Ich will nach meinen Schafen fragen

Ich will nach meinen Schafen fragen
Beröa Verlag
Ich will nach meinen Schafen fragen Hesekiel 34 - E.A. Bremicker
Worum es geht
Es gibt wohl kaum ein eindrucksvolleres Bild von der Liebe und Fürsorge des Herrn Jesus zu uns, den Seinen, als das Bild vom guten Hirten. «Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln» (Ps. 23,1), so gab es der Heilige Geist vor mehr als 2'500 Jahren David in die Feder und mit ihm haben seitdem Millionen von Gläubigen die gleiche frohmachende Erfahrung gemacht.

Es ist tatsächlich immer wieder eine liebliche Szene, eine Schafherde mit ihrem Hirten zu beobachten. Der Hirte wacht über die Schafe, er passt auf, er gibt Schutz, er sorgt für Nahrung, er gibt die Richtung an und führt. Seine ganze Fürsorge gilt der Herde. Dieses leicht verständliche und einprägsame Bild benutzt Gott in seinem Wort, um uns Unterricht zu geben. Dieser Unterricht geht in zwei Richtungen:

1) Gott möchte uns klar machen, was der Herr Jesus für uns ist. Als «der gute Hirte» hat Er sein Leben für uns gegeben (Joh. 10,10.11). Als der «grosse Hirte» ist Er in der Gegenwart um uns bemüht (Hebr. 13,20).
Wir, die Gläubigen, sind seine Schafe, die Er liebt und für die Er sorgt, bis zu dem Augenblick, wo Er als «der Erzhirte» offenbar geworden sein wird (1.Petr. 5,4). Er ist der «Hirte und Aufseher» unserer Seelen (1. Petr. 2,25), und wir dürfen mit dem Psalmdichter Asaph sagen: «So werden wir, dein Volk und die Herde deiner Weide, dich preisen ewiglich» (Ps. 79,13). Einen solchen Hirten zu haben, ist wirklich grossartig, so dass wir allen Grund haben, unseren Herrn zu preisen. 

2) Gott möchte uns klar machen, was Er von uns erwartet. Der Herr Jesus ist der Hirte, Er ist einzigartig und unvergleichlich, aber auch wir dürfen Hirtendienst ausüben. Er ist unser Vorbild, dem wir nacheifern sollen, indem wir uns in seiner Gesinnung um unsere Mitgeschwister bemühen. Petrus bekam den ausdrücklichen und dreifachen Auftrag des Herrn: «Weide meine Lämmlein», «hüte meine Schafe», «weide meine Schafe» (Joh. 21,15-17).
Petrus selbst ermahnte einige Jahre später die Ältesten: «Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist» (1. Petr. 5,2). Auch der Apostel Paulus formulierte es ähnlich, als er die Ältesten von Ephesus daran erinnerte, dass sie achthaben sollten auf sich selbst und auf die ganze Herde, «in welcher der Heilige Geist euch als Aufseher gesetzt hat, die Versammlung Gottes zu hüten» (Apg. 20,28).

Grundlage des so verstandenen Hirtendienstes ist die Liebe zu unserem Herrn. Als der Herr dem Petrus den Auftrag gab, sich um die Lämmlein und Schafe zu kümmern, verband Er diesen mit der dreifachen und herzerforschenden Frage nach der Liebe seines Jüngers zu sich. Darüber hinaus macht dieser Schriftabschnitt klar, dass es beim Hirtendienst um zwei grosse Basis Aufgaben geht, nämlich weiden und hüten. Weiden bedeutet in erster Linie, für die nötige Nahrung zu sorgen. Hüten hat den Hauptgedanken von leiten, sorgen und schützen.

Eine Aufgabe für jeden
Ein genauer Vergleich der oben angeführten Stellen zeigt uns, dass der Hirtenauftrag an uns in zwei Richtungen geht. Einerseits geht es um die Lämmlein und Schafe, die zu weiden und zu hüten sind, anderseits ist von der Herde die Rede. Bei den Lämmlein und Schafen denken wir an einzelne Gläubige, bei der Herde an die Gesamtheit der Erlösten, also an die Versamm1ung Gottes. Es gibt Hirtendienst sowohl an einzelnen, als auch in einer örtlichen Versammlung.
Damit ist Hirtendienst auch nicht auf die beschränkt, die eine spezielle Gabe als Hirten empfangen haben (Eph. 4,11) oder in einer örtlichen Versammlung besondere Verantwortung tragen und den Dienst eines Ältesten tun, sondern Hirtendienst im weitesten Sinn ist eine Aufgabe für jeden von uns. Natürlich spricht Gott besonders die an, die in einer Versammlung Verantwortung übernehmen, aber Er spricht z.B. auch die an, die Verantwortung ihren eigenen Kindern gegenüber haben.
Auch Kinder sind ein Teil der Herde Gottes, sie sind die «Lämmlein», die geweidet werden müssen. Das gilt in erster Linie für die Eltern, es gilt aber auch für alle, die
sich um Kinder, um Jugendliche, um Jungbekehrte etc. kümmern. Irgendwo sind wir alle angesprochen, wenn es darum geht, dass wir uns in der Gesinnung unseres grossen Hirten um andere bemühen.
Ein aktueller Bibeltext
Diesen Gedanken wollen wir im Folgenden ein wenig nachgehen. Grundlage dazu ist ein alter und doch aktueller Text aus dem Propheten Hesekiel, der uns einerseits warnt und anderseits anspornt. Die Warnung liegt darin, dass uns gezeigt wird, wie wir es nicht machen sollen. Der Ansporn liegt darin, das positive Beispiel des Herrn Jesus vor Augen zu haben. Er ist auch in diesem Punkt unser grosses Vorbild, dem wir nacheifern wollen.
In Hesekiel 34 redet Gott durch den Propheten zu seinem Volk, bzw. zu den Führern des Volkes, die gleichzeitig seine Hirten waren:
«Und das Wort des Herrn geschah zu mir also: Menschensohn, weissage wider die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen, den Hirten: So spricht der Herr, der Ewige: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? Ihr esst das Fett und kleidet euch mit der Wolle, das fette Vieh schlachtet ihr; die Herde weidet ihr nicht.
Die Schwachen habt ihr nicht gestärkt und das Kranke nicht geheilt und das Verwundete nicht verbun den, und das Versprengte führtet ihr nicht zurück, und das Verlorene suchtet ihr nicht; und mit Strenge habt ihr über sie geherrscht und mit Härte.
Und so wurden sie zerstreut, weil sie ohne Hirten waren; und sie wurden allen Tieren des Feldes zur Speise, und wurden zerstreut. Meine Schafe irren umher auf allen Bergen und auf jedem hohen Hügel; und über das ganze Land hin sind meine Schafe zerstreut worden, und da ist niemand, der nach ihnen fragt, und niemand, der sie sucht.
- Darum, ihr Hirten, hört das Wort des Herrn! So wahr ich lebe, spricht der Herr, der Ewige: Weil meine Schafe zur Beute und meine Schafe allen Tieren des Feldes zur Speise geworden sind, weil kein Hirte da ist, und meine Hirten nicht nach meinen Schafen fragen, und die Hirten sich selbst weiden, aber nicht meine Schafe weiden: darum, ihr Hirten, hört das Wort des Herrn!
So spricht der Herr, der Ewige: Siehe, ich will an die Hirten, und ich werde meine Schafe von ihrer Hand fordern und machen, dass sie aufhören, die Schafe zu weiden, damit die Hirten nicht mehr sich selbst weiden; und ich werde meine Schafe von ihrem Mund erretten, dass sie ihnen nicht mehr zur Speise seien.
Denn so spricht der Herr, der Ewige: Siehe, ich bin da, und ich will nach meinen Schafen fragen und mich ihrer annehmen. Wie ein Hirt sich seiner Herde annimmt an dem Tag, da er unter seinen zerstreuten Schafen ist, also werde ich mich meiner Schafe annehmen und werde sie erretten aus allen Orten, wohin sie zerstreut worden sind am Tag des Gewölks und des Wolkendunkels.

Und ich werde sie herausführen aus den Völkern und sie aus den Ländern sammeln und sie in ihr Land bringen; und ich werde sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und an allen Wohnplätzen des Landes. Auf guter Weide werde ich sie weiden, und auf den hohen Bergen Israels wird ihre Trift sein; daselbst, auf den Bergen Israels, werden sie auf guter Trift lagern und fette Weide beweiden.
Ich will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern, spricht der Herr, der Ewige. Das Verlorene will ich suchen und das Versprengte zurückführen, und das Verwundete will ich verbinden, und das Kranke will ich stärken; das Fette aber und das Starke werde ich vertilgen; nach Recht werde ich sie weiden.
- Und ihr, meine Herde, so spricht der Herr, der Ewige: Siehe, ich werde richten zwischen Schaf und Schaf, den Widdern und den Böcken. Ist es euch zu wenig, dass ihr die gute Weide abweidet und das Übrige eurer Weide mit euren Füssen zertretet, und dass ihr das abgeklärte Wasser trinkt und das Übriggebliebene mit euren Füssen trübt? Und meine Schafe sollen abweiden, was mit euren Füssen zertreten, und trinken, was mit euren Füssen getrübt ist?
Darum, so spricht der Herr, der Ewige, zu ihnen: Siehe, ich hin da, und ich werde richten zwischen ‚fettem Schaf und magerem Schaf. Weil ihr all die Schwachen mit Seite und Schulter verdrängt und mit euren Hörnern stosst, bis ihr sie nach aussen hin zerstreut habt, so will ich meine Schafe retten, damit sie nicht mehr zur Beute seien; und ich werde richten zwischen Schaf und Schaf.
Und ich werde einen Hirten über sie erwecken, und er wird sie weiden - meinen Knecht David: der wird sie weiden, und der wird ihr Hirt sein. Und ich, der Herr, werde ihr Gott sein, und mein Knecht David wird Fürst sein in ihrer Mitte. Ich, der Herr, habe geredet.
Und ich werde einen Bund des Friedens mit ihnen machen, und werde die bösen Tiere aus dem Land vertilgen; und sie werden in der Wüste sicher wohnen und in den Wäldern schlafen. Und ich werde sie und die Umgehungen meines Hügels zum Segen machen; und ich werde den Regenfallen lassen zu seiner Zeit, Regen des Segens werden es sein.
Und der Baum des Feldes wird seine Frucht geben, und das Land wird seinen Ertrag geben; und sie werden in ihrem Land sicher sein. Und sie werden wissen, dass ich der Herr hin, wenn ich die Stäbe ihres Joches zerbreche und sie aus der Hand derer errette, welche sie knechteten.
Und sie werden nicht mehr den Nationen zur Beute sein, und die wilden Tiere der Erde werden sie nicht mehr fressen; sondern sie werden in Sicherheit wohnen, und niemand wird sie aufschrecken. Und ich werde ihnen eine Pflanzung erwecken zum Ruhm, und sie werden nicht mehr durch Hunger weggerafft werden im Land und nicht mehr die Schmach der Nationen tragen.
Und sie werden wissen, dass ich, der Herr, ihr Gott, mit ihnen bin, und dass sie, das Haus Israel, mein Volk sind, spricht der Herr, der Ewige. Und ihr, meine Herde, Herde meiner Weide, ihr seid Menschen; ich hin euer Gott, spricht der Herr, der Ewige.»

Der prophetische Hintergrund

Bevor wir diesen Text nun praktisch auf uns anwenden, wollen wir zunächst kurz die prophetische Tragweite dieses Kapitels besehen. Dies ist unerlässlich, damit wir in der Anwendung nicht zu falschen Schlussfolgerungen kommen.
Hesekiel 34 ist die erste grosse Weissagung, die Gott dem Propheten gibt, nachdem der Fall von Jerusalem angekündigt worden ist (Kap. 33,21). Gott entlarvt in diesem Kapitel einerseits das Tun der falschen Führer des Volkes. Anderseits ist die Botschaft des Propheten eine Botschaft der Ermutigung, weil sie auf den wahren Hirten hingewiesen werden, der seinem Volk Ruhe und Frieden geben wird. Das Kapitel lässt sich in vier Teile einteilen:
Erster Teil (V. 1-6): Die ersten sechs Verse behandeln das böse Tun und das ebenso böse Unterlassen der falschen Hirten. Sie werden durch Egoismus und Eigenliebe gekennzeichnet. Nicht das Wohl der Herde, sondern ihr eigener Nutzen steht im Vordergrund. Deshalb handeln sie hart und erbarmungslos.
Es fällt uns nicht schwer, das hier beschriebene Tun der Hirten auf die Zeit zu übertragen, in der der Herr Jesus als der wahre Hirte auf dieser Erde war. In den religiösen Führern des Volkes Israel erkennen wir die falschen Hirten. Auch ihnen ging es nicht um die Herde, sondern um ihren eigenen Vorteil. Sie ruhten nicht eher, bis sie den wahren Hirten ans Kreuz gebracht hatten. Als Folge davon wurde die Herde (das Volk der Juden) unter die Nationen zerstreut (vgl. Luk. 21,24).
Unsere Gedanken gehen aber noch zu einem anderen Hirten, dem schlimmsten Hirten, der je diese Erde betreten wird. Es ist der Antichrist, den Gottes Wort «den nichtigen Hirten» nennt (vgl. Sach. 11,16.17). Ein Vergleich der angeführten Prophezeiung Sacharjas mit der von Hesekiel weist nicht zu übersehende Parallelen auf. In der Person des Antichristen finden Gleichgültigkeit in Bezug auf die Herde einerseits und Egoismus anderseits ihren furchtbaren Höhepunkt.
Zweiter Teil (V. 7-10): Jetzt werden die falschen Hirten zunächst direkt angesprochen. Gott verurteilt ihr Handeln und stellt sie unter Verantwortung für das, was sie tun: «Siehe ... ich werde meine Schafe von ihrer Hand fordern» (V. 10). Gott wird nicht zulassen, dass seine Schafe eine Beute dieser Hirten werden, die in Wirklichkeit gar keine Hirten sind.
Dritter Teil (V. 11-22): Diese Verse beschreiben uns die Befreiung der Herde aus den Händen der falschen Hirten. Gott hat seine Schafe nicht vergessen: «Siehe, ich bin da, und ich will nach meinen Schafen fragen und mich ihrer annehmen» (V. 11), so lautet die Zusage des Herrn. Die Erfüllung dieser Zusage ist noch zukünftig und betrifft das Kommen des Messias auf diese Erde in Macht und Herrlichkeit. Dann wird Er sein Volk aus der Zerstreuung sammeln und ihm Weide geben (vgl. auch Jer. 23,3).
Die Aussagen dieser Verse beziehen sich prophetisch also weder auf die Zeit der Rückkehr der Juden aus der babylonischen Gefangenschaft, noch auf die Zeit der
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Versammlung, in der wir jetzt leben. Wenn wir auch Anwendungen auf uns machen dürfen, so wollen wir doch die eigentliche Bedeutung nicht aus den Augen verlieren.

Diese Befreiung wird jedoch auch Gericht mit sich bringen. Es wird eine Trennung geben zwischen Schaf und Schaf, zwischen Widdern und Böcken (V. 17). Dies bezieht sich offensichtlich auf das Gericht, das jene treffen wird, die nicht zum gläubigen Überrest des Volkes Israel gehören, sondern dem Antichristen nachgefolgt sind.


Vierter Teil (V. 23-31): Der Abschluss des Kapitels bildet gleichzeitig den Höhepunkt und lässt uns einen Blick in das Tausendjährige Reich tun. «Ich werde einen Hirten über sie erwecken, und er wird sie weiden - meinen Knecht David; der wird sie weiden, und der wird ihr Hirt sein» (V. 23).
Mit diesen Worten weist der Geist Gottes zweifellos auf den Herrn Jesus hin. Der wahre Hirte ist nicht der historische David, sondern der, der vor fast 2'000 Jahren hier war, um nach den verlorenen Schafen des Hauses Israel zu sehen. Er kommt wieder, um sein Volk in die Ruhe des Tausendjährigen Reiches zu bringen (vgl. auch Jer. 23,5-6).
Dann wird der Fluch, der auf der Schöpfung liegt, weggenommen sein und ein Bund des Friedens gemacht werden. Israel wird in Sicherheit wohnen und keine Angst mehr vor Feinden haben. Sie werden selbst gesegnet und gleichzeitig ein Segen für andere sein. Dann
erst wird das Volk wirklich wissen und erkennen, dass ihr Gott mit ihnen ist und dass sie sein Volk sind (V. 30).
Gott wird mit dem Volk zu seinem Ziel gekommen sein und die Worte des Propheten Jesaja gehen in Erfüllung: «Die Mehrung der Herrschaft und der Friede werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über sein Königreich, um es zu befestigen und zu stützen durch Gericht und durch Gerechtigkeit, von nun an bis in Ewigkeit» (Jes. 9,7).

Der praktische Hintergrund

Die Weissagung Hesekiels ist über 2'500 Jahre alt, und doch redet Gott damit auch zu uns. Er meint dich und mich, und wir tun gut, auf seine Worte zu hören.

Was war es für eine Zeit, in der Hesekiel lebte und weissagte? Es war eine Zeit, die von Niedergang und Verfall gekennzeichnet war. Das Volk als Ganzes hatte sich von seinem Gott abgewandt. Die Verwirrung war gross. Gott musste das Gericht ankündigen. Trotzdem gibt Gott sein Volk nicht auf und redet durch den Propheten zu ihm. Er appelliert an die Verantwortung der einzelnen.

Dieser Appell Gottes richtet sich auch an uns. Wir leben in einer Zeit, die Gottes Wort nicht ohne Grund «die letzten Tage» nennt (2. Tim. 3,1; 2. Petr. 3,3). Das Zeitalter des christlichen Zeugnisses auf der Erde geht seinem Ende zu. Biblisch orientierte Werte, die noch vor wenigen Jahrzehnten weitgehend Akzeptanz fanden, zählen immer weniger. Der Verfall nimmt rasant zu. Falsche Hirten gibt es immer mehr, Menschen, die über Gottes Wort reden, aber kein Leben aus Gott haben.
Darüber hinaus wird die Welt, in der wir leben, zunehmend von Egoismus, Rücksichtslosigkeit und Eigenliebe gekennzeichnet. Als Folge davon sind immer mehr Menschen einsam und bleiben auf die Frage nach dem Sinn ihres Lebens ohne Antwort.

Von diesen Entwicklungen bleiben echte, d.h. wiedergeborene Christen nicht unbeeinflusst. Die Denk- und Verhaltensweisen dieser Welt machen sich auch unter Gläubigen mehr und mehr breit. Viele Kinder Gottes suchen Halt und Fundament. Welcher Weg ist der richtige? Wer gibt uns Orientierung? Wie sollen unsere Kinder zurechtkommen? Wer hilft in Einsamkeit? Alles Fragen, die einer biblisch fundierten Antwort bedürfen.

Ist in einer solchen Zeit nicht wirklicher, echter Hirtendienst gefragt, Hirtendienst in der Gesinnung unseres Meisters?
Wer nimmt sich Zeit für die Kinder, um mit ihnen über ihre Probleme in der Schule, mit Lehrern und Schulkameraden, zu sprechen? Wer nimmt sich die Zeit, den Kindern zuzuhören und ihnen in den vielen Fragen den richtigen Weg zu weisen? Kennen wir die Fragen und Schwierigkeiten unserer Kinder überhaupt?
Wer nimmt sich Zeit für die Jugendlichen, um ihnen Mut zu machen, gegen den Strom der Allgemeinheit zu schwimmen? Wer nimmt sich die Zeit, den Jugendlichen einmal wirklich zu zeigen, wie sinnerfüllt ein Leben mit
dem Herrn Jesus ist? Kennen wir die grossen Gefahren überhaupt, denen unsere Jugendlichen im täglichen Leben ausgesetzt sind (sittlich-moralisch, aber auch auf religiösem Gebiet)?
Wer nimmt sich die Zeit, Eltern zu helfen, die allein nicht mehr klarkommen?
Wer nimmt sich die Zeit, mit Geschwistern zu reden, die am Rand stehen, die vielleicht unbeantwortete Fragen haben und in Gefahr stehen, die praktische Gemeinschaft mit ihrem Herrn zu verlieren?
Wer nimmt sich die Zeit, alte und alleinstehende Geschwister zu betreuen und ihnen zu helfen?
Wer nimmt sich die Zeit für kranke Geschwister, die keine Gelegenheit haben, am gemeinsamen Leben der örtlichen Versammlung teilzunehmen?

Eine ganze Reihe von Fragen, die sicher nicht erschöpfend ist. Wir erkennen erstens, dass wir offene Augen brauchen, offene Augen für die Probleme unserer Zeit, offene Augen für die Fragen unserer Geschwister.
Wir erkennen zweitens, dass wir Zeit brauchen. Und damit ist gleich ein besonderer Problemkreis angesprochen. Wer hat schon Zeit? Obwohl der Tag immer noch 24 Stunden und jede Stunde 60 Minuten hat, scheint uns die Zeit immer schneller zu zerrinnen. Eine richtige Gewichtung der Prioritäten unseres Lebens ist da unbedingt nötig, sonst werden wir hier schon scheitern.
Wir erkennen drittens, dass wir ein mitfühlendes Herz brauchen. Echter Hirtendienst setzt voraus, dass wir in der Lage sind, uns in den anderen hineinzuversetzen und seine Probleme zu verstehen. Vor allem aber erkennen wir, dass wir die Gesinnung unseres Herrn brauchen.

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