Sie kamen übers Dach

Sie kamen übers Dach
Das Fest bei Zacharias
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht auf dem Gebirge: »Der alte Priester Zacharias hat einen Sohn! Übermorgen ist der Tag der Namensgebung.« Einer sagte es dem andern weiter, und überall freuten sich die Freunde und Nachbarn. Wußten sie doch, wie sehr Elisabeth gelitten hatte, weil sie kein Kindlein ihr eigen nennen durfte. »Kommst du denn auch?« fragte einer den andern. »Natürlich! Diese lieben Leute sollen wissen, wie sehr wir uns mit ihnen freuen.«
Und so wurde die kleine Hütte des Zacharias fast zu klein, als einer nach- dem andern anklopfte und mit guten Wünschen eintrat. Elisabeth und Zacharias freuten sich riesig. Dann kam der feierliche Augenblick, in dem das Kindlein seinen Namen bekommen sollte.
Aber warum war denn solche Aufregung? Die Mutter saß da und schüttelte nur immer wieder den Kopf. Ganz erregt wurde sie. »Nein«, rief sie zum fünften, sechsten, ach wievielten Male, sie wußte es selbst nicht mehr. »Nein, er heißt nicht Zacharias, sondern Johannes.« »Aber Frau, hör doch«, mischte sich endlich ein alter Freund der Familie ein. »In Eurer ganzen Verwandtschaft gibt es keinen Johannes. Und es ist das einzig Richtige, wenn ihr den Jungen nach seinem Vater Zacharias nennt. So machen wir es doch alle. Warum bist du nur so hartnäckig?«
Aber Elisabeth schüttelte unnachgiebig den Kopf. »Guter Freund, dies Kind hier ist ein besonderes Kind. Und wir müssen Gott gehorchen. Er will, daß es Johannes heißt.« Die andern konnten diese Hartnäckigkeit nicht mehr länger mit ansehen. Einer holte eine kleine Wachstafel und hielt sie dem Priester hin. »Zacharias, sag du jetzt, wie der Kleine heißen soll. Mach du dieser Meinungsverschiedenheit ein Ende.«
Ruhig ergriff der alte Mann das Täfelchen und schrieb. Nur wenige Worte, aber sie setzten alle Gäste in Erstaunen. Da lasen sie:. »Er heißt Johannes.« Verwundert schaute einer den andern an. Aber bevor sie ihre Meinung äußern konnten, sprach Zacharias. Ja, er sprach! Monatelang hatte er schweigen müssen und konnte sich nur durch Schreiben verständigen. Was war geschehen?
»Ihr Freunde«, begann er ruhig. »Gott hat jetzt meine Zunge wieder gelöst. Ihr wißt, daß ich vor neun Monaten Dienst im Tempel hatte und seit der Zeit nicht mehr sprechen konnte. Ein Engel erschien mir und sprach: >Fürchte dich nicht. Dein Gebet ist erhört. Deine Frau wird ein Kind haben. Ihr sollt es Johannes nennen. Viele wird er zu Gott hinführen, und er wird vor dem Herrn hergehen.< Aber Freunde«, und jetzt zitterte seine Stimme etwas, »ich konnte diesen Worten nicht glauben. Es erschien so unmöglich. Wir beide sind doch alt. Und ich konnte nicht verstehen, daß bald der Messias geboren werden soll. Darum fragte ich den Engel ungläubig: >Woran soll ich das erkennen?< Und ich bekam die Antwort: >Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, um dir dies zu sagen. Du wirst verstummen und nicht mehr reden können bis auf den Tag, da dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast.<
Ihr wißt, daß ich stumm war. Aber heute, heute! « und der alte Priester reckte sich zu voller Größe, »ja heute ist diese Verheißung erfüllt. Bald wird der Messias kommen. Und du, Kindlein«, vorsichtig, ehrfurchtsvoll, nahm er seinen Sohn auf den Arm, »du wirst ein Prophet des Höchsten heißen, vor dem Herrn hergehen und seinen Weg bereiten. Gelobt sei Gott, der sein Wort hält!«
Alle schwiegen nun still. Sie sahen den Vater mit seinem kleinen Sohn auf den Armen, die glückstrahlende Mutter daneben. Und manchen durchzog eine Ahnung, ein neues Hoffen, auch wenn es über sein Begreifen ging: Gott hat uns nicht vergessen! Er wird sein Wort Wahrmachen.

Alle warten auf den König
Neulich habe ich etwas beobachtet, was du sicher auch schon oft bemerkt hast. Ein Vater wollte mit seiner Familie wegfahren. Die Mutter, die erst für alle andern sorgen mußte, fand kaum Zeit, sich selbst fertig zu machen. Die zwei Großen riefen schon ungeduldig:
»Mutti, kommst du nicht endlich? Vati wartet auch schon!«
Sie rannten wieder ins Haus, kamen wieder zurück und sprangen ungeduldig von einem Bein auf das andere. Aber der dritte stand ruhig vorn im Haus. Auch er wartete, denn seine Augen waren auf die Treppe gerichtet. Er hatte sich sogar so gestellt, daß er Mutti oben sehen konnte, wenn sie herunterkam. Doch er schrie und zappelte nicht ungeduldig herum.
Wie verschieden äußerte sich das Warten dieser drei Kinder. Trotz aller Ungeduld, allen Rufens und Schreiens kam die Mutti erst, als sie fertig war. Der Kleine drückte sich an sie und strahlte. Er sagte kein Wort. Das besorgten die beiden anderen um so gründlicher:
»Endlich kommst du! Wir hätten schon bald draußen am Stausee sein können. Jetzt kann es ja eeeeendlich losgehen!«
Warten ist nicht leicht. Nicht für Kinder und auch nicht für Große. Und hier brauchten die Kinder nur ein paar Minuten zu warten; manche Menschen aber warten jahrelang.
Ein Mann und eine Frau, die sich gar nicht kannten und doch in derselben Stadt lebten, warteten fast ihr ganzes
Leben lang. Und sie warteten beide auf denselben: auf einen König.
Beide liebten sie Gott. Der Mann kannte die Schriften des Alten Testamentes und hatte dort an vielen Stellen gelesen: Einmal wird der König Israels kommen. Einmal wird er sein Reich aufrichten. Ob ich das noch erleben werde? fragte er sich oft.
Jahr um Jahr ging dahin. Er wurde alt, aber die Hoffnung ließ ihn nicht los. Er forschte in den alten Heiligen Schriften, und wenn er dann las: »Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und verkündigt ihr, daß ihre Dienstbarkeit ein Ende hat« oder »Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft liegt auf seiner Schulter ...«, schlug sein Herz höher. Die Sehnsucht wuchs; er möchte ihn so gern sehen, diesen König, der sein Volk befreien und alles gutmachen sollte.
Gott erhörte das Gebet dieses Mannes. Eines Tages sagte er zu ihm: »Du wirst nicht eher sterben, bis du den Christus Gottes, den versprochenen König, gesehen hast.« Da schlug sein Herz höher, und sicher ist er noch häufiger in das Gotteshaus, in den Tempel gegangen. Er mußte noch weiter warten. Aber im Herzen des alten Simeon wuchs die Zuversicht, daß er ihn, den König, bald sehen würde. Wie er ihn finden sollte,, wußte er freilich nicht. Doch Gott, der es ihm versprochen hatte, konnte auch dafür sorgen.
Eines Tages drängte es ihn in den Tempel. Er folgte Gottes Stimme und sah sich im Tempel einer großen Menschenmenge gegenüber. Wie sollte er, der alte Mann, den König da herausfinden? Dann stand er auf einmal vor einem jungen Ehepaar, das ein Kindlein in den Armen trug. Und Simeon wußte plötzlich: Das ist er! Nicht einen Augenblick war er enttäuscht, weil diese Leute so arm waren; weil er seinen König als kleines, hilfloses Kind erblickte! Er nahm das Kind aus den Armen der Mutter und lobte Gott mit lauter Stimme:
»Nun kann ich in Frieden von dieser Welt scheiden. Denn nun habe ich den Heiland der Welt gesehen. Für die Heiden wird es hell werden, und dein Volk Israel wird gelobt werden.« Der alte Simeon sagte noch mehr, er sprach auch von einem furchtbaren Schmerz für die Mutter. Aber das verstand niemand. Auch die Mutter begriff es wohl erst, als sie unter dem Kreuz des Heilands stand.
Verwundert schauten Maria und Josef sich an. Woher wußte jener Mann das alles? Mit tiefer Freude hörten sie zu. So etwas konnte nur Gott ihm offenbart haben. Bevor sie länger mit Simeon sprechen konnten, trat eine alte Frau auf sie zu. Ihr Gesicht glänzte vor unbeschreiblicher Freude. Auch sie hatte gewartet. Viele, viele Jahre war sie treu im Tempel gewesen und hatte Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten gedient. Himmlisches Licht strahlte aus ihren Augen, als sie Gott jetzt für den Erlöser der Welt, für den König Israels, dankte. Das war die alte Hanna.

Inhalt
Das Fest bei Zacharias
Alle warten auf den König
Was bedeutet Weihnachten? .
Der Weg zur Krippe
Die Hochzeit .
Sie kamen übers Dach .
2000 Schweine für ein Menschenleben
Der Gelähmte
Wer geht mit    .
Der kleine Ruben irrt sich
Kleiner Mann in großer Not .
Durchbruch zur Rettung    .
Der Jüngling, der alles verkaufen sollte

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