Seiner Hand entreißt mich nichts, Karl Hesselbacher

gebraucht
Bestell-Nr.: BN6345-20
Autor/in: Karl Hesselbacher
Seiner Hand entreißt mich nichts
Preis: 4,50 €
Format: 18,5 x 12,5 cm
Seiten: 62
Gewicht: 101 g
Verlag: Sonnenweg
Erschienen: 1974
Einband: Taschenbuch
Sprache: Deutsch
Zustand: leichte Gebrauchsspuren
 
Die Erzählungen dieses Bandes hat der bekannte Autor Karl Hesselbacher über einen längeren Zeitraum geschrieben und gesammelt. Sie handeln von Begegnungen und Erlebnissen mit Menschen und sind in ihrem Kern dem Leben abgelauscht. Die Gestalten seiner Kurzgeschichten spiegeln die gesellschaftliche Situation der 20er und 30er Jahre wider. Viele ungelöste soziale Probleme erschweren die Lebensbedingungen der Menschen. Gerade darin werden schlichter Glaube und echte Herzensfrömmigkeit sichtbar.
Karl Hesselbacher richtet mit seinem Buch gleichsam eine zweite Kanzel auf, von der aus er Gottes Wirken im Alltag nachspürt - vielleicht eindringlicher, als es eine Predigt vermag. Seine Sprache ist immer noch wirklichkeitsnah. Sein offener Blick für den Menschen verrät den Seelsorger. Er kann den Angefochtenen trösten, den Fragenden gewiß machen: Seiner Hand entreißt mich nichts.
 
Aus dem „Ja" leben
Prüfet, was da sei wohlgefällig dem Herrn! Epheser5, 10
Sie war ein rührender Mensch, die Roswarth-Bärbel. Eines der tapfersten Menschenkindör, die ich kennengelernt habe. Sie ist längst von dieser Erde abgerufen worden aus all dem vielen, was sie zu tragen hatte. Aber wenn sie heute diesen Satz lesen würde, daß ich sie eines der tapfersten Menschenkinder auf der Erde nenne, würde sie gar nicht begreifen, warum ich „ihr soviel Ehre antue". Sie selbst hätte sich nie tapfer genannt. Im Gegenteil! Sie kam sich als ein recht verzagtes Seelchen vor, das sich im Winkel verkroch und beinahe um Entschuldigung bitten mußte, daß es wagte, überhaupt noch da zu sein.
Sie war die Frau des Waldhüters Roswarth. 
Man erzählte mir, daß sie in der Jugend eines der schönsten Mädchen in ihrem Ort gewesen sei. Jetzt sah man nichts mehr davon. Wenn sie sich durch die Straßen schleppte, war der Oberkörper so weit heruntergebeugt, daß er in einer Linie ging mit dem Erdboden. Und sie mußte sich mühselig an einem hagebuchenen Stock halten, den ihr Mann ihr einmal zurechtgeschnitten hatte. Sie hatte in kurzer
Zeit neun Kindern das Leben geschenkt. Von den neun hatte sie vier zu Grabe geleiten müssen. Und bei jedem war ein Stück ihres Mutterherzens da drunten unter der schwarzen Erde geblieben. Sie konnte von den Gestorbenen nie erzählen, ohne daß ihre Augen feucht wurden. Die heranwachsenden Kinder führte sie liebevoll, solange sie sich führen ließen. Dann flogen sie hinaus und suchten ihre eigenen Nistplätze. Sie kamen selten zurück ins kleine Haus am Bergrand. „Sie haben genug für sich zu schwimmen und zu waten", sagte die Roswarth-Bärbel. Damit hatte sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Man muß nicht darüber zetern, daß das vierte Gebot unter den jungen Leuten nichts mehr gelte. Die Kinder, die rechte und echte Kinder sind, haben ihre Eltern heute noch gerade so lieb wie vor Jahrhunderten. Aber wenn sie nun selber in der Armut stecken? Ist es ein Wunder, daß dann Vater und Mutter nicht mehr viel von ihnen sehen? Und die Roswarth-Bärbel verlangte von ihren Kindern nichts, was sie nicht leisten konnten.
Damals, als sie das Wort vom „Schwimmen und Waten" sagte, merkte ich zum ersten Mal, daß sie eine Tapfere war. Denn ihr Mann saß grämlich am Ofen. Er war vom Wald heimgekommen und sein „Kreuz" schmerzte ihn. Er sehnte sich nach dem Ausspannen. Aber er mußte verdienen, solange er atmen konnte. Und darum kam es ihm mißlaunig aus dem Mund: „Wenn man fünf große Kinder hat, sollte man es mit fünfundsechzig Jahren ein wenig leichter haben! Aber die schauen nicht herum nach unsereinem. Kommen nur, wenn sie haben wollen. Bringen - das fällt ihnen nicht ein!" Und gut und zart kam die Stimme von dem Bett der Bärbel: „Vater, du weißt doch, die haben selber genug zu schwimmen und zu waten. Und gemangelt hat es bei uns noch nicht. Es ist immer etwas in der Küche, wenn du heimkommst aus dem Wald. Und den Groschen für den Sonntagnachmittag hast du noch nie missen müssen!'
Der Mann schwieg.
Daß dir deine Frau soviel Not macht, das tut mir freilich bitter weh. Aber du weißt, daß ich nichts dafür kann! Es wäre gut, du hältst noch ein wenig aus! Der Herrgott weiß, wann er unser Kreuz aufhören läßt. Meine Mutter hat immer, wenn wir ungeduldig werden wollten, gesagt: Draußen, wo der Roßberg steht, ist ein Acker, der heißt: ‚Kreuzwende-dich!' Dorthin sollen im großen Krieg die Alten gegangen sein und gerufen haben: ‚Kreuz, wende dich!' Und ein paar Wochen darauf ist Friede geworden. Seither sagt jeder, das Kreuz geht nicht ewig, sondern wendet sich, wann es Zeit ist! Vater, es gibt auch für dich ein ‚Kreuz-wende-dich!"
Da hob der Mann den Kopf: „Wenn du nur nicht so reden würdest, Bärbel! Du weißt, daß ich ohne dich gar nicht leben möchte!"
Und über das Gesicht der Leidenden ging ein lichter
 
Schein: ‚Bist eben doch mein guter Mann, wenn du auch oft brummst. Und trägst dein elendes Weib, solange es dich braucht! Und bist gut und sagst, du würdest mich brauchen!"
Er aber stand auf und nahm ihre gichtigen Finger so zart in seine grobe Faust, als die harten Waldfinger es nur vermochten: „Mutter, bleib bei mirl"
Das sagte genug.
 

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