzugehen. Es sei fast, als könne sie sie neu schaffen. Ich glaube, Sie sind ihr sehr ähnlich.« 
»Danke schön!« Dr. Marys Augen strahlten, als sie zu dem amerikanischen Arzt aufblickte. »Das ist das höchste Lob, das man einer Frau, die in Vellore studiert hat, aussprechen kann. Auch wenn es nicht zutrifft!« fugte sie schalkhaft hinzu. Die Operation war zu Ende, die Hand sorgfältig eingegipst. Dr. Johnson wartete, daß sich Mary Verghese nun erheben und mit ihm den Operationssaal verlassen sollte. Statt dessen kam ein Wärter herein, griff nach dem Stuhl und rollte ihn hinaus. Entgeistert starrte der Amerikaner hinter ihr her. Er hatte nicht einmal bemerkt, daß sie in einem Rollstuhl saß. 
 
Noch erstaunter war er, als er in den angrenzenden Waschraum trat und sah, daß sie sich schon für die nächste Operation die Hände bürstete. »Der Fall, der jetzt an die Reihe kommt, wird Sie ganz besonders interessieren«, sagte sie mit unverminderter Frische. »Es ist eine Sehnentransplantation am Daumen. Die Lähmung hat aber auch schon den ersten dorsalen Zwischenknochenmuskel der Hand befallen. Ich wünschte, ich könnte die Vertiefung so gut ausfüllen wie Sie.«
»Wie wär's, wenn ich Ihnen helfen würde?« erwiderte Dr. Johnson prompt. »Ich habe meine Instrumente zwar nicht hier, kann sie aber schnell von College Hill herüberholen. Bis Sie mit dem Daumen fertig sind, bin ich wieder zurück.« 
»Das wäre herrlich!« rief Dr. Mary. »Wie wird sich dieser junge Bursche freuen! Bei einem Aussätzigen ist es so ungemein wichtig, daß man ihm nichts ansieht.« 
»Ich glaube bestimmt, daß man hier eine Hauttransplantation vornehmen kann«, sagte Dr. Johnson. »Die gleiche, wie wir sie bei Vertiefungen an der Wange machen.« 
 
»An einer Wange wie dieser?« 
Mary Verghese hatte ihre Maske abgestreift. Der amerikanische Arzt konnte kaum sein Erschrecken verbergen. Das Mädchengesicht vor ihm war durch eine furchtbare Narbe entstellt. »Nun - nein«, brachte er mühsam hervor. »Ich fürchte, das ist zu tief für eine Hauttransplantation. Da müßte schon eine Knochentransplantation gemacht werden. Aber warum -?«Er brach ab und fuhr dann zögernd fort: »Sie haben doch gute Chirurgen hier -« 
»Sie meinen, ich hätte das gleich richtig machen lassen sollen? Ja, ich habe wohl nicht genug Zeit gehabt. Ich hatte zu viel zu tun.« 
Als sie hinausgefahren worden war, fragte Dr. Johnson 
einen Wärter: »Warum hat man mir nichts davon gesagt?« »Wovon denn, Sir?« 
»Von Dr. Mary! Von-« »Ach, Sie meinen von ihrem Unfall?« 
»Wie ist denn das passiert?« Der Arzt nahm die Maske ab und fuhr sich mit dem Taschentuch über das erhitzte Gesicht. 
»Ein Autounglück, Sir! Ein Bus mit Ärzten und Studenten überschlug sich. Dr. Mary hatte die schlimmsten Verletzungen. Es ist zum Staunen, wie gut sie als Gelähmte fertig wird.« 
»Als Gelähmte?« »Ja, Sir. Sie ist von der Hüfte abwärts gelähmt.« 
»Aber -« Der Arzt fand keine Worte. »Es ist doch komisch, daß mir niemand etwas gesagt hat!« 
Der Wärter war verlegen. »Ich glaube, daran haben wir gar nicht gedacht, Sir. Jeder hier im Krankenhaus sieht in Dr. Mary nichts als die fabelhafte Chirurgin.« 
Was ist das für eine junge Frau, dachte Dr. Johnson, die die Leute glauben macht, es sei unwichtig, wenn man sein hübsches Gesicht verliert und die Hälfte seiner Glieder nicht mehr gebrauchen kann?

Neue Bewertung

Bitte anmelden oder registrieren um Bewertung zu verfassen


Verfügbarkeit: noch 2 Exemplare

Bestseller

Jesus unser Schicksal, Wilhelm Busch

Jesus unser Schicksal, Wilhelm Busch

gebraucht Bestell-Nr.: BN0580-20 Autor/in:    Wilhelm Busch Jesus u..

2,90€ Netto 2,71€

Ist die Bibel glaubwürdig, Roger Liebi

Ist die Bibel glaubwürdig, Roger Liebi

gebraucht Bestell-Nr:     BN2477 Autor/in:    Roger Liebi Ist die B..

4,50€ Netto 4,21€

Leid Warum lässt Gott das zu? Peter Hahne 2#

Leid Warum lässt Gott das zu? Peter Hahne 2#

gebraucht Bestell-Nr.: BN1244 Autor/in:    Peter Hahne Leid - Warum..

2,90€ Netto 2,71€

Warum lässt Gott es zu? Arthur Ernest Wilder-Smith

Warum lässt Gott es zu? Arthur Ernest Wilder-Smith

gebraucht Bestell-Nr.: BN0559 Autor/in: Wilder Smith, Arthur E ..

2,90€ Netto 2,71€